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Warum die Mächtigen nicht einfach die Welt retten
Zitat:
Wie erkläre ich’s meinem Kind?
Warum die Mächtigen nicht einfach die Welt retten
Von Miguel de la Riva Aktualisiert am 05.11.2021 15:22

Trotz aller Versprechen und flammender Reden auf großen Konferenzen wie gerade in Glasgow passiert noch immer viel zu wenig. Wie kann das sein? Was den Klimawandel zu einem so schwierig zu lösenden Problem macht.
Die Uhr steht auf fünf vor zwölf. Mal wieder. Wie schon seit so vielen Jahren. Denn nicht erst bei der aktuellen [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] in Glasgow sprechen Politiker und Journalisten, Experten und Aktivisten von der nun wirklich letzten Chance, eine weltweite Katastrophe aufzuhalten. Der britische Regierungschef spricht sogar von einer Minute vor zwölf. Dass es allerhöchste Eisenbahn ist und wir nicht länger warten dürfen, davon war auch schon bei den Konferenzen in Paris 2015 oder in Kopenhagen 2009 die Rede.
Wie bei diesen früheren Konferenzen kommen in Schottland gerade Dutzende Staats- und Regierungschefs und Abertausende Diplomaten aus der ganzen Welt zusammen, um darüber zu verhandeln, wie man die Erde und die Menschheit rettet. Denn um nichts weniger geht es beim [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]: Wenn wir nicht sehr bald den Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 verringern, die zum Beispiel entstehen, wenn wir Kohle, Gas und Öl verbrennen, dann wird sich das Klima auf unserem Planeten stark verändern. Die Erde würde auf eine Weise beschädigt werden, die man nicht mehr reparieren könnte.
Die Folgen wären furchtbar, erste Auswirkungen merken wir schon jetzt: Es wird mehr Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Dürren geben, viele Menschen werden wegen Hunger und Durst ihre Heimatländer verlassen müssen. Weil an Nord- und Südpol durch die höheren Temperaturen das Eis weiter schmilzt, wird sich der Meeresspiegel erhöhen, viele Küstenstädte und ganze Inseln werden von der Landkarte verschwinden. Es war also keine Übertreibung, als der UNO-Generalsekretär [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] am Beginn der aktuellen Konferenz warnte, wir Menschen seien gerade dabei, uns „unser eigenes Grab schaufeln“.
Doch trotz aller solcher Apelle, wie sie auch bei den früheren Konferenzen zu hören waren, haben die Zusammentreffen bisher noch viel zu wenig verändert. Zwar sagen die allermeisten Politiker mittlerweile klar und deutlich, was für eine große Herausforderung vor uns liegt und wie dringend es ist, endlich zu handeln. Manchmal wurden sogar überraschende Erfolge erreicht, etwa als man sich in Paris vor sechs Jahren auf das strengere Ziel einigte, die Erderwärmung auf 1,5 Grad statt wie zuvor auf zwei beschränken zu wollen.
Doch den Worten folgten noch zu wenige Taten. Was auf dem Papier steht, ist bislang noch keine Realität geworden. Auch wenn einzelne Länder mittlerweile ein paar Erfolge vorzuweisen haben und mehr klimafreundlicher Strom denn je aus Windrädern und Solarzellen gewonnen wird: Der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen ist trotz aller Bemühungen und Verhandlungen noch nicht weniger geworden, sondern kaum gebremst weiter gestiegen.
Wie kann das sein? Wenn es doch glasklar ist, dass wir etwas tun müssen und zwar schnell – warum passiert dann noch so wenig? Was macht den Klimawandel zu einem so schwer lösbaren Problem?
Eines ist klar: Die Sache wird teuer. Kohle, Gas und Öl sind sehr günstige Formen, Strom zu erzeugen und Autos zu betanken. Große Teile unserer bisherigen Wirtschafts- und Lebensweise sind auf sie eingestellt, eine Umstellung auf klimafreundlichere Energie ist darum sehr kostspielig. Das ist ganz besonders für jene Länder eine große Herausforderung, die nicht so reich sind wie Deutschland und sich wirtschaftlich möglichst rasch entwickeln wollen, um Hunger und Armut zu beseitigen. Für den umweltfreundlichen Aufbau ihrer Wirtschaft brauchen sie Unterstützung, die reichere Länder in der Vergangenheit nicht immer zu geben bereit waren.
