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09.04.21, 00:43
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#1
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Super Moderatorin
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Ort: South Bronx
Beiträge: 24.104
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Corona-Leugner und Co Was gegen Verschwörungsmythen hilft
Zitat:
Fakten sind es leider nicht. Trotzdem können Politik, Medien, Behörden und jeder einzelne durchaus etwas tun. Das Wichtigste ist dabei zugleich das Schwierigste.
Ein Jahr Querdenken ist auch ein Jahr kollektives Kopfschütteln über die völlig irrsinnigen Ansichten der Corona-Leugner und Impfgegner. Doch so verständlich das Kopfschütteln ist, so hilflos ist es meistens auch – ganz gleich ob auf das Kopfschütteln ein Auslachen oder ein erhobener Zeigefinger folgt. Denn Verschwörungsmystiker lassen sich weder durch Hohn und Spott noch mit gut gemeinten Appellen an die Vernunft auf den mehr oder weniger festen Grund von Fakten und Argumenten zurückholen. Dabei gibt es durchaus Erkenntnisse, die helfen könnten, zielführender auf Verschwörungsmythen zu reagieren.
Kontrollverlust und Krisenzeiten
Wer verstehen will, was gegen Verschwörungsmythen helfen kann – und warum es Fakten in den meisten Fällen nicht sind – muss wissen, warum Menschen zu solchen Mythen greifen und weshalb sie so vehement daran festhalten. Als einen der Hauptfaktoren nennt Pia Lamberty, Sozialpsychologin an der Universität Mainz, das Gefühl, die Kontrolle über sein Leben zu verlieren. Lamberty hat zusammen mit Katharina Nocun das Buch „Fake Facts“ geschrieben und ist Mitgründerin des frisch aus der Taufe gehobenen Think Tanks „Center für Monitoring, Analyse und Strategie“, der sich der Erforschung und Eindämmung von Verschwörungsmythen widmet. Den Kontrollverlust beschreibt sie als „eine Situation, in der Menschen nicht in der Lage sind, zu beeinflussen, was als Nächstes passiert. In so einer Situation glauben sie stärker an Verschwörungen als einer Art Strategie, damit umzugehen. Da ist die Pandemie natürlich ein relativ präsentes Beispiel. Das kann aber auch so etwas wie der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine Trennung sein.“
Diese Art von Kontrollverlust erleben in Zeiten einer Krise natürlich mehr Menschen als sonst. Doch schon vor der Corona-Krise hat es massive Verunsicherungen gegeben – etwa durch die fortschreitende Deregulierung der Wirtschaft oder den Rückbau des Sozialstaats. Das sagt zumindest der Soziologe Wilhelm Heitmeyer. Er hat in der Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ jahrelang untersucht, wie rechte Überzeugungen und Vorurteile gegenüber Minderheiten mit ökonomischen Entwicklungen und gesellschaftlicher Akzeptanz zusammenhängen. In den Büchern „Autoritäre Versuchungen“ und „Rechte Bedrohungsallianzen“ analysiert er die Entwicklungen seit dem Jahrtausendwechsel – und spricht dabei von „entsicherten Jahrzehnten“.
Abwendung von der Demokratie
„Der zentrale Begriff ist dann in der Tat die Frage der sozialen Ungleichheit“, so Heitmeyer. „Da hat es erhebliche Veränderungen in den letzten 20, 25 Jahren gegeben, weil vor allem in der Hochzeit des Neoliberalismus – also Wirtschaft deregulieren etc. – der, ich nenne das ‚autoritäre Kapitalismus‘ riesige Kontrollgewinne erwirtschaftet hat – also wo ist der Standort? Welche Standards gelten? –, während die nationalstaatliche Politik Kontrollverluste hinnehmen musste, zum Teil durch eigenes Versagen. Daraus haben sich soziale Desintegrationsprozesse einschließlich Kontrollverluste entwickelt, die den Blick verschiedener Bevölkerungsgruppen auf das demokratische System deutlich verändert haben.“
Den Blick deutlich verändert – das heißt in vielen Fällen nichts anderes, als dass sich Menschen von der Demokratie abgewendet haben. Die Untersuchungen von Wilhelm Heitmeyer zeigen aber auch, dass nicht diejenigen, die schon ganz unten sind auf der sozioökonomischen Skala, am meisten zu rechtem Gedankengut und Verschwörungsmythen neigen. Sondern, dass dies vor allem Menschen tun, die Angst haben, ihren bisherigen Status und ihre Privilegien zu verlieren.
