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Draalz 26.10.20 08:45

Ist Google das neue Microsoft?
 
Zitat:

Ist Google das neue Microsoft?

Früher war Microsoft der Inbegriff des «bösen Monopolisten». Laut dem US-Justizministerium kopiert der Suchmaschinenbetreiber heute die Methoden, die er einst selbst anprangerte.

Stefan Häberli
22.10.2020, 07.00 Uhr


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Die Rivalen Apple und Google haben einen Burgfrieden geschlossen.

Die am Dienstag veröffentlichte [Link nur für registrierte und freigeschaltete Mitglieder sichtbar. Jetzt registrieren...] des amerikanischen Justizministeriums beginnt sentimental: «Vor zwei Jahrzehnten wurde Google als rauflustiges Startup mit einer innovativen Art und Weise, das aufkommende Internet zu durchsuchen, zum Liebling des Silicon Valley. Dieses Google ist längst Geschichte.» Heute sei Google mit einem Marktwert von 1 Bio. $ und einem Jahresumsatz von über 160 Mrd. $ nicht nur eines der reichsten Unternehmen der Welt, sondern auch ein «monopolistischer Torwächter für das Internet». Aus dem sympathischen David sei ein Goliath geworden, soll das wohl heissen.

Vor Gericht zählen allerdings nicht Sympathien, sondern Verstösse gegen das Kartellrecht. Was wirft die US-Regierung Google also konkret vor? Um ihre Argumentation zu verstehen, sei kurz das Geschäftsmodell von Google skizziert: Die eigentlichen Kunden von Google sind die Werbetreibenden. Letztere wollen mit möglichst geringen Streuverlusten ihre Produkte und Dienstleistungen bewerben. Dies ermöglichen die Nutzer der Google-Dienste, die eher Rohstofflieferanten als Kunden sind. Zwar kommen sie in den Genuss scheinbar kostenloser Dienste wie der Suchmaschine, doch de facto zahlen sie mit ihren Daten. Je grösser die Masse an Daten und Nutzern ist, umso lukrativer ist Googles Geschäft mit Werbeanzeigen.

Google nutzt Trichter-Taktik

Gegen dieses Geschäftsmodell wendet das US-Justizministerium per se nichts ein. In der Klage wirft es Google allerdings vor, mit wettbewerbsschädigendem Verhalten seine dominante Stellung im Markt für Suchanfragen zu zementieren. Der Tech-Konzern zahlt jährlich Milliardensummen an Smartphone-Produzenten wie Apple und Samsung, Browser-Entwickler wie Mozilla (Firefox) und amerikanische Telekomfirmen. Die Vertragspartner verpflichten sich im Gegenzug, auf ihren Smartphones oder Browsern die Google-Suchmaschine als Standard festzulegen.

Die Kunden können diese Voreinstellung zwar ändern, tun dies aber selten. Genau das ist der Grund, warum Google tief in die Tasche greift, um sich das «Vorrecht» zu sichern. Einige dieser Vereinbarungen verlangen offenbar auch, dass Google-Apps auf neuen Smartphones gut sichtbar platziert werden. Auch dies soll natürlich dazu beitragen, dass möglichst viele Konsumenten die Google-Suchmaschine nutzen. Der Tech-Konzern hat über ein Geflecht aus Vereinbarungen mit Drittfirmen eine Art Trichter gebaut, der die digitalen Verkehrsströme zu ihm lenkt.

Dass dafür auch die Rivalen Apple und Google einen Burgfrieden geschlossen haben, war seit längerem bekannt. Apple hat sich verpflichtet, für mehrere Jahre die Suchmaschine von Google als Standardoption für den Safari-Browser zu verwenden. Mit anderen Worten: Apple sorgt dafür, dass sein Kundenstamm die Suchmaschine von Google nutzt. Und Google revanchiert sich mit einem Teil der Werbeeinnahmen. Erstaunlich sind allerdings die finanziellen Dimensionen des Deals: 8 bis 12 Mrd. $ überweise Google jährlich nach Cupertino, schätzt das US-Justizministerium.

Das Geld, das Apple mit dieser Vereinbarung verdient, macht laut der Klageschrift etwa 15 bis 20% des Reingewinns aus. Für Mozilla, das Unternehmen hinter dem Firefox-Browser, ist ein ähnlicher Vertrag gar die Haupteinnahmequelle. Google soll 400 bis 450 Mio. $ pro Jahr zahlen, damit seine Suchmaschine bis 2023 die Standardoption innerhalb des Firefox-Browsers bleibe.

Das Vorgehen erinnert das US-Justizministerium an das Gebaren von Microsoft in den 1990er Jahren. Damals löste der Softwareriese den sogenannten Browser-Krieg aus. Er ritt eine Attacke gegen den Browser von Netscape, der es auf einen Marktanteil von rund 80% brachte. Dabei machte sich Microsoft seine dominante Stellung im Markt für Betriebssysteme zunutze.

Klage mit Schönheitsfehler

Das Unternehmen schenkte den Windows-Käufern seinen Internet-Explorer und verflocht den Browser technisch mit dem Betriebssystem, damit er nicht gelöscht werden konnte. Die US-Behörden leiteten wegen dieser Praxis zwar ein Monopolverfahren ein, doch dieses ging für Microsoft glimpflich aus. Als der Fall 2001 vor Gericht abgeschlossen wurde, hatte der Microsoft-Browser einen Marktanteil von 96% erobert.

Genüsslich weist das US-Justizministerium darauf hin, dass Google damals Praktiken von Microsoft als wettbewerbswidrig kritisiert hatte, die der Konzern heute selbst anwende. Nun sei er es, der mit wettbewerbswidrigen Vereinbarungen dafür sorge, dass seine Dienste vorinstalliert würden und unlöschbar seien. Die Argumentation der US-Behörde hat allerdings einen Schönheitsfehler: Microsoft nutzte die Quasi-Monopolstellung mit dem Windows-Betriebssystem, um in einen neuen Markt vorzudringen. Im Falle Googles ist es gerade umgekehrt: Der Tech-Konzern zahlt Milliarden an Konkurrenten wie Apple oder Mozilla, um die Dominanz seiner Suchmaschine zu festigen. Das hatte Microsoft nicht nötig.
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Es reicht ja nicht einfach Geld zu verdienen, man muss schon alles Geld verdienen. :rolleyes:

karfingo 26.10.20 12:38

Ich nutze seit Jaaahren Duck-Duck-Go anstatt die Google Suchmaschine.

needle_eye 26.10.20 19:37

Zitat:

Zitat von karfingo (Beitrag 38876484)
Ich nutze seit Jaaahren Duck-Duck-Go anstatt die Google Suchmaschine.

Installiere mal NoScrip t. Heutzutage kommt man ohne Google gar nicht weit.

Draalz 26.10.20 19:47

Zitat:

Zitat von needle_eye (Beitrag 38879856)
Heutzutage kommt man ohne Google gar nicht weit.

In der Tat. Versuch mal ein Adroid Smartphone ohne Google zu betreiben. :rolleyes:
Das geht zwar, allerdings nur äusserst mühsam. :rolleyes:
Wobei Android dabei schon der Widerspruch überhaupt ist. :rolleyes:
Duck-Duck-Go benutze ich auch. ;)

karfingo 26.10.20 19:52

@Draalz
In meinem Leben bin ich bisher ohne cell phones ausgekommen.
Also weder Handy noch Smartphone.
Zitat:

Zitat von needle_eye (Beitrag 38879856)
Installiere mal NoScrip t. Heutzutage kommt man ohne Google gar nicht weit.

Im Geigentiel: Duck-Duck-Go findet Stellen, die Google anscheinend erst auf Seite 538 bringt.
Bin mit der Recherche von D-D-G sehr einverstanden. Zuviel Info ist schädlich. Also auch kein NoScrip t; was auch immer das sein mag!
Das macht die Kapersky Extension für FF auch.


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