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Wie es ist, als 14-Jährige den eigenen Vater zu pflegen

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Ungelesen 04.10.19, 22:44   #1
Wornat1959
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Standard Wie es ist, als 14-Jährige den eigenen Vater zu pflegen

Zuerst einen Artikel von ze.tt aus dem März:

Zitat:
Wie es ist, als 14-Jährige den eigenen Vater zu pflegen

Seit ihrem achten Lebensjahr pflegt Lana Rebhan ihren chronisch kranken Vater. In der öffentlichen Debatte spielen die 480.000 Young Carer in Deutschland fast keine Rolle. Lana will das mit ihrer Initiative ändern.

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Lana und ihr Vater. Foto: © David Gutensohn

08. März 2019

Luftschlangen und bunte Pappteller auf dem Tisch, in der Mitte ein großer Kuchen mit Kerzen. So hatte sich Lana Rebhan ihren Geburtstag vorgestellt. Es kam alles anders. Ihre Benjamin-Blümchen-Torte bekam sie auf der Intensivstation. Im Nebenraum musste ihr Vater künstlich ernährt werden, wenige Stunden zuvor hatte man ihm eine Niere entnommen.

Noch gut erinnert sich Lana an Tage wie diese. Doch sie sind keine Ausnahme in Lanas Leben. Seit ihrem achten Lebensjahr muss sie sich um ihren chronisch kranken Vater kümmern. Sie ist eines von knapp 480.000 Kindern und Jugendlichen, die in Deutschland Angehörige pflegen. Das geht [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] für das Bundesgesundheitsministerium vom Juli 2018 hervor. Young Carer nennt man sie in vielen Ländern – hierzulande gibt es keinen Begriff, der sie beschreibt. In keinem Gesetz werden Jugendliche wie Lana genannt, in keiner Debatte befragt, sie bleiben unsichtbar.

Während andere Kinder spielen, kümmert sich Lana um ihren Vater

Als Lana eingeschult wurde, schien ihre Kindheit normal zu verlaufen. Erst im Laufe ihres achten Lebensjahres verschlimmerte sich die Erbkrankheit ihres Vaters massiv. Er leidet an einer unheilbaren Nierenerkrankung, Ärzt*innen sprechen von chronischen Zystennieren. Seine Nieren quellen schwammartig auf. Eine gesunde Niere hat ein Gewicht von 200 Gramm. Die von Lanas Vater wiegt das Zwanzigfache. Die Aussichten stehen schlecht: 2012 sagten ihm die Ärzt*innen, dass er nur noch wenige Jahre leben würde. „Ich habe mich schon drei Mal von ihm verabschiedet“, sagt Lana. „An meinem 18. Geburtstag werde ich ohne ihn sein.“


Foto: © David Gutensohn

Wie viele Kinder kranker Eltern leidet die heute 14-Jährige mit. Doch Lana leidet nicht nur. Sie pflegt, sie putzt, sie packt ihrem Vater die Krankenhaustasche. Morgens muss er zur Dialyse, ihre Mutter zur Arbeit. Kommt Lana von der Schule, sortiert sie die Wäsche, wirft den Staubsauger an und kocht das Mittagessen. Ihr Vater kann sie nur an seinen guten Tagen unterstützen. Die sind selten. Ihre Mutter kommt erst spät nach Hause. Trotz Vollzeitjob muss sie noch nebenher arbeiten, um die Familie ernähren zu können. Während andere Kinder zusammen Serien schauen, Volleyball spielen oder Hausaufgaben machen, muss Lana auf ihren Vater achten. „Notfälle können nicht warten, bis Mama zu Hause ist“, sagt Lana. „Ab acht Uhr abends habe ich dann [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ], sagt sie.

Zitat:
Pflegende Kinder sind häufig emotional, sozial und auch physisch belastet.

Sabine Metzing, Pflegeforscherin der Universität Witten/Herdecke
Von Young Carern wird gesprochen, wenn Kinder und Jugendliche zu Hause regelmäßig Aufgaben übernehmen, die nicht altersgerecht sind. Sie teilen Medikamente ein, setzen Spritzen oder duschen ihre Eltern. Selbst die Spülmaschine kann zu einer solchen Aufgabe werden, wenn niemand anderes sie ausräumen würde. Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr haben Kinder wie Lana Anspruch auf eine Haushaltshilfe – vier Wochen lang und nur dann, wenn ein Elternteil im Krankenhaus ist. Darüber hinaus gibt es keine Hilfe, weder von den Krankenkassen, noch von der Politik. „In meinem Alltag bekomme ich keine Unterstützung von außen“, sagt Lana.

„Die Folgen können gravierend sein“, sagt Sabine Metzing, Pflegeforscherin der Universität Witten/Herdecke. Als erste Wissenschaftlerin hat sie die Lebenssituation junger Pflegender in Deutschland untersucht. „Ein ganz großes Problem ist [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]“, sagt Metzing. Viele junge Pflegende verlieren Freundschaften, vergessen ihr Privatleben und werden in der Schulklasse ausgegrenzt. „Das kann sich auf die gesamte Entwicklung auswirken. Pflegende Kinder sind häufig emotional, sozial und auch physisch belastet“, sagt Metzing. In vielen Fällen leidet die Schulbildung unter dem ständigen Stress. Lana kennt das Gefühl, mit niemandem reden zu können. Verabredeten sich ihre Klassenkamerad*innen, musste Lana meistens absagen. So oft, bis sie niemand mehr einladen wollte. Standen Prüfungen an, fand sie häufig keine Zeit zum Lernen. Die achte Klasse musste sie wiederholen.

Wie sich Lana entschied, ihre Situation öffentlich zu machen

Die wenigsten Familien sprechen offen über ihre Situation. Zu groß ist die Scham. Zu groß ist die Angst vor dem Jugendamt. „Je stärker Kinder in die Pflege eingebunden sind, desto unsichtbarer werden sie für uns“, sagt Metzing. Dieses Tabu will Lana brechen. In ihren einsamen Stunden hat sie Rat im Internet gesucht – und kaum etwas gefunden. Nur auf englischen Webseiten ist sie auf Jugendliche mit ähnlichen Problemen gestoßen. In Großbritannien ist das Bewusstsein für junge Pflegende ein anderes. „Young Carer spielen dort schon lange eine Rolle“, sagt Lana. Es gibt sogar einen Jahrestag, der auf sie aufmerksam machen soll: der letzte Donnerstag im Januar. „Wieso haben wir so etwas in Deutschland nicht?“, fragt Lana. Sie beschloss zu handeln.


Foto: © David Gutensohn

Auf ihrer [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] machte sie ihre Geschichte öffentlich. Dazu erstellte sie eine Liste mit regionalen Anlaufstellen und veröffentlichte Tipps und Tricks für pflegende Jugendliche. In nur wenigen Monaten meldeten sich unzählige andere pflegende Jugendliche bei ihr. Viele wollten Rat, andere waren nur auf der Suche nach einem offenen Ohr. Um etwas zu bewegen, schickte Lana die vielen Erfahrungsberichte an Politiker*innen. Gregor Gysi, Ursula von der Leyen und Katarina Barley unterstützen seitdem ihre Kampagne. Auch das Familienministerium hat Lana zu einer Fachtagung eingeladen – die Politik will handeln.

Hilfetelefon für pflegende Jugendliche

„Seit dem letzten Jahr bietet das Ministerium eine Telefonhotline für junge Pflegende an – die sogenannte Pausentaste“, sagt Metzing. Montags bis samstags können pflegende Jugendliche die kostenlose [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] erreichen und sich beraten lassen. Das kann nur ein erster Schritt sein. Noch immer gibt „es keine flächendeckende staatliche Unterstützung. Es gibt keine regelhafte Leistung für junge Pflegende und ihre Familien“, sagt Metzing.

