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Ungelesen 18.07.22, 11:56   #1
Draalz
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Standard Wir schaffen das!

Zitat:
Verzicht als konservative Tugend

Wir schaffen das!


Eine Kolumne von [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]


Wenn sie müssen, sind die Deutschen stark. Sie konnten Agenda 2010, Flüchtlingskrise und Corona. Sie können längst auch Verzicht.

18.07.2022, 12.24 Uhr


Kundin im Discounter Supermarkt: Dieses Land ist nicht darauf vorbereitet, Verzicht zu üben? Was für ein dreister Schwachsinn. Foto: Robert Kneschke / ddp

Konservativen wird bisweilen Misanthropie nachgesagt, larmoyante Übellaunigkeit oder notorische Zukunftsscheu. Völlig falsch ist das nicht, aber mit einer gravierenden Ausnahme: Wenn es wirklich ernst wird, sind es die Konservativen, die an ihr Land glauben, weil sie auf ihr Land stolz sind. Sie glauben an seine Menschen und an die Fähigkeit eines jedes Einzelnen, vielleicht auch die Pflicht, notfalls über sich hinauszuwachsen. Manche Milieus links der Mitte tun sich damit immer noch schwer, teils aus intellektueller Herablassung, teils aus alter Schuldprojektion. Im Herbst und Winter könnte das noch wichtig werden, wenn es tatsächlich so weit kommt, dass die scheinbar altmodischen Tugenden den Laden zusammenhalten müssen: Verzicht und Opfer, Mitgefühl und Großherzigkeit.

Ich will die Dimensionen des Problems nicht kleinreden und schon gar nicht die Schärfe verniedlichen, mit der die Gas- und Preiskrise geringer Verdienende und die wirklich Armen erfasst. Ihnen muss der Staat in unser aller Namen massiv unter die Arme greifen, das steht außer Frage. Mich stört jedoch die gesellschaftspsychologische Grundierung, wenn es von prominenter Stelle über die nächsten Monate, vielleicht Jahre, heißt: Die Deutschen seien das, was nun ins Haus stünde, nicht (mehr) gewohnt.
Der Hauptgeschäftsführer des Städtetages sagt
: »Wir werden die Komfortzone verlassen müssen.« Der Verbandschef der chemischen Industrie sagt: »Dieses Land ist nicht darauf vorbereitet, Verzicht zu üben.« Und was man in Berlin so hört, denken sie in der Bundesregierung ganz ähnlich.

Zitat:
Nikolaus Blome


Foto: Daniel Reinhardt / DPA

Jahrgang 1963, war bis Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur und Politikchef der »Bild«-Zeitung. Von 2013 bis 2015 leitete er als Mitglied der Chefredaktion das SPIEGEL-Hauptstadtbüro, zuvor war er schon einmal stellvertretender »Bild«-Chefredakteur. Seit August 2020 leitet er das Politikressort bei RTL und n-tv.
Aber, Entschuldigung: Was ist das für ein dreister Schwachsinn.

Zig Millionen Deutsche haben in den vergangenen 15, bald 20 Jahren ihre »Komfortzone« verlassen und auf Dinge verzichtet, die zu den zentralen Ausstattungsmerkmalen ihres Lebens gehörten. Sie haben dauerhaft oder zeitweilig ihre Ansprüche reduziert und ihre Rechte beschneiden lassen. Manchmal war der Verzicht angeordnet, manchmal freiwillig, und oft genug entpuppte sich das Ganze am Ende als Fortschritt sowie persönliches Glück. Aber stets begann es mit Verzicht, etwa...:
  • ... auf berufliche Status-Sicherheit und besonders auskömmlich alimentierte Bereiche des Arbeitslosenrechts, als die [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] kam – die politikgewordene Brandrodung aller Komfortzonen des deutschen Sozialstaats.
  • ... auf größere Gehaltserhöhungen während der [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ], und in Folge der Euro-Rettung sehr lange Zeit auch auf Zinsen für ihr Erspartes.
  • ... auf kulturelles Unangefochtensein oder selbstverständlich tradierte Identität der Mehrheitsgesellschaft während und nach dem großen Zustrom der [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] 2014 bis 2016.
  • ... auf Freiheit, Reisen, Spaß, Konsum und Gemeinschaft genauso wie auf Bildung oder unbeschwerte Jugendjahre, als [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] kam und die Regierungen sich nicht anders als mit massiven Einschränkungen zu helfen wussten. Die Folgen sind noch gar nicht voll absehbar.
Kurzum: In Sachen Verzicht haben die Deutschen viel geübt. Wir sind regelrecht austrainiert. Putin soll sich trauen.

Im Vergleich dazu kommt die Bundesregierung wie ein Bußzug schmerzensstolzer Flagellanten daher. [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] gibt den Ton an, in Sachen Blut, Schweiß und Tränen [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]. Aber auch ihm gerinnt das Ganze langsam zu allgemeinen Blablatüden: bis repetita non placent, Wiederholungen gefallen nicht. Gewiss, die Regierung macht sich vor aller Augen ehrlich. Drei Viertel der Deutschen fangen an, im Alltag [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] zu sparen, und Hamster wird noch das neue Hipster. Das ist alles gut so, niemand soll die Bürger in falschen Hoffnungen wiegen. Aber einfach nur fortgesetzt Bange machen, das geht auch nicht. Noch dazu lässt dieses Erwartungsmanagement der Bundesregierung und anderer öffentlicher Stellen [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] groß und größer erscheinen, was weder klug ist noch gewollt sein kann: In ein paar Jahren, vielleicht schon im nächsten, spricht kaum noch jemand in [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] von Putins Gas, ist es nicht so? Dann kann er es an die Chinesen verkaufen, wenn er eine ausreichend große Pipeline zu Wege bringt und sie es ihm abnehmen. Als verlässlicher Lieferant dürfte er allerdings nirgendwo mehr gelten. Und tschüss.

Kurzum: Man müsste das grand design dieser Auseinandersetzung weniger defätistisch erzählen oder weiter erzählen als nur bis an ihren düstersten Punkt im kommenden Winter des Missvergnügens oder gar der Missgunst. Dann würde nämlich klar, dass es sich absehbar um jene Sorte Verzicht handelt, die sehr oft zu etwas Besserem führt, und in dieser Disziplin, die nicht umsonst so heißt, sind die Deutschen Meister. Die Franzosen sagen dazu: »Il faut reculer pour mieux sauter«. Und auch wenn sie wegen der desaströsen Bilanz ihrer Energiepolitik derzeit zurecht heftig kritisiert wird, würde ich darum den heutigen Schlussakkord bei [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] entleihen: Wir schaffen das. Wäre doch gelacht.
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