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myGully |
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13.02.19, 23:05
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#1
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Chuck Norris sein Vater
Registriert seit: Apr 2009
Beiträge: 5.075
Bedankt: 12.641
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Moin,
ich bin da zwiegespalten. Das Bild steht wie nur wenige andere für die Grausamkeit jedes Krieges. Selbst wenn der Bombenabwurf rein technisch gesehen ein Versehen war. Was ändert das? Die Kanister wurden nicht abgeworfen, um zu erschrecken und haben nur versehentlich die falschen getroffen. Die Dinger werden nur hergestellt und verwendet um Menschen zu verbrennen. Das es in diesem Fall Kinder und nicht wie vorgesehen Soldaten waren ändert für mich an der entsetzlichen Grausamkeit der ganzen Sache nichts.
Aber gehören nicht trotzdem alle bekannten Fakten zur Wahrheit? Das das Bild so wie es auch in diesem Thread abgebildet ist nicht das vollständige Bild darstellt? Das die Flugzeuge die das Napalm abwarfen zur südvietnamesischen Luftwaffe gehörten? Das es zu dieser Zeit in dem Gebiet keine amerikanischen Militärberater mehr gab?
Wie gesagt. Das Bild ist eine schreiende Anklage gegen den Krieg. Und für mich wäre sie ohne die "Korrekturen" noch stärker weil noch wahrhaftiger gewesen. Warum hat man die ungerührt arbeitenden Fotografen weggeschnitten?
Zeigen die nicht am deutlichsten was der Krieg aus Menschen machen kann? Männer, einige vielleicht selber Väter, die sich darauf konzentrieren ihre Ausrüstung zu bedienen während ein schreiendes Kind dem die Haut in Fetzen vom Körper hängt an ihnen vorbeiläuft. Männer, die fotografierend hinter dem Kind herlaufen um auch so ein "tolles" Bild zu kriegen wie ihr Kollege. Die erst dann zögerlich zu helfen beginnen als klar war das keine "tollen" Fotos mehr zu erwarten waren?
Führen nicht diese "Korrekturen" auch zu Verfälschungen in der Sicht auf die Dinge? Die Amerikaner haben in Vietnam Krieg geführt. Das steht ausser Frage. Aber es war kein Krieg Amerikaner gegen Vietnamesen. Es war ein Krieg Amerikaner und Vietnamesen gegen Vietnamesen. Wenn nun immer nur von den Amerikanern gesprochen wird gerät allzu leicht in Vergessenheit das auch Vietnamesen Krieg gegen ihre eigenen Landsleute geführt haben. Und an dem Ausmass wie dieser Satz absichtlich missverstanden werden wird kann man sehen, wie wichtig unbedingte Wahrheitstreue bei der Bericherstattung ist. Der Hang nur das zu glauben was gefällt ist einfach zu groß.
[ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]finden sich einige (eher viele) Anmerkungen zu dem Bild.
Zu dem von parlheinz erwähnten Bild auf dem der Saigoner Polizeichef einen jungen man erschiesst. Der Fotograf hat später gesagt "Wie Adams später erklärte, bereute er es, das Foto veröffentlicht zu haben, mit dem Hinweis, dass er damit Nguyễn Ngọc Loan große Schwierigkeiten bereitet hätte. Das Foto sei seiner Meinung nach falsch interpretiert worden. In einem Interview sagte er: „Jeder hätte zu diesem Zeitpunkt den Abzug betätigt.“
Nun erhält Kim Phuc Phan Thi den Dresdner Friedenspreis für ihr Engagement für Kinder in Krisengebieten. Und, um die Diskussion wieder auf das zu lenken um das es hier vordergründig gehen sollte, den hat sie wirklich verdient. Es bleibt mir nur ihr zu gratulieren und ihr zu danken. Selten hat jemand seine Leiden und seine Popularität sinnvoller eingesetzt.
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Wenn Kik den Preis pro Shirt um einen Euro erhöht um seinen Mitarbeitern ein besseres Gehalt zu zahlen, dann finden wir das alle gut.
Und dann gehen wir zu Takko einkaufen ...
Geändert von Melvin van Horne (13.02.19 um 23:11 Uhr)
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Folgendes Mitglied bedankte sich bei Melvin van Horne:
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14.02.19, 00:15
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#2
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Chuck Norris
Registriert seit: Sep 2009
Beiträge: 3.738
Bedankt: 5.859
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Zitat:
Zitat von Melvin van Horne
Was ändert das?
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Es geht darum, dass die Analyse vom Welt-Autor scheinbar das Bild und die Gesamtsituation trennen will, mit der banalen Erkenntnis (brechen wir es herunter), dass dieser Schnappschuss nicht den kompletten Vietnamkrieg darstellt. Richtig, das tut er nicht. Und weiter? Das Foto ist nur ein Symbol, für einen unfassbaren Vorgang. Ich kann das Leid von Millionen Menschen nicht erfassen, denn ich tue mich schon mit diesem einen Menschen schwer.
