Willkommen |
|
myGully |
|
Links |
|
Forum |
|
|
|
28.11.10, 19:36
|
#1
|
Venceremos
Registriert seit: Jan 2010
Ort: NRW
Beiträge: 5.829
Bedankt: 1.069
|
Wikileaks: Enthüllungen im Netz US-Diplomaten düpieren Verbündete weltweit!
Zitat:
Für die USA ist es eine diplomatische Katastrophe: Geheime Depeschen, veröffentlicht von Wikileaks, geben ungeschminkt wieder, was US-Diplomaten von der Bundesregierung halten. Die Kanzlerin wird als "Teflon-Merkel" bezeichnet, Außenminister Westerwelle als eitel und inkompetent. Die Dokumente enthalten auch spitze Kritik an vielen weiteren ausländischen Staatsführern.
Nun ist klar, warum US-Außenministerin Hillary Clinton schon vorab bei zahlreichen verbündeten Regierungen anrief, um sich für den Datenskandal zu entschuldigen: Die Wikileaks-Veröffentlichungen von 250.000 vertraulichen und teils geheimen Berichten des US-Außenministeriums enthüllen wenig schmeichelhafte Urteile amerikanischer Diplomaten über Spitzenpolitiker weltweit - auch über Mitglieder der Bundesregierung.
Wie aus einem Artikel des Spiegel hervorgeht, der die Depeschen neben der New York Times, dem britischen Guardian, der spanischen El Pais sowie der französischen Le Monde publiziert, beurteilten die Amerikaner vor allem Westerwelle kritisch. Kurz vor der Bundestagswahl im September 2009 heiße es in einer Einschätzung des US-Botschafters Philip Murphy in Berlin zu dem FDP- Chef: "Er wird, wenn er direkt herausgefordert wird, vor allem von politischen Schwergewichten, aggressiv und äußert sich abfällig über die Meinungen anderer Leute."
Seine "Ministerialen wundern sich in privaten Gesprächen mit uns immer noch, woher er seine politische Richtung bekommt". Die abfällige Äußerung ist offenbar symptomatisch für das Verhältnis der USA zum deutschen Außenministerium.
Die amerikanischen Kollegen ziehen, kurz nach der Bundestagswahl 2009, augenscheinlich Angela Merkel dem Außenminister vor. Merkels außenpolitischer Berater Christoph Heusgen gilt als Nebenaußenminister. Mit der Kanzlerin verhandele es sich angenehmer, sie habe "mehr Erfahrung in Regierungsarbeit und Außenpolitik", urteilen die USA. Westerwelle sei "aggressiv".
Doch abgesehen davon haben die US-Diplomaten auch über Merkel nicht allzuviel Lobendes zu berichten. Vor einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama im April 2009 heiße es in den US-Akten: "Merkel ist methodisch, rational und pragmatisch." Unter Druck agiere sie "beharrlich, aber sie meidet das Risiko und ist selten kreativ".
Weil vieles an ihr abgleite, werde die Regierungschefin intern in den US- Berichten "Angela 'Teflon' Merkel" genannt - in Anspielung auf die nichthaftende Beschichtung von Bratpfannen.
Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Seehofer gilt dem Bericht zufolge bei den Amerikanern als "unberechenbarer Politiker mit begrenztem Horizont". Außenpolitisch sei er weitgehend ahnungslos. Bei einem Treffen mit Murphy habe er nicht einmal gewusst, wie viele US-Soldaten in Bayern stationiert seien. Gelegentlich entschuldigen sich andere CSU-Politiker für die unpassenden Äußerungen ihres Parteivorsitzenden bei US-Vertretern. Weiteres pikantes Detail: Sein Parteikollege, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der vielen als Seehofers schärfster parteiinterner Rivale gilt, wird in den Depeschen als "enger und bekannter Freund der USA" bezeichnet.
Ihre zum Teil sehr subjektiven Urteile über die deutschen Politiker haben die Amerikaner offenbar nicht nur aufgrund persönlicher Begegnungen gefällt. Auch eine deutsche Quelle hat ausführlich über Stärken und Schwächen von Merkel, Westerwelle und Co. geplaudert. Laut Spiegel sitzt dieses Leck mitten in der schwarz-gelben Koalition: Ein FDP-Politiker, der unter anderem während der Koalitionsverhandlungen protokollierte, soll die internen Papiere an die Amerikaner weitergeben haben.
Putin, der "Alpha-Rüde"
Doch auch im Hinblick auf andere verbündete Regierungen der USA nicht mit Kritik. So werde der afghanische Präsident Hamid Karsai als "schwache Persönlichkeit" beschrieben, der von "Paranoia" und "Verschwörungsvorstellungen" getrieben werden. Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan wird den Angaben zufolge skeptisch bewertet, während beim Urteil über die Regierung Kenias aus fast jeder Zeile der Botschaftsberichte Verachtung spreche, hieß es.
Aus dem US-Außenministerium seien Informationen angefordert worden, ob der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi tatsächlich Privatgeschäfte mit Russlands Premierminister Wladimir Putin getätigt habe. Putin werde dabei als "Alpha-Rüde" bezeichnet, Präsident Dmitrij Medwedew als "blass" und "zögerlich".
Die USA hatten die Notizen in dem Glauben verfasst, dass sie 25 Jahre lang unter Verschluss bleiben würden. Die Daten stammen vermutlich aus einem geheimen Nachrichtennetz der US-Regierung, das rund 2,5 Millionen US-Vertretern zur Verfügung steht. 90 Prozent der Dokumente sollen aus der Zeit seit 2005 stammen. Nur sechs Prozent seien als "geheim" eingestuft, 40 Prozent als "vertraulich".
Der Spiegel, der in der Vergangenheit als einziges deutsches Medium von Wikileaks mit Dokumenten versorgt worden war, wollte seine aktuelle Ausgabe eigentlich erst am Sonntagabend um 22.30 Uhr veröffentlichen. Jedoch wurden im Internet- Nachrichtendienst Twitter bereits Hinweise auf Kopien versendet. Auch an einzelnen Bahnhöfen war das Magazin mit der Titelgeschichte "Enthüllt - Wie Amerika die Welt sieht" zu kaufen.
|
Quelle: [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
|
|
|
Forumregeln
|
Du kannst keine neue Themen eröffnen
Du kannst keine Antworten verfassen
Du kannst keine Anhänge posten
Du kannst nicht deine Beiträge editieren
HTML-Code ist Aus.
|
|
|
Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 06:58 Uhr.
().
|