Doch dass etwas teuer und aufwendig ist, das ist in der Politik nicht unbedingt ein Hinderungsgrund. Staaten und Regierungen sind ja gerade dafür da, auch Dinge in Angriff zu nehmen, die wir nur gemeinsam schaffen können. Während der Corona-Krise haben Regierungen auf der ganzen Welt gezeigt: Wenn es wirklich wichtig ist und sehr schnell gehen muss, weil viele Menschenleben auf dem Spiel stehen, dann scheuen sich Politiker nicht, in kurzer Zeit unvorstellbar große Geldbeträge in die Hand zu nehmen und wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen. Warum tun sie das nicht auch beim Klima, wo wir doch wissen, dass dort auf lange Sicht, im Laufe vieler Jahrhunderte noch viel größerer Schaden zu befürchten ist?
Das Tückische am Klimawandel ist, dass die Verursacher oft nicht die Betroffenen sind. Die Menschen, die am schwersten unter dem Klimawandel leiden werden, können am wenigsten dafür. Das gilt beispielsweise für Menschen in ärmeren Ländern: Sie haben in der Vergangenheit am wenigsten Treibhausgase ausgestoßen, leben aber oft in Regionen der Welt, die von den Klima- und Umweltveränderungen ganz besonders stark betroffen sein werden. Weil sie wenig Geld haben, können sie sich vor ihnen auch nicht so gut schützen wie beispielsweise in Deutschland.
Sie denken ungehindert nur an sich
Dass beim Klimawandel Verursacher und Betroffene auseinanderfallen, gilt aber ganz besonders auch mit Blick auf das Verhältnis von jungen und alten Menschen. Denn die Effekte des Klimawandels treten nicht sofort, sondern mit einer zeitlichen Verzögerung ein. Die Folgen der Gase, die in der Vergangenheit und Gegenwart in die Luft gepustet wurden, werden erst in ein paar Jahrzehnten diejenigen so richtig zu spüren bekommen, die gerade Kinder sind – und später die Kinder, die sie einmal haben werden. Weil sie noch ganz jung oder noch gar nicht geboren sind, können sie den Klimawandel natürlich nicht verursacht haben, erst sie werden aber in einer Zeit leben, in der seine Folgen mit voller Wucht eintreten. Was könnte da verständlicher scheinen, als dass viele Kinder und Jugendliche mit Greta Thunberg um ihre Zukunft fürchten und sich zu großen Demonstrationen versammeln?
Was die Sache so schreiend ungerecht macht, macht sie zugleich auch so schwierig. Denn wenn die Verursacher nicht selber betroffen sind, fällt es ihnen leicht, die Folgen ihres Handelns auszublenden und sich aus ihrer Verantwortung zu stehlen. So wie bisher weiterzumachen ist billig und bequem, die Rechnung zahlen Menschen in fernen Ländern oder in der Zukunft. Weil wir ihnen nie begegnen werden, haben sie keine Chance, uns damit zu konfrontieren, wie fragwürdig wir uns im Hier und Jetzt verhalten. So werden die, die heute erwachsen sind, kaum daran gehindert, nur an sich zu denken. Und weil das so viele tun, fällt es Politikern, die von ihnen bei Wahlen möglichst viele Stimmen bekommen möchten, so schwer, ihnen zu erklären, warum sie große Anstrengung für Leute auf sich nehmen sollen, die sie niemals kennenlernen werden.
Für die eigenen Kinder fast jede Anstrengung
Schwierig zu lösen wird der Klimawandel außerdem dadurch, dass er ein weltweites Problem ist, das die Zusammenarbeit vieler Länder erfordert. Zwar hat jedes Land natürlich ein Interesse daran, dass unser Planet auch in Zukunft so bewohnbar bleibt wie er heute ist. Am besten wäre es aus der Sicht eines jeden einzelnen Landes aber, wenn sich alle anderen um das Problem kümmern und man selbst weiter die günstige Energie aus Kohle, Gas und Öl nutzen könnte. So muss jedes Land fürchten, gegenüber den anderen einen Nachteil zu haben, wenn sie beginnen, etwas gegen den Klimawandel zu tun, und die anderen weitermachen wie bisher. Das bietet Regierungen auch eine gute Ausrede dafür, erst gar nicht anzufangen. Nur zu gerne zeigt man mit dem Finger erst einmal auf die anderen: Dass sich andere Länder nicht so stark anstrengen, wie sie könnten, nutzt man selbst als Ausrede dafür, auch nicht so viel zu tun.
Das Problem ist also nicht so sehr, dass wir erst noch herausfinden müssten, wie man das Problem lösen kann. Das wissen wir schon lange. Das Problem besteht eher darin, wie wir uns dazu aufraffