Archäobotaniker vermelden zeitgerecht zum Tag des Apfels am 13. November den Fund des ältesten Apfels von Wien. Das Exemplar des Europäischen Wildapfels (Malus sylvestris) dürfte vor 4.000 Jahren beim Dörren ins Feuer gefallen und dann entsorgt worden sein.
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Der bisher älteste Nachweis eines Apfels auf Wiener Boden stammt aus einer bäuerlichen Siedlung aus der Zeit um 2.400 v. Chr.
Steinzeitliches Hoppala in Oberlaa
Entdeckt wurden zwei eher unförmige Klumpen, die zunächst genauer untersucht werden mussten. So ungewöhnlich ist der Fund prinzipiell nicht. Wildäpfel seien in der Jungsteinzeit begehrte Sammelpflanzen gewesen und hätten als wichtige Vitaminlieferanten in den Wintermonaten gedient. Das Oberlaaer Äpfelchen könnte auf einer Darre getrocknet worden sein und dürfte dabei ins Feuer gefallen sein. Anschließend wurde es wohl in einer Abfallgrube entsorgt.
Wer auch immer zu dieser Zeit in Oberlaa lebte, es war wohl kein Obstbauer darunter. Bei dem gefundenen Apfel handelt es sich mit Sicherheit um einen Europäischen Wildapfel (Malus sylvestris). Der hat mit heutigen Äpfeln wie der Lavantaler Banane oder der süßen Sophie wenig zu tun. Die Vorfahren der Kulturäpfel und damit der systematische Obstbau erreichten laut den Wissenschaftlern erst Jahrtausende später Mitteleuropa.
Kontakte ins Karpatenbecken
Bei den Grabungen wurden auch Getreidekörner und Tierknochen zutage gefördert. Das ermöglicht einen Einblick in die Lebensgrundlagen der jungsteinzeitlichen Siedler von Oberlaa: „Neben dem Ackerbau, der sich auf Getreide wie Einkorn, Emmer und Gerste sowie auf Hülsenfrüchte stützt, spielte auch die Haltung von Rindern, Schweinen sowie Schafen bzw. Ziegen eine große Rolle“, erklärte Martin Penz, Prähistoriker in der Stadtarchäologie Wien und Grabungsleiter der Oberlaaer Ausgrabung.
In der Siedlung wurde auch bereits dem Textilhandwerk mit Spinnen und Weben nachgegangen: „Wirtschaftlich und kulturell scheinen die jungsteinzeitlichen Bauern von Oberlaa Beziehungen vor allem ins Karpatenbecken gehabt zu haben, wie uns die Keramikfunde zeigen.“