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18.02.19, 21:39
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Chuck Norris sein Vater
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Ehemalige Haftanstalt: DDR-Polizeigefängnis ist nun ein Lernort
Zitat:
Im früheren Gefängnis in der Keibelstraße beschäftigen sich nun Schulklassen mit der Unterdrückung in der DDR.

Aus einem Gefängnis ist ein Lernort geworden: Bildungssenatorin Sandra Scheeres in einer Zelle in der Keibelstraße.
Foto: Jörg Carstensen / dpa
Berlin. Das erste, was auffällt, ist die Kälte. Draußen ist schon gefühlt Frühling, aber durch den Gang zwischen den Zellentüren weht eisige Luft. Die meisten Besucher, die die ehemalige Untersuchungshaftanstalt betreten, bleiben erst einmal kurz stehen. Beim Blick in den Trakt mit seinen winzigen Zellen, auf die grauen Türen und Wände und den abgetretenen Betonboden müssen sie erst einmal tief durchatmen, auch 30 Jahre nach dem Mauerfall.
So lange hat es gedauert, bis aus dem Gefängnisflur ein Lernort wurde, an dem sich Schulklassen mit der Geschichte des Ost-Berliner Polizeigefängnisses beschäftigen sollen. Am Montag hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) die Einrichtung eröffnet. In der Keibelstraße, seit 1951 Haftanstalt der Volkspolizei, saßen vor allem Untersuchungshäftlinge. Darunter viele, die nach Fluchtversuchen, wegen „Rowdytums“ oder als „Asoziale“ angeklagt waren, Punks beispielsweise, Wehrdienstverweigerer, Gläubige, Homosexuelle, Obdachlose.
Einer der Häftlinge war Michael Brack, heute 69 Jahre alt und am Eröffnungstag des Lernorts sichtlich aufgewühlt. Nur ein paar Minuten hat er, um von der Zeit zu berichten, in der er als junger Mann mit 19 Jahren hier drei Monate in einer Zelle saß. Grund war ein Moment des Aufbegehrens, eine schnell hingeschriebene „Losung“, wie er es nennt: „Heute würde man Graffiti dazu sagen.“ Zwei Sätze, mit dem er sich gut 50 Jahren über den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei empörte und für Alexander Dubček, Leitfigur des Prager Frühlings, einsetzte: „Freiheit für die Tschechoslowakei“ und „Es lebe Dubček“ schrieb er auf eine Wand – und wurde erwischt. „Heute würde ich dafür eine Geldstrafe bekommen“, sagt er. 1968 kam er in eine Zelle an der Keibelstraße.
„Sorgt dafür, dass die Demokratie erhalten bleibt“
Vor drei Jahren war er zum ersten Mal an den Ort zurückgekehrt, an dem er damals in der Zelle saß. „Ich hatte weiche Knie, Schweißausbrüche und fast einen Herzkasper“, so beschreibt er seine Reaktion, als er das Gefängnis Jahrzehnte nach seiner Haft wieder betrat. Auch jetzt, zur Eröffnung des Lernorts, hält er es hier nur schwer aus. Zwischendurch muss er einfach mal raus, vor die Tür, an die Luft. Dennoch sei er froh, bei der Eröffnung dabei zu sein, versichert er: Er wünsche sich, dass die Schüler verstehen, dass das, was sie an diesem Ort zu sehen bekommen, so nur in einer Diktatur möglich sei. Auch wenn die Demokratie in Deutschland oft kritisiert werde, gebe es kaum ein Land, in dem es sich so frei leben lasse. Daher sagte er jungen Menschen immer wieder: „Sorgt in eurem eigenen Interesse dafür, dass diese Demokratie erhalten bleibt.“
In den Zellen im ersten Obergeschoss des ehemaligen Gefängnisses lesen die Schüler nun auf Ausstellungstafeln Vernehmungsprotokolle, Arrestablaufpläne oder Stellungnahmen der Inhaftierten. Die einer jungen Frau zum Beispiel, die sich in ordentlich geschwungener Schreibschrift zu ihrem „Verstoß gegen die Hausordnung“ äußert und verspricht: „Es soll nicht wieder vorkommen.“ Ihr Vergehen: Sie hat sich auf der Toilette mit Mitgefangenen unterhalten.
Hier könnten sich junge Menschen in die Opfer des DDR-Systems hineinversetzen, sagte Senatorin Scheeres bei der Öffnung. Auf diese Weise würden sie erfahren, welche Form staatliche Repression annehmen könne. Das Ziel: „Sie sollen lernen, dass es wichtig ist, sich für die Demokratie zu engagieren.“
Die Leiterin des Lernorts, Birgit Marzinka, stellte vor, wie so ein Besuch einer Schulklasse aussehen wird: Die Schüler erhalten Tablets, mit denen sie sich anhand der Dokumente und der Zeitzeugeninterviews, die auf Bildschirmen in den Zellen laufen, bestimmte Themen erarbeiten – dabei geht es etwa um die Haftbedingungen oder die ständige Kontrolle der Häftlinge.
Das Berliner Abgeordnetenhaus hatte in einem Beschluss im November 2017 zum ehemaligen Polizeigefängnis Keibelstraße festgelegt, dass im ehemaligen Polizeigefängnis ein außerschulischer Lernort entstehen solle. Er freue sich, dass dies nun endlich der Fall sei, sagte der Berliner Grünen-Abgeordnete Andreas Otto. Die übrigen Forderungen des Beschlusses seien aber noch nicht erfüllt, unter anderem der, den Ort außerhalb der Nutzungszeiten für Schüler auch anderen Besuchern zugänglich zu machen. Zwar soll es öffentliche Führungen geben, nach Angaben des Betreibervereins finden diese aber nur einmal monatlich statt. Außerdem hatte das Abgeordnetenhaus gefordert, auch die übrigen Etagen der früheren Haftanstalt wieder herzurichten.
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