Hinzu kommt, dass das Wesen der Corona-Krise dem Weltbild von Verschwörungsmystikern diametral entgegensteht. Denn, so Miro Dittrich, Experte für Online-Rassismus und ebenfalls Mitgründer des Think Tanks „Center für Monitoring, Analyse und Strategie“: „Dass eine zufällige Mutation eines Virus‘ in China die ganze Welt lahmlegt – dass ihr Leben so von einem Zufall und von unlenkbaren Sachen dominiert ist – überfordert sie. Da ist es einfacher, sich zu überlegen: Nein, es gibt hier zehn böse Verschwörer und die lenken die Welt und sind dabei auch noch omnipotent.“
Mehr soziale Gleichheit, mehr Anerkennung
Wenn also Politik ernsthaft etwas daran ändern möchte, dass immer mehr Menschen in die Parallelwelten von Verschwörungsmythen abgleiten und dabei auch zurückfallen in ein tendenziell autoritäres, rechtes, menschenfeindliches Weltbild, dann sollte sie dafür sorgen, dass Menschen nicht so hart getroffen werden von Krisen – oder Angst haben müssen, hart getroffen zu werden. Dass Menschen von der Arbeit auch in schlechter entlohnten Berufen gut leben können. Und dass besserverdienende Menschen keinen sozialen Absturz befürchten müssen, sollten sie eine Zeit lang arbeitslos sein.
Genauso wichtig ist die Frage der Anerkennung, gerade von Menschen mit niedrigem Einkommen – die dennoch, wie Corona gezeigt hat, oft die wirklich unerlässlichen Jobs machen. Auch hier könnte die Politik etwas tun, sagt Wilhelm Heitmeyer: „Die Politik muss sich darum kümmern, ob wirklich alle Bevölkerungsgruppen in der Gesellschaft auch wahrgenommen werden. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, denn das ist auch eine Frage von Anerkennung. Wenn man nicht wahrgenommen wird, ist man ein Nichts.“
Gefahren ernst nehmen
Zudem sollten Medien und auch Polizei und Verfassungsschutz die Gefahr, die von Verschwörungsmythen ausgeht, endlich ernst nehmen. Denn diese Gefahr ist längst keine theoretische mehr. Der Attentäter von Oslo und Utøya, der Attentäter von Christchurch, die Angreifer beim Sturm auf das Kapitol der Vereinigten Staaten, die Attentäter von Hanau und Halle: Sie alle handelten ganz oder zum Teil aus Motiven, die auf den Glauben an einen Verschwörungsmythos zurückzuführen sind. Miro Dittrich beklagt, dass Medien zu lange belustigt über Verschwörungsmythen berichtet haben: „Gerade Themen wie Echsenmenschen oder die flache Erde: Darüber hat man sich humoristisch erheitert. Aber wer nur ein bisschen Zeit in diesen Gruppen verbringt, sieht ganz schnell, dass es dabei darum geht, dass natürlich die Juden dahinterstecken, die den Gewinn daraus ziehen würden. Dass das nicht angegangen wurde, ist ein sehr großes Problem.“
