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19.10.14, 08:30
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#1
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Klaus Kinksi
Registriert seit: Oct 2009
Beiträge: 51.366
Bedankt: 55.395
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Somatische Intelligenz: "Die beste Ernährung ist die, auf die man Lust hat"
Zitat:
Unser Körper weiß am besten, was gut für ihn ist, sagt Thomas Frankenbach. Statt stur Diättipps zu befolgen, rät der Gesundheitsexperte dazu, die eigene Körperwahrnehmung zu stärken.
Thomas Frankenbach, Jahrgang 1973, leitet den Fachbereich Ernährung und Bewegung in einer osthessischen Klinik für Rehabilitationsmedizin. Der Autor, Bewegungstrainer, Gesundheitswissenschaftler und Psychologe macht seit 20 Jahren Karate und läuft gerne.
SPIEGEL ONLINE: Herr Frankenbach, hören wir zu wenig auf unser Bauchgefühl?
Frankenbach: Ja, leider. Wir leben in einer Welt, in der Logik mehr wert ist als unsere Intuition. Wir bedienen jeden Tag Maschinen, sitzen vor dem Computer, telefonieren mit Smartphones - da ist logisches Verständnis wichtiger als unser Bauchgefühl. Leider führt die Reizüberflutung der westlichen Industriegesellschaft teilweise so weit, dass wir die Signale unseres Körpers gar nicht mehr wahrnehmen.
SPIEGEL ONLINE: Warum fällt es uns so schwer, die Signale unseres Körpers zu beachten?
Frankenbach: Ständig hören wir in den Massenmedien von einer neuen Ernährungsform, die angeblich die beste sein soll. Vor fünf Jahren war es Low Carb, heute ist es vegane Ernährung. Dieses Hin und Her verunsichert die Menschen.
Ein Beispiel: Viele Menschen essen Vollkornprodukte, weil sie der Überzeugung sind, Vollkorn sei gesund. Tatsächlich gibt es aber viele Menschen, die Vollkorn gar nicht vertragen. Sie bekommen Bauchschmerzen, Blähungen oder schlimmere Symptome und ignorieren die Signale, die ihnen der Körper sendet. Sie vertrauen nicht auf ihre somatische Intelligenz.
SPIEGEL ONLINE: Was genau verstehen Sie unter somatischer Intelligenz?
Frankenbach: Somatische Intelligenz ist die Fähigkeit unseres Körpers, durch Lust, Abneigung und Bekömmlichkeit zu zeigen, was er braucht und was nicht. Jeder Mensch braucht zum Beispiel Zucker, um das Gehirn laufen zu lassen und Organe und Muskeln zu versorgen. Wenn ein Mensch unterzuckert ist, bekommt er Lust auf Süßigkeiten. Da muss er keinen Ernährungsberater anrufen oder im Lexikon nachschauen, sondern sein Körper sendet ein eindeutiges Signal, nämlich Heißhunger auf Süßes.
SPIEGEL ONLINE: Viele Menschen haben aber ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihrem Heißhunger auf Süßigkeiten nachgeben.
Frankenbach: Das sollte man deshalb nicht haben. Besser wäre es, sich zu fragen: Warum will ich das jetzt essen? Brauche ich das wirklich? Wenn Ihnen etwas nicht bekommt, wird Ihr Körper Ihnen das mitteilen, in Form von Blähungen, Sodbrennen, Bauchkrämpfen, unruhigem Magen oder verschlechterter Stimmung. Langfristig oft auch mit Problemen bei Haut und Haaren.
SPIEGEL ONLINE: Wie sieht Ihrer Meinung nach eine richtige Ernährung aus?
Frankenbach: Unsere Bedürfnisse sind individuell ganz verschieden. Die optimale Kost ist deshalb die, auf die ein Mensch Lust hat, die ihm schmeckt und die ihm bekommt. Manche Kinder essen zum Beispiel ungern Spinat. Das könnte zum einen daran liegen, dass sie ihre Eltern zum Narren halten wollen. Es könnte aber auch sein, dass diese Kinder Spinat einfach nicht besonders gut vertragen, weil darin Oxalsäure enthalten ist. Diese kann bei bestimmten Menschen Nierensteine verursachen oder die Blutgerinnung stören.
SPIEGEL ONLINE: Es klingt so einfach: Essen, wonach dem Körper ist. Aber woher kommen dann die vielen Essstörungen wie Magersucht oder Fettleibigkeit?