Natürlich hätten die Kameramänner, Ut inbegriffen, erstmal den Menschen helfen sollen. Er hätte sie gleich in das Krankenhaus fahren können, dass mit diesem Fall überfordert gewesen wäre. Er hätte ihr beim krepieren zusehen können, was nämlich der Fall gewesen wäre. Er hätte dabei sein können, wie sie eben nicht in die entsprechend ausgestattete Klinik gebracht worden wäre, dank ihrer schlagartigen Berühmtheit. Sie hätte einfach eine Zahl in der Statistik sein können, wenn alles anders gekommen wäre. Das ist die kleine Geschichte die nicht erwähnt wird.
Nur dann gebe es keine Friedenstifterin, der Dresdener Friedenspreis wäre an jemand anderen gegangen und wir würden hier nicht über dieses Foto reden.
Sollten Reporter lieber schnell eingreifen, oder ein Foto schießen, dass wenigstens einen Teil der Wahrheit wiedergibt um Tausende zu retten? Propaganda hat es genug, dort braucht es diese Frage nicht. Ich meine den Teil vom Krieg zeugt den die meisten Männer früher nach hause mitbrachten. Der kommt der Realität auf dem Foto schon viel näher, als die glattgebügelten Einspieler im Fernsehen.
Worauf ich hinaus will ist, dass es Elemente gibt, die Krieg als Mittel der Politik ansehen. Da sind solche Fotos nicht gut. Natürlich kann man die Tatsachen nicht kleinreden, aber relativieren. So wird Nich Ut in dem Fall in die Nähe eines sensationsgeilen Reporters gerückt aka "Anders als Nick Út später immer behaupten wird, bilden gerade diese Aufnahmen weniger ,den Krieg an sich’ ab, sondern das Verhalten der Medienvertreter in Kriegen gegenüber seinen Opfern." - als hätten diese Napalm auf das Mädchen geschüttet. Und wenn ein Reporter mit diesem Vorsatz arbeitet, wird irgendwann Erfolg haben. Den Schnappschuss machen, der ihn berühmt macht. Einen Ausschnitt aus der Realität, die so nicht ist, aber in im *******n schonmal dahin ausschlägt. So sieht auf den Bildern des AP Fotografen Hoang van Danh das Mädchen nicht mehr so entsetzlich aus. Es schreit nicht in die Kamera, hat sich beruhigt. Hoang van Danh wurde nicht berühmt, so ein Mist aber auch.
Was ist nun die Realität? Alles halb so schlimm? Nochmal: In Vietnam starben Millionen von Menschen. Viele Kinder kamen um, auch im Feuer von Napalm. Das Bild von Kim Phuc Phan Thi zeigt uns einen winzigen Ausschnitt des Leids, was damals auch (aber nicht nur) die Realität war. Nur hat das niemand für die Weltöffentlichkeit festgehalten. Und wenn jetzt jemand sagt, dass er aus einem fernen Land, dies nicht mehr zulassen will (zB wie damals durch Stimmabgabe bei einer Präsidentschaftswahl), ist das vollkommen in Ordnung. Und dazu leistete dieses Foto trotz alledem zurecht einen Beitrag.
Geändert von Nana12 (14.02.19 um 00:26 Uhr)
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14.02.19, 19:55
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#3
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Süchtiger
Registriert seit: Sep 2013
Beiträge: 821
Bedankt: 949
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Es ist völlig klar, dass ein Bild nicht einen ganzen Krieg beschreiben kann und das soll es auch nicht. Der Fotograf ist auch ganz sicher nicht der "Superfotograf", der es nun endlich geschafft hatte ein solches Bild auf den Tisch seiner Redaktion zu bringen. Es war eine Menge Fotografen für mehrere Agenturen unterwegs, es gab ganz bestimmt sehr viele Bilder und ebenso viele Bilder, die gut waren, aber zurückgehalten wurden. Zurückgehalten deshalb, weil man der Welt nicht zeigen wollte, was in Vietnam geschieht und weil man Angst vor der emotionalen Wirkung hatte.
Ich sehe übrigens keine Manipulation des Bildes, nur weil man einen Ausschnitt gewählt hat, der das in den Mittelpunkt stellt, worauf es ankommt, das ist heute gang und gäbe. Dann könnte man schon die Auswahl des Objektivs als Manipulation bezeichnen, denn Brennweite und Blende haben einen Einfluss auf die Wirkung eines Bildes (und andere Dinge). Dazu kommt, dass alle in diesem Zusammenhang relevanten Fotos veröffentlicht wurden, auch die Originalaufnahme. An eine Absicht, dass hier jemand berühmt werden wollte, kann ich auch nicht glauben.
Die Besonderheit des Bildes sehe ich eben in der Tatsache, dass es überhaupt veröffentlicht wurde, ich hatte es auch schon geschrieben. Das war der Mut der Leute, die wussten was dort täglich geschieht.
Was mich beeindruckt ist die Tatsache, wie gut man die Wirkung solcher Bilder schon damals einschätzte und wie aktuell das Thema heute ist. Und es wird durch die sozialen Medien immer aktueller und kritischer.
Wenn heute entschieden wird, welche Bilder man veröffentlichen kann, dann geht es um den Pesönlichkeits-, Jugend- und Opferschutz. Jedenfalls gibt es eine Menge von Argumenten, durch die der Öffentlichkeit solche schlimmen Bilder vorenthalten werden. Das mag manchmal richtig sein, manchmal ist es das aber garantiert nicht.
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