Genauso wichtig wäre es, dass große Internet-Konzerne nicht weiterhin helfen, Verschwörungsmythen im Netz zu verbreiten. Youtube, Facebook und Twitter haben zuletzt zwar zahlreiche Accounts von Verschwörungsideologen gesperrt und versehen zunehmend fragwürdige Posts, Tweets oder Videos mit entsprechenden Warnhinweisen. Es bräuchte aber ein entschiedeneres Vorgehen – was freilich den finanziellen Interessen dieser Konzerne zuwiderlaufen würde. Weshalb vielleicht nicht die Konzerne selbst, sondern der Staat – oder aber ein Gremium – Richtlinien vorgeben sollte. So zumindest die Idee von Pia Lamberty: „So gefährlich Desinformation ist, es ist natürlich auch eine Macht, die der Staat damit bekommt, wenn er sagt: Das und das kannst du sagen, das und das nicht. Da würde ich mir eher ein Gremium wünschen, dass sich damit auseinandersetzt und die verschiedenen Möglichkeiten erst einmal diskutiert und sieht, wie man hier regulieren kann – aber auch auf eine freie Meinungsäußerung Acht gibt.“
Jeder und jede einzelne ist gefragt
Das alles wird nicht von heute auf morgen passieren. Medien mögen ein wenig ernsthafter über Verschwörungsmythen berichten und Tech-Unternehmen ein wenig strenger auf die Inhalte schauen. Aber bis Medien wirklich zielführend berichten, bis Facebook und Co wirklich entschieden regulieren, bis Behörden die Gefahren wirklich ernst nehmen und erst recht bis die Politik die Probleme soziale Ungleichheit, deregulierter Kapitalismus oder fehlende Anerkennung angeht oder überhaupt angehen will, wird noch viel Zeit verstreichen.
Bis dahin bleibt die vielleicht wichtigste Maßnahme gegen Verschwörungsmythen: Die Gegenrede im persönlichen Gespräch. Denn, so Wilhelm Heitmeyer: „Im Grunde geht es auch darum, dass wir als Bürger ganz maßgeblich dazu beitragen können, dass sich Verschwörungstheorien nicht ausbreiten. Wir müssen in unserem Alltag – und zwar in unseren jeweiligen Bezugsgruppen, ob das die Verwandtschaft ist, der Freundeskreis, der Sportverein, die Kirchengemeinde oder die Gewerkschaft – als einzelne unsere Stimme erheben. Das wird nicht ganz leicht.“
Die Lebenssituation zählt
Es wird nicht ganz leicht – weil man damit selbst riskiert, ins Abseits zu geraten. Aber auch, weil nur allein dadurch kaum jemand seine Meinung ändern wird. Was damit zu tun hat, dass Verschwörungsmythen gleich mehrere wichtige Funktionen für ihre Anhänger erfüllen. Die Mythen geben ihren Anhängern nicht nur ein Gefühl von Kontrolle über ihr Leben zurück, Pia Lamberty nennt außerdem die Funktion, dass sich Menschen durch Verschwörungsmythen aufwerten, sich überlegen und einzigartig fühlen können. Sowie die Funktion, die unübersichtliche Welt wieder begreifbar zu machen.
„Das wird natürlich immer relevanter für das eigene Selbst“, so Lamberty, „je stärker man quasi in diesem Kaninchenbau verschwindet. Das sind ja teilweise Leute, die vielleicht ihre Arbeit verlieren oder Freunde verlieren, die auch durchaus Geld investieren, wenn sie von Demo zu Demo reisen. Und umso mehr man investiert in dieses Weltbild, desto wichtiger und identitätsbestimmender wird es.“ Verschwörungsmythen werden zu einem wichtigen Teil der Identität ihrer Anhänger. Fällt der Glaube an die Verschwörung weg, würde diese Identität in ihren Grundfesten erschüttert. Das erklärt, warum Verschwörungsmystiker abseits jeder Logik, entgegen aller Fakten und auch dann noch, wenn Vorhersagen nicht eintreffen, an ihren Erzählungen festhalten.