Frankenbach: Magersüchtige haben häufig eine schwach ausgeprägte Selbstwahrnehmung. Sie denken, dass sie zu dick sind, obwohl sie spindeldürr sind. Bei Übergewichtigen ist es ähnlich. Ich hatte mal einen Patienten, der ständig Süßigkeiten gegessen hat. Er war zu dick und litt gleichzeitig unter Bauchschmerzen, Übelkeit und schlechter Haut. Statt ihn auf Diät zu setzen, habe ich seine Achtsamkeit trainiert. Aufgabe war, sich auf seinen Magen zu konzentrieren, nachdem er sehr viel Süßes gegessen hatte. Als ihm so mit den Wochen immer stärker auffiel, wie schlecht ihm Süßigkeiten bekommen, reduzierte er sie von allein.
SPIEGEL ONLINE: Wie kann ich lernen, meinen Körper besser zu spüren?
Frankenbach: Alles, was uns zur Ruhe kommen lässt, wirkt sich positiv auf die Körperwahrnehmung aus. Da helfen zum Beispiel Meditation, Yoga oder autogenes Training. Auch Ausdauersport ist ein hervorragendes Mittel, um den Körper besser spüren zu lernen.
SPIEGEL ONLINE: Sport schärft die Selbstwahrnehmung?
Frankenbach: In dem Moment, in dem wir unseren Trainingszustand verbessern, fängt unser vegetatives Nervensystem an, effizienter zu arbeiten. Außerdem schult man durch Sport seine Koordinationsfähigkeit, Tiefensensibilität und die Atmung. Manche Sportler haben sogar eine Art siebten Sinn. Sie können ganz genau wahrnehmen, wenn sich in ihrem Körper etwas verändert. Ganz intuitiv lassen sie beispielsweise eine Trainingseinheit ausfallen, weil sie merken, dass sich eine Grippe anbahnt, noch lange bevor die ersten Krankheitssymptome auftauchen.
SPIEGEL ONLINE: Wie kann ich außerdem meine Sinne schärfen?
Frankenbach: Es gibt eine ganz gute Übung, die man direkt nach dem Essen machen kann. Man zieht sich für ein paar Minuten zurück, schließt die Augen und stellt sich folgende Fragen: Wie groß war meine Lust auf das, was ich gegessen habe? Hat mich der Geschmack angesprochen? Wie bekommt mir das Essen im Bauch? Wie ist meine Stimmung? Habe ich womöglich zu schnell gegessen? Wer sich dieser Übung ein paar Mal hingibt, wird schnell merken, wie sich die Sensibilität für den Körper verbessert.
SPIEGEL ONLINE: Müssen wir mutiger werden, mehr auf unseren Körper zu hören?
Frankenbach: Somatische Intelligenz ist kein Garant dafür, dass ein Mensch gut durchs Leben kommt. Aber sie ist ein wichtiger Faktor. Wichtig ist, dass jeder sein persönliches Maß findet. Das gilt für Sport, Beruf und auch für die Ernährung. Wir müssen mehr Selbstverantwortung übernehmen.
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Die folgenden 2 Mitglieder haben sich bei Prince bedankt:
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19.10.14, 09:15
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#2
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Stammi
Registriert seit: Nov 2010
Ort: Misanthropien
Beiträge: 1.020
Bedankt: 1.033
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Zitat:
Die optimale Kost ist deshalb die, auf die ein Mensch Lust hat, die ihm schmeckt und die ihm bekommt.
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Also haben adipöse Menschen nur keine Lust auf Schokolade, Cola und Pommes?
B2T: Das mit der Oxalsäure habe ich schon mehrfach anders gelesen. Wenn man genügend Wasser und Kalium/Calcium (Antagonist) zu sich nimmt kann man auch Oxalsäure abbauen ohne Nierensteine zu bekommen. Dazu wird Oxalsäure beim Kochen zerstört und Kinder bekommen Spinat doch wohl eher gekocht? Zudem hat Kakao bzw Schokolade auch viel Oxalsäure und die mag komischerweise so ziemlich JEDES Kind...
Und moderne Menschen und Dinge wie Achtsamkeit, Selbstverantwortung - wahrnehmung beissen sich leider etwas.
Insgesamt aber ein guter Ansatz, der Mann hat ansonsten Recht.
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20.10.14, 09:55
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#3
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erudite
Registriert seit: Sep 2008
Beiträge: 3.561
Bedankt: 21.690
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Ein Interessanter Ansatz. Leider wird den Leuten aber immer noch verkauft, dass eine Diät gut ist. Dabei sollte man eigentlich nur umstellen und schauen, was man für sich machen kann und nicht völlig auf Genussmittel verzichten, weil dies den Heißhunger schürt.
Wegen Nierensteine wäre ich übrigens vorsichtig. Da sollte man lieber auf den Rat des Urologen hören.
__________________
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