Wenn Lana über ihre lange Liste an Vorschlägen spricht, wirkt sie wie eine junge Politikerin. Dann spricht sie von einer Gesetzesänderung für mehr Haushaltshilfen, von Gutscheinen für Freizeitaktivitäten und lokalen Selbsthilfegruppen. Sie fordert schnell verfügbare Termine bei [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] und Informationsveranstaltungen in Schulen. Sie wünscht sich, dass pflegende Kinder es irgendwann einfacher haben. Die vielen Nachrichten anderer Young Carer haben ihr gezeigt: „Endlich muss sich auch mal jemand um uns kümmern.“
Quelle: [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]


Heute abend war Lana Gast im Nachtcafe aus dem SWR und ich möchte aus der Sendung nur ihren Beitrag rausheben:

Zitat:


Sendung am 04. Oktober

Kämpfernaturen
Die SWR Talkshow Gäste bei Michael Steinbrecher

Insolvenz, Krankheit oder der Verlust eines geliebten Menschen - es gibt viele Schicksalsschläge oder Krisen, die einen treffen können. Aber wie schafft man es, mit ihnen umzugehen? Der eine zerbricht an seinem Misserfolg oder seiner verkorksten Kindheit und landet schließlich als Obdachloser auf der Straße. Andere wiederum wachsen an Widerständen.

Es sind Kämpfernaturen, die nichts auf ihrem Weg nach oben bremsen kann. Sie lassen sich durch nichts und niemanden aufhalten - weder von verkrusteten Rollenbildern, starren Hierarchien, Intrigen oder Tiefschlägen. Da ist die Frau ohne Schulabschluss, der keiner etwas zugetraut hat. Doch sie hat sich durchgebissen und sitzt jetzt im Vorstand eines Konzerns und trifft Entscheidungen für Tausende von Mitarbeitern. Oder der Bergsteiger, der sich nach einem Absturz in eine Gletscherspalte in einer fast aussichtslosen Situation befindet. Schwer verletzt mobilisiert er in einem Wettlauf mit der Zeit all seine Kräfte und wird schließlich nach Tagen gerettet. Oder die junge Jura-Studentin, die neben ihrem Vollzeitstudium die Doppelbelastung auf sich nimmt und die Pflege ihrer bettlägerigen Mutter übernimmt.


Ob für die Schwachen der Gesellschaft oder für ihre eigenen Ziele - Stehaufmenschen, die bis an ihre Grenzen gehen, sind auch Mutmacher für andere. Aber woher nehmen sie ihre innere Stärke? Woran liegt es, dass sich die einen von nichts abschrecken lassen, andere wiederum viel zu schnell die Flinte ins Korn werfen? Und wann ist der richtige Zeitpunkt, doch besser die Reißleine zu ziehen und sich von dem selbst gesteckten Ziel zu verabschieden?

Die Gäste bei Michael Steinbrecher:
[...]


Lana Rebhan

Ausgelassen feiern oder mit Freunden ins Kino wie andere Gleichaltrige, das ist für Lana Rebhan nicht drin. Die 15-Jährige übernimmt große Verantwortung in der Pflege ihres nierenkranken Vaters. Als pflegende Jugendliche ist sie kein Einzelfall, die meisten jedoch schweigen aus Scham und Angst. Lana gibt den stillen Leiden der betroffenen Jugendlichen eine Stimme. Sie fordert mehr Unterstützung für junge Menschen mit Pflegeverantwortung: „Ich habe 2.000 Politiker angeschrieben, nicht mal zehn Prozent haben geantwortet.“

[...]
Quelle: [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]

Dazu das Video zur Sendung:
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Der Talk mit Lana beginnt bei Minute 18:23.

Die Webseite von Lana, die sie selber wie sie im Talk auch sagt, gebastelt hat, heb ich auch gerne nochmal raus:
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Ansonsten noch als Ergänzung zwei kurze Videobeiträge:
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"Mitleid und Erbarmen hielten Bilbos Hand zurück. Viele, die leben, verdienen den Tod und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben, Frodo? Dann sei nicht so rasch mit einem Todesurteil bei der Hand. Selbst die ganz Weisen erkennen nicht alle Absichten. Mein Herz sagt mir, dass Gollum noch eine Rolle zu spielen hat, zum Guten oder zum Bösen, ehe das Ende kommt." (Gandalf zu Frodo)

Geändert von Wornat1959 (04.10.19 um 23:09 Uhr)
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