Weshalb es meistens nichts bringt, mit Fakten und Argumenten die angebliche Verschwörung widerlegen zu wollen. Erst recht nicht bei Menschen, die man kaum kennt. Laut Pia Lamberty hat man „im eigenen Umfeld die besten Möglichkeiten, dass jemand wieder zurückkommt oder zumindest weniger stark daran glaubt.“ Und zwar, indem man statt auf die Verschwörungserzählung auf die konkrete Lebenssituation der Leute eingeht: „Vielleicht hat die Person den Job verloren, ist dann krank geworden, und aus dieser Lebenskrise heraus hat sie Schuldige gesucht, auf die sie alles projiziert. Wenn man versucht, an diesem Punkt anzusetzen, hat man die besten Chancen.“ Dabei gilt: Je früher man einschreitet, desto größer ist die Chance, dass man den Freund oder die Verwandte noch erreicht. Ist man hingegen einmal als „Schlafschaf“ markiert und somit als unwissendes Opfer der vermeintlichen Verschwörung, braucht es deutlich mehr Ausdauer.
Die große Sinn-Erzählung
Zoomt man noch einmal heraus auf die gesamtgesellschaftliche Perspektive, gibt es ein weiteres Feld von Maßnahmen, das als Gegengift gegen Verschwörungsmythen helfen könnte. „Die Menschen haben das Bedürfnis nach einer Gemeinschaft“, erklärt Miro Dittrich. „Und in unserer immer größer fragmentierten Gesellschaft, wo es klassische Gemeinschaften wie Großfamilien, Dorfgemeinschaften, Kirchen oder Gewerkschaften nicht mehr gibt, scheint die einzige Gemeinschaft, die sie finden, in diesen Online-Kulturen zu liegen. Zudem sehen wir ganz klar, dass die Menschen das Gefühl haben, dass ihr Leben keinen Sinn hat. Dass sie nur arbeiten, aber es fehlt das größere Ganze, warum man überhaupt leben sollte. Und Verschwörungserzählungen bieten genau das: Es geht darum, dass ein epischer Kampf stattfinden würde von Gut gegen Böse, wo man sich auf der guten Seite beteiligt. Hier müssten wir überlegen, wie die Gesellschaft es schaffen kann, diesen Menschen wieder Sinn-Erzählungen anzubieten, warum es wert ist zu leben, welchen Zweck ihr Leben hat.“
Welche Sinn-Erzählungen könnten das sein? Die von einer pluralistischen Gesellschaft, in der Solidarität die oberste Prämisse wird? Oder die von einer gemeinsamen Anstrengung, Herausforderungen wie etwa die Klimakrise zu meistern? Sinn-Erzählungen, von denen wir heute noch nichts ahnen? Eines ist klar: Jede wäre besser als jene, die Menschen dazu bringt, im Glauben an völlig aus der Luft gegriffenen Falschinformationen Regierungsgebäude zu stürmen und Menschen zu töten.
Jetzt anhören: Nachtstudio: Wenn Fakten nicht zählen – über Verschwörungsmythen. Auch als Podcast verfügbar.Resistent gegen Fakten: Verschwörungsmythen sind zu einer ernsthaften Bedrohung für die Demokratie geworden. Wie konnte es soweit kommen? Und was kann man selbst und die Gesellschaft dagegen unternehmen? Eine Sendung von Hardy Funk, mit Pia Lamberty, Wilhelm Heitmeyer und Miro Dittrich.
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Die folgenden 6 Mitglieder haben sich bei Avantasia bedankt:
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09.04.21, 18:41
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#2
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Super Moderatorin
Registriert seit: Mar 2009
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Das steckt hinter dem Verschwörungsmythos „Great Reset“
Zitat:
Zurzeit kursieren viele Verschwörungsmythen. Eine davon: Bill Gates will die Weltherrschaft und alle per Impfung chippen. Eine andere: der „Great Reset“. Dabei geht es darum, dass uns durch die Pandemie eine „Öko-Diktatur“ aufgezwungen wird.
