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Aktivisten treffen auf SPD-Kanzlerkandidaten »Wir werden die Bundesrepublik Deutschla

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gerhardal
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Standard Aktivisten treffen auf SPD-Kanzlerkandidaten »Wir werden die Bundesrepublik Deutschla

Zitat:
Aktivisten treffen auf SPD-Kanzlerkandidaten
»Wir werden die Bundesrepublik Deutschland lahmlegen«
Die Hungerstreikenden, die vor dem Reichstag gegen die unambitionierte Klimapolitik protestierten, trafen heute den wohl künftigen Kanzler Olaf Scholz. Der löste ein Versprechen ein – und wurde dafür angeschrien.
Von Nike Laurenz • 12.11.2021, 19.40 Uhr

Am Abend, bevor sie auf den wahrscheinlich neuen deutschen Bundeskanzler treffen, sitzen sie mit ihren Laptops in einer Zweizimmerwohnung in Berlin-Kreuzberg, essen Vollkornbrot mit Gurkenscheiben, und diskutieren, wie sie ihm das, was sie ihre »Forderungen« nennen, sagen wollen. Zwischen ihnen und Olaf Scholz liegen 21 Stunden.

Olaf Scholz hat getwittert, womit er sich an diesem Donnerstag beschäftigt hat: Am Morgen schrieb er, das Land müsse winterfest gemacht werden, da das Virus unsere Gesundheit bedrohe. Später verkündete er, dass der Arbeitsmarkt in der Krise robust gewesen und mit höheren Einnahmen zu rechnen sei. Dann twitterte Scholz, dass die Bilder von der polnischen Grenze erschütternd seien.

Henning Jeschke, 21, und Lea Bonasera, 24, haben sich in derselben Zeit mit den Folgen des Klimawandels beschäftigt. Also das gemacht, was sie jetzt schon seit einigen Jahren praktisch täglich machen, und weswegen sie eine Menge von dem, was in dieser Lebensphase gemeinhin als normal gilt, aufgegeben haben. Weil andere es nicht taten, gingen sie auf die Straße, klebten sich an anderen fest, verteilten Flyer und hielten Vorträge in Jugendzentren. Bis vor wenigen Wochen befanden sie sich in einem Hunger- beziehungsweise Durststreik, den sie mit einigen anderen Aktivistinnen und Aktivisten auf einer Wiese in der Nähe des Reichstagsgebäudes verbrachten – alles fürs Klima.

Sie aßen und tranken so lange nichts, bis sich einer der damaligen Kanzlerkandidaten auf ihr Anliegen einließ: Bis Olaf Scholz nach 27 Tagen Streik auf Henning Jeschkes Handy anrief und zusagte, was die Streikenden gefordert hatten, ein öffentlich geführtes Gespräch über die Klimakrise nach der Wahl. Doch während Essen, Getränke und ihre normalen Gesichtsfarben zurückkehrten, war die Sache auch trotz der finalen Scholz-Erbarmung für sie nicht erledigt: Sie erwuchsen zu einer Gruppe aus mindestens 50 Menschen inklusive einer Pressesprecherin, wie sie selbst sagen, sie gaben der Gruppe den Namen »Aufstand der letzten Generation«, und sie sagen, dass sie Pläne haben.


21 Stunden, bevor sie auf Scholz treffen, treffen sie sich in Kreuzberg, wo Henning Jeschke und Lea Bonasera wohnen. An der Wohnungstür klebt ein Zettel: »You Are Entering A SAFE SPACE«. Ein sehr kleiner Flur führt in eine Küche mit Holzregal, dahinter ist ein Zimmer mit kahlen Wänden, einem Sofa, zwei Schreibtischen, einem Bett und einem Tisch in der Mitte, um den herum sie an diesem Abend sitzen. Henning Jeschke und Lea Bonasera, die mit Scholz reden werden, und drei weitere aus der Gruppe, die die beiden unterstützen, beraten.

Sie überlegen, wer bei diesem live auf YouTube übertragenen Treffen in der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin mit Reden anfangen wird, wer für die Übergänge sorgt und wie sie die Forderungen rüberbringen. Dass es Herrn Scholz nicht in Ekstase versetzen wird, wenn sie ihn bitten, hallo, regeln Sie das mit dem 1,5-Grad-Ziel doch mal, ist ihnen klar. Deswegen möchten sie ihm konkrete Aufgaben mitgeben. Die seien leicht erfüllbar, meinen sie, »da kann man sich gar nicht rausreden, da kann man nur zusagen«.

