In keinem Land der Europäischen Union sind im vergangenen Jahr so viele Menschen an Drogen gestorben wie in Schottland. Die Zahl liege zudem dreieinhalbmal höher als im gesamten Vereinigten Königreich, teilte das schottische Statistikamt heute in Edinburgh mit.
1.264 Drogentote in Schottland bedeuteten sechs Prozent mehr als im Vorjahr und einen Höchstwert seit Beginn der Statistik vor gut 20 Jahren – in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. In der EU gab es den jüngsten Angaben des Europäischen Drogenberichts zufolge insgesamt 8.317 Drogentote. Großbritannien liegt – umgerechnet auf die Zahl pro eine Million Einwohner und Einwohnerinnen – an zweiter Stelle hinter Schweden.
„Trainspotting-Generation“ stark betroffen
In Schottland ist vor allem die „Trainspotting-Generation“ der Heroinkonsumenten zwischen 35 und 54 Jahre betroffen, benannt nach dem britischen Drama „Trainspotting“ von 1996. Dabei handelt es sich zumeist um Menschen mit langer Drogenerfahrung, mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Opfer sind Männer.
Drogenmissbrauch ist seit dem Auftauchen von Heroin in den 1980er Jahre in Schottland weit stärker verbreitet als im Rest von Großbritannien. Schätzungen zufolge nehmen fast 60.000 der rund fünfeinhalb Millionen Einwohner in Schottland Drogen, dabei wird aber auch Alkoholmissbrauch eingerechnet.
Forschende machen Armut und Benachteiligung für die hohe Zahl an Konsumenten verantwortlich. Die schottische Regionalregierung, die die Unabhängigkeit von Großbritannien anstrebt, fordert seit Längerem mehr Befugnisse im Kampf gegen Drogen und will die Gesetze lockern.