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Die folgenden 5 Mitglieder haben sich bei Avantasia bedankt:
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09.04.21, 19:05
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#3
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Freigeist
Registriert seit: Sep 2010
Ort: München
Beiträge: 11.319
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Danke Ava, ein extrem guter Beitrag der erklärt warum die Rechten so Angst vor der Energiewende und Klimaschutz haben und Hass unaufhörlich verbreiten.
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Folgendes Mitglied bedankte sich bei MunichEast:
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11.04.21, 12:12
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#4
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Anfänger
Registriert seit: Jul 2018
Beiträge: 1
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Sehr gute Zusammenfassung. Es geht als Gesellschaft nun mal nur mit Verständnis und Dialog, um eben auch diese weitgreifende Fragmentierung zu überbrücken. Danke für diesen Beitrag :-)
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12.04.21, 12:27
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#5
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working behind bars
Registriert seit: Apr 2013
Beiträge: 3.222
Bedankt: 13.790
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Medien als Feindbild der „Querdenken“-Bewegung: „Es gibt ein hohes Gewaltpotenzial“
Interview mit Karolin Schwarz in der Frankfurter Rundschau:
Zitat:
Zur Person
Karolin Schwarz (35) ist Autorin und Expertin für die ******* Rechte und lebt in Berlin. Im vergangenen Jahr erschien ihr Buch „Hasskrieger – Der neue globale Rechtsextremismus“.
Anlässlich Demonstration in Frankfurt äußert sich Autorin Karolin Schwarz im Interview über die sogenannte „Querdenken“-Bewegung – und Hetze gegen die Medien.
Frau Schwarz, warum sind Medien für die „Querdenken“-Bewegung ein Feindbild?
Der wichtigste Punkt ist, dass Medien als Verbündete der Regierung wahrgenommen werden. „Querdenken“ wähnt sich in einer Diktatur und die Medien gelten als „Hofberichterstatter“, die nicht unabhängig und nicht kritisch seien, sondern das berichteten, was die Regierung möchte.
Das kennt man auch von anderen Bewegungen, die Verschwörungserzählungen verbreiten. Üben solchen Bewegungen immer derartige „Medienkritik“?
Medienkritik ist das ja nicht. Aber ja, es gibt da viele Überschneidungen zu anderen Bewegungen. Man greift „die Medien“ an, vor allem die öffentlich-rechtlichen. Die bekommen ja die Rundfunkgebühren, was als direkte Abhängigkeit vom Staat in der Berichterstattung verstanden wird.
Sie sagten gerade, eigentlich gehe es gar nicht um Medienkritik. Wie meinen Sie das?
Es wird oft behauptet, es gebe keinerlei Kritik an der Regierung. Das ist, wenn man es objektiv betrachtet, für die ganze Zeit der Pandemie falsch. Worauf „Querdenken“ abzielt, ist: Es wird nicht die Kritik vorgebracht, die man sich in ihrem Spektrum wünscht. Die basiert aber eben auf falschen Voraussetzungen, Falschinformationen und Verschwörungserzählungen. Und dann gibt es noch eine starke kognitive Dissonanz: Wenn Medien etwas berichten, was in das Narrativ der Bewegung passt, werden die Berichte ohne Probleme in den einschlägigen Telegram-Kanälen verbreitet.
Wenn „Querdenken“ „faire Berichterstattung“ fordert, heißt das also, dass sie lesen wollen, was sie selbst für wahr halten?
Kurz und bündig: Ja.
Im Aufruf zu der Frankfurter Demo hieß es, die Medien seien „gleichgeschaltet“. Das ist eindeutig nationalsozialistische Terminologie. Ist das Zufall?
Nein. Natürlich ist das schwer zu sagen, weil man nicht in die Köpfe gucken kann. Vielleicht sind einige Leute auch einfach nur unsensibel bei ihrem Umgang mit Worten. Aber es fällt auf, dass immer wieder NS-Begriffe benutzt werden. Im vergangenen Jahr war von einem „Ermächtigungsgesetz“ die Rede, „Querdenker“ vergleichen sich mit Sophie Scholl und Anne Frank oder tragen gelbe Sterne, weil sie denken, dass sie verfolgt würden, weil sie nicht geimpft sind. Das passt alles dazu, dass man sich in einer Diktatur wie unter den Nazis wähnt.
In den Aufrufen zu der Frankfurter Kundgebung war von Liebe und Frieden die Rede, gleichzeitig gibt es regelmäßig Angriffe auf Journalist:innen. Wie passt das zusammen?
Diese Erzählung von Gemeinsamkeit und Frieden ist bei „Querdenken“ häufig zu hören, gleichzeitig sind Übergriffe auf Journalist:innen zu einem Standard geworden. Das passt insofern zusammen, als dass die Bewegung sich im Recht wähnt und die Journalist:innen eben die sind, die angeblich gegen die Freiheit stehen. Außerdem werden diese Angriffe oft so dargestellt, dass sie mit der eigenen Bewegung gar nichts zu tun hätten. Dann ist von eingeschleusten Provokateuren die Rede, obwohl das nicht der Realität entspricht.
Tut die Polizei genug, um Reporter:innen zu schützen?
Nein. Der Schutz der Pressefreiheit war in den vergangenen Monaten oft nicht gewährleistet. Auf vielen dieser Demonstrationen ist freie Berichterstattung nur noch schwer möglich. Viele Kolleg:innen tragen inzwischen Helme und nehmen eigene Securityleute mit, obwohl ihr Schutz Aufgabe der Polizei ist.
Wie schätzen Sie die „Querdenken“-Bewegung ein? In Baden-Württemberg wird sie vom Verfassungsschutz beobachtet …
Nachweise über Verbindungen zu Rechts*******n gibt es reichlich, und die Erzählungen bei „Querdenken“ sind zumindest verfassungsfeindlich. Es geht immer wieder um einen Umsturz, darum, die Mächtigen aus dem Amt zu putschen. Auf den Demos werden nicht die klassischen rechts*******n Narrative verbreitet, in der Szene sind auch viele nichtweiße Menschen aktiv. Aber es werden antisemitische Verschwörungserzählungen vertreten, Rechts******* sind immer dabei. Und es gibt keinerlei Versuche, diese Leute auszuschließen.
Wie wird die Bewegung sich weiter entwickeln? Besteht die Gefahr einer Radikalisierung?
Ja, die gibt es. Jetzt, wo es wärmer wird, wird es erst einmal wieder mehr Demonstrationen geben. Aber es gibt auch ein hohes Gewaltpotenzial. Ob es zu Gewalttaten kommt, hängt davon ab, wie die Pandemie sich entwickelt. Es könnte schon einige in der Szene geben, die sagen: Demonstrieren reicht uns nicht mehr. Gerade das Gerede von einer Diktatur kann dazu benutzt werden, auch Gewalt zu legitimieren. (Interview: Hanning Voigts)
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Quelle:
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Folgendes Mitglied bedankte sich bei Uwe Farz:
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12.04.21, 20:43
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#6
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Anfänger
Registriert seit: Nov 2020
Beiträge: 26
Bedankt: 21
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Zitat:
Zitat von MG_T
Es gibt sogar Verschwörungsmythen, dass einige Wenige diese Pandemie nutzen, um sich zu bereichern. Die mit der Angst sich die Taschen vollmachen.
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Zum Beispiel Patrisse Khan-Cullors (Black Lives Matter), die sich ein Haus für 4 Millionen...ach, moment. Das war ja bei uns. Ihr Haus hat nur 1.4 Millionen Dollar gekostet.
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