Erste Forderung: Die neue Bundesregierung müsse sofort gegen die Lebensmittelverschwendung vorgehen. Große Supermärkte sollten verpflichtet werden, noch genießbares Essen zu spenden, um so ihren CO₂-Fußabdruck zu reduzieren. Damit das passiere, müsse die nächste Bundesregierung ein Essen-Retten-Gesetz nach dem Vorbild Frankreichs auf den Weg bringen.

Zweite Forderung: Die neue Bundesregierung müsse innerhalb der ersten 100 Tage nach Antritt gesetzliche Maßnahmen für eine Agrarwende bis 2030 festlegen. Dabei müsse man sich an den Empfehlungen des »Bürgerrats Klima« orientieren, eine losbasierte Bürgerversammlung unter der Schirmherrschaft des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler: 160 Menschen, die Empfehlungen für die Klimapolitik Deutschlands erarbeitet haben.

Sie, die hier in Kreuzberg sitzen, haben schon einmal mit einem wichtigen Politiker über Klimamaßnahmen diskutiert, da lief das Hungern noch, und Robert Habeck kam spontan vorbei. Er nahm auf einem Klappstuhl auf der Wiese Platz und sagte zu Henning Jeschke und Lea Bonasera: »Du kannst natürlich ab morgen alle Tankstellen dicht machen, aber ist das politisch machbar?« Sie müssten »das Utopische fordern und verlangen, damit Politik sich weiterbewegt. Wir aber müssen ins Wahlprogramm schreiben, was wir umsetzen können, sonst wären wir Lügenbarone. Wir schaffen eine Veränderung schneller, wenn wir die Leute da abholen, wo sie sind, und nicht mit dem Szenario: ›Morgen geht die Welt unter, und es ist sowieso alles zu spät‹.« Lea Bonasera sagte in ihr Mikrofon: »Ich glaube, wir haben unterschiedliche Vorstellungen davon, was die Klimakrise bedeutet.«

Wenn Scholz in etwa so ankommen wird wie Habeck, haben sich die beiden schon was überlegt.

Henning Jeschke sagt: »Herr Scholz hat es in der Hand. Er kann es umsetzen. Wenn er es nicht umsetzt, werden wir ab Januar massiv stören, wir werden Autobahnen blockieren, bis er auf die Forderungen eingeht. Wir sind bereit, im Zweifel ins Gefängnis zu gehen.« Wer ihnen damit kommt, dass das nicht weniger erpresserisch klingt als die Hunger-Aktion, dem sagen sie, dass sie nur auf ihr Recht verweisen, und erwähnen einen Satz aus dem Grundgesetz, Artikel 20a: »Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung.«

Sie haben sich, offenbar, weil es hier ein bisschen kalt ist, Decken um die Beine gewickelt. Es geht jetzt um die Journalistinnen und Journalisten, die zum Scholz-Gespräch wegen Corona nicht mit in den Raum der Friedrich-Ebert-Stiftung dürfen, sondern vor der Tür warten müssen.

Es fallen Sätze wie: »Bestimmte Fragen sollen nicht mehr so viel Raum einnehmen. Wenn jemand fragt, wie der Hungerstreik so war, sagen wir: ›Es soll hier um unsere Forderungen gehen.‹«

»Wichtig ist, dass wir rüberbringen, was man nicht im Livestream sieht: Wir sind nicht nur Henning und Lea, wir sind richtig viele.«

»Unsere Hauptmessage ist: Wir warten auf Antworten, und wir machen weiter.«

Sie beschließen, klarzumachen, dass es nicht »einfach nur zwei Seppel waren, die gehungert haben, um der Politik die Dramatik zu verdeutlichen«.

Dann stellen sie fest, dass sie jemanden benötigen, der die Journalistinnen und Journalisten koordiniert, wenn die zu viele Fragen haben. Jemanden, der sagt: »Keine Fragen mehr. Wir gehen.«

Alles recht ernst, gewissermaßen professionell: Sie erinnern sich gegenseitig daran, sich auf die Sache zurückzubesinnen, wenn jemand inhaltlich abschweift. Sie sagen sich mehrmals die Uhrzeit an: »Schon fünf nach acht«, »schon viertel nach acht«. Wenn sich herausstellt, dass gerade mehrere gleichzeitig was sagen wollen, melden sie sich, anstatt sich gegenseitig ins Wort zu fallen. Auf die Frage, ob sie aufgeregt seien, ist ja immerhin wahrscheinlich der nächste Kanzler, antwortet Lea Bonasera: »Kaum. Eher möchten wir nun wirklich unsere Punkte klarmachen.« Als sie das Hin und Her zwischen ihnen und Scholz üben, wollen sie nicht beobachtet werden.

Dann fährt Olaf Scholz zwei Minuten nach offiziellem Gesprächsbeginn in einem schwarzen Mercedes vor der Friedrich-Ebert-Stiftung vor, es geht los.

Lea Bonasera: »Es erschöpft mich total, dass ich dachte, in meinen Zwanzigern ein schönes Leben zu haben, an den Wochenenden schöne Dinge zu machen, und jetzt sitzen wir hier und reden über die Klimakrise. Es ist erschöpfend, wenn man die Träume, die man hat, aufgibt, weil man sein Leben dem Klimaschutz widmet.«

Henning Jeschke: »Wie soll ich meiner Tochter in 20 Jahren in die Augen schauen? Wie soll ich ihr erklären, dass die Politik es nicht hinbekommen hat?«

Lea: »Ich kann mir nicht vorstellen, wie krass das sein muss, in Ihrer Position zu sein. Aber ich versuche hier, von Mensch zu Mensch mit ihnen zu reden.«

Henning: »Sie bringen uns in eine Klimahölle.«

Sie reden, Henning Jeschke schreit sogar, sie tragen ihre Forderungen vor – Olaf Scholz bleibt ruhig wie eigentlich immer. Man fragt sich, ob ihn dieser Nachmittag manchmal an früher erinnert, als er selbst noch wütender Juso war, ein Déj�*-vu, aber selbst wenn: Auf die Frage, ob er »diese Emotionen« nicht auch fühle, warum er immer nur redet und redet und seine Worte immer wiederholt, entgegnet er bloß: »Ich finde es nicht in Ordnung, anderen Menschen zu unterstellen, dass deren Pläne nicht ernsthaft seien.«

Jeschke und Bonasera greifen Scholz massiv an, unterstellen ihm, er habe den Ernst der Lage nicht begriffen, handle nicht energisch genug, sie hingegen wüssten, dass schon bald »Hunderte Millionen Menschen sterben werden«. Es ginge »um Leben und Tod«. Scholz bleibt in der seiner gleichen Tonlage: »Sie machen es sich viel zu bequem.« Die Aktivisten seien gut in der Zustandsbeschreibung, hätten selbst aber keine Vorstellung, wie Politik die Zukunft gestalten muss. »Wie kommen Sie eigentlich auf diese größenwahnsinnige Selbsteinschätzung?«, fragt er irgendwann gereizt.

Dann ist die Zeit rum, Scholz muss los. Den wartenden Reporterinnen und Reportern ruft er zu, er sei zufrieden mit dem Gespräch.

Henning Jeschke und Lea Bonasera stellen sich vor den Kameralichtern auf, die sie zum Glänzen bringen. Sie sagt: »Scholz erkennt nicht an, dass wir jetzt schnell handeln müssen!« Henning Jeschke sagt: »Wenn es nicht dazu kommen sollte, dass unser Leben gerettet wird, dann werden wir die Bundesrepublik Deutschland lahmlegen.«

21 Stunden vor dem Talk, als die einen sich zum Proben zurückziehen, erzählt die von der Gruppe ernannte Pressesprecherin in Kreuzberg, wie es sich als Aktivistin so lebt. Carla Hinrichs hat fünf Jahre Jura studiert, bevor sie Aktivistin wurde. Als Nächstes käme das Staatsexamen. »Ich habe richtig Bock, das zu studieren, aber ich kann das moralisch gerade nicht mit mir vereinbaren«, sagt sie.

Jetzt hilft sie den anderen, Vorträge zu organisieren, die Homepage aktuell zu halten, auf der sie schreiben: »Hast du auch eine Scheißangst, alles zu verlieren, wenn das Klima weiter destabilisiert wird?« Allein im November, kündigen sie hier an, werden sie 16 Vorträge an verschiedenen Orten halten, in Göttingen, Freiburg, Kassel, Bielefeld, Dresden. Kernfrage der Veranstaltungen: »Bist du bereit, für das Klima in den massiven zivilen Ungehorsam zu treten?«

Hinrichs erzählt, man finanziere sich über Spenden und »Unterstützung von manchen Eltern«. Aber, sagt sie, »schauen Sie sich mal hier um«, Blick in die vorsichtig gesagt spartanisch eingerichtete Küche, »es reicht eben nur gerade so«.

Lea Bonasera sagt, sie schreibe gerade an ihrer Doktorarbeit, Thema: Ziviler Ungehorsam in Demokratien. Henning Jeschke erzählt relativ emotionslos, dass er mal Politik studiert hat. Allerdings, schiebt er gleich hinterher, sei ihm dabei nicht wirklich klar geworden, wieso er für eine Zukunft im Hörsaal sitzen solle, die es wahrscheinlich nicht geben werde.

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Auch wenn das Ziel sicher richtig ist, habe ich Zweifel, ob man mit der Handlungweise dieser Personen viel erreichen wird...
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