myGully.com Boerse.SH - BOERSE.AM - BOERSE.IO - BOERSE.IM
Ungelesen 28.04.21, 17:25   #1
Draalz
Stammi
 
Registriert seit: Oct 2012
Beiträge: 1.404
Bedankt: 1.844
Draalz leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 8770602 Respekt PunkteDraalz leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 8770602 Respekt PunkteDraalz leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 8770602 Respekt PunkteDraalz leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 8770602 Respekt PunkteDraalz leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 8770602 Respekt PunkteDraalz leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 8770602 Respekt PunkteDraalz leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 8770602 Respekt PunkteDraalz leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 8770602 Respekt PunkteDraalz leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 8770602 Respekt PunkteDraalz leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 8770602 Respekt PunkteDraalz leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 8770602 Respekt Punkte
Standard Dieser Mann schafft die Obdachlosigkeit ab

Zitat:
»Housing First« in Finnland

Dieser Mann schafft die Obdachlosigkeit ab


Die Zahl der Obdachlosen steigt in Europa seit Jahren massiv an – außer in Finnland. Bis 2027 will das Land das Problem ganz überwinden. Was können andere Länder in der Krise davon lernen?

Ein Interview von [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
23.04.2021, 20.20 Uhr



Juha Kaakinen Foto: Kirsi Tuura

Mindestens 700.000 Menschen in [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] verbringen jede Nacht ohne eigenes Dach über dem Kopf. Das zumindest war die [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] vor der Pandemie, wahrscheinlich waren und sind es deutlich mehr. Nach Angaben der EU stieg ihre Zahl in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 70 Prozent – wirtschaftliche Krisen, steigende Mieten und andere soziale Probleme sorgen dafür, dass das Problem im reichen Europa größer und nicht kleiner wird.

anderen Weg gegangen: [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]. Mit einem radikalen Rezept namens [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] hat das Land die Not spürbar gelindert, in wenigen Jahren sollen Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit ganz der Vergangenheit angehören. Was können andere Länder in der Pandemie daraus lernen?

Zitat:
Zur Person Juha Kaakinen


Foto: Kirsi Tuura

Juha Kaakinen, Jahrgang 1954, ist Geschäftsführer von Y-Säätiö, einem der vier größten Wohnungsanbieter in Finnland. Der gemeinwohlorientierten Stiftung gehören aktuell mehr als 17.000 Wohnungen. Zuvor war Kaakinen für die Stadtverwaltung Helsinki tätig.
SPIEGEL: Herr Kaakinen, die Coronapandemie hat die Ungleichheit in Europa weiter verschärft, Millionen Menschen haben ihren Job verloren und können ihre Miete nicht mehr bezahlen. Die Zahl der Obdachlosen stieg schon davor stark an. Was können wir tun, damit dieses Problem jetzt nicht noch schlimmer wird?

Kaakinen: Wenn Sie wirklich etwas tun wollen, müssen Sie langfristige Strukturen schaffen, nicht nur Notprogramme. Gerade stehen sehr viele Büros und Hotels leer. Viele werden bereits als Notunterkunft genutzt und wohl auch nach der Pandemie nicht mehr gebraucht. Ich sage unseren europäischen Partnern deshalb zurzeit: Nutzt diese Chance. Auch unsere ersten Wohnungen in Helsinki sind so entstanden, indem wir eine angemietete Notunterkunft in mehrere Sozialwohnungen umwandelten. Obdachlosigkeit kann überall verschwinden – wenn die Politik es wirklich will.

SPIEGEL: Finnland ist das einzige Land in Europa, in dem die Zahl der Obdachlosen schon seit Jahren sinkt. Was machen Sie anders?

Kaakinen: Wir haben früh erkannt, dass es nichts bringt, Menschen in Not unter Druck zu setzen. Sie brauchen bedingungslose Hilfe und eine Wohnung. Das klassische Modell funktioniert meist so, dass man erst einen Entzug überstehen oder Arbeit finden muss, bevor man eine Wohnung bekommt. Wie auf einer Treppe. Doch das schaffen viele nicht, sie fallen immer wieder runter. Wir gehen deshalb mit »Housing First« den umgekehrten Weg.


Sozialwohnung in Väinölä: Aktuell baut Y-Säätiö 700 neue Wohnungen, das Geld dafür kommt aus vergünstigten Krediten Foto: Vilja Pursiainen / Y-Foundation

Bevor wir anfingen, wurden die Notunterkünfte in Helsinki von einer Firma verwaltet, die viel Geld bekam, obwohl die Zimmer menschenunwürdig waren. Das wollten wir beenden. Als wir dann die ersten Wohnungen anboten, merkten wir schnell, dass uns das doppelt hilft: Unser Konzept senkt die Kosten für die Allgemeinheit, weil es weniger Notfälle und Chaos gibt. Gleichzeitig gibt es den Menschen ihre Würde zurück. Wir behandeln sie wie normale Mieter, nur dass sie eben mit Sozialhilfe oder Wohngeld bezahlen. 2008 hat die Regierung aus diesem Konzept dann eine offizielle Strategie für ganz Finnland gemacht.

SPIEGEL: Wie haben Sie das politisch und gesellschaftlich durchgesetzt?

Kaakinen: Wir hätten keine Chance, wenn es in Finnland keinen Konsens darüber gäbe, dass jedem eine Wohnung zusteht. In den vergangenen 15 Jahren gab es sehr unterschiedliche Regierungskoalitionen, aber dieses Ziel ist fest verankert. Sanna Marin, die aktuelle Regierungschefin, ist sehr ambitioniert. Sie verlangt jetzt von uns, dass es bis 2027 gar keine Obdachlosigkeit mehr gibt. Das ist ein ehrgeiziges Ziel und auch eine große Herausforderung. Dass eine Regierung die Hilfsorganisationen so fordert, ist sicherlich ungewöhnlich. In vielen Ländern ist es ja umgekehrt.

SPIEGEL: Ist Finnland einfach eine Insel der Glückseligen?

Kaakinen: Natürlich profitieren wir auch von unserer Lage und dass wir ein kleines Land sind, aber der Wohnungsmarkt in Finnland ist nicht sehr viel anders als in anderen EU-Ländern. Auch bei uns zieht es immer mehr Menschen in die Stadt, die Mieten steigen: Aktuell geben die Menschen hier ein Drittel ihres Einkommens für Miete aus, deutlich mehr als im EU-Schnitt. Es gibt einen großen Bedarf an bezahlbarem Wohnen. Deshalb errichten wir aktuell 700 weitere Wohnungen.

SPIEGEL: Gibt es dagegen keinen Protest?

Kaakinen: Doch. Auch bei uns wehren sich die Nachbarn, wenn für Obdachlose gebaut wird. Kommen Anwälte ins Spiel, gibt es plötzlich viele Gründe, weshalb ein Haus angeblich am falschen Ort steht. Bei einem Projekt in Espoo wurde sogar der Naturschutz bemüht, um zu erklären, warum wir den Bauplatz nicht nutzen sollten. Es hat fünf Jahre gedauert, bevor wir kürzlich anfangen durften zu bauen. So etwas ist sehr anstrengend.


Straße in Helsinki: Die finnische Hauptstadt galt lange Zeit als Armutsschwerpunkt Foto: Sergi Reboredo / VWPics / imago images

SPIEGEL: Wie gehen Sie damit um?

Kaakinen: Wir kommunizieren möglichst viel und wenden uns an die Städte. Sie sind es, die dafür sorgen, dass ein Bauprojekt gelingt. Jetzt im Juli sind Kommunalwahlen, das heißt, wir können die Kandidaten öffentlich fragen: Werdet ihr uns unterstützen, so, wie wir es brauchen? Kaum jemand will da Nein sagen. Das ist in aller Regel sehr effektiv.

SPIEGEL: Können Sie sich nach der Wahl darauf verlassen?

Kaakinen: Leider nein. Eines unserer größten Probleme ist aktuell, dafür zu sorgen, dass die Kommunen dauerhaft in Sozialarbeiter investieren. Sie sind neben den Wohnungen die wichtigste Säule, damit das Konzept aufgeht. Wir brauchen Strukturen, die unseren Bewohnerinnen und Bewohnern im Alltag helfen. Manche von ihnen arbeiten inzwischen als Gärtner oder Hausmeister für uns. Wir müssen aber die unterschiedlichen Bedürfnisse beachten, nicht jeder ist dazu in der Lage.

SPIEGEL: Was für Menschen sind es, die in Finnland noch auf der Straße leben?

Kaakinen: Vor allem zwei Gruppen: Menschen mit gewalttätigem Verhalten und junge Drogenabhängige. Beide Gruppen sind eine Herausforderung, auch für unseren Ansatz. Es gibt Bewohner, die einen Betreuungsschlüssel von zwei zu eins benötigen. Das heißt, wir brauchen mindestens zwei Personen, um einem Menschen dauerhaft zu helfen. Aber dass jede und jeder dennoch eine eigene Wohnung verdient, auch wenn sie klein ist, gehört für mich zur Menschenwürde.

SPIEGEL: In deutschen Großstädten leiden viele Menschen darunter, dass günstige Wohnungen nach einigen Jahren aus der Sozialbindung fallen und [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] werden. Auch in [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] steigt die Not. Wie wollen Sie verhindern, dass die Obdachlosigkeit in einigen Jahren zurückkehrt, und was passiert mit denjenigen, die längere Zeit bei Ihnen leben, also gar nicht mehr obdachlos sind?

Kaakinen: Unsere Wohnungen sind ein dauerhaftes Angebot. Wir bauen nicht für Obdachlose, sondern so, dass möglichst alle Menschen bezahlbaren Wohnraum bekommen. Das ist ein Unterschied. Die vergünstigten Kredite, die wir bekommen, haben eine Laufzeit von 40 Jahren. Aber die Wohnungen, die uns gehören, werden auch danach ihre soziale Funktion erhalten. Wir drängen niemanden hinaus.
[ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
Draalz ist offline   Mit Zitat antworten
Die folgenden 7 Mitglieder haben sich bei Draalz bedankt:
AtPeterG (29.04.21), karfingo (28.04.21), Kneter33 (29.04.21), muavenet (29.04.21), pauli8 (28.04.21), sydneyfan (29.04.21), Thorasan (28.04.21)
Antwort

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Du kannst keine neue Themen eröffnen
Du kannst keine Antworten verfassen
Du kannst keine Anhänge posten
Du kannst nicht deine Beiträge editieren

BB-Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 11:10 Uhr.


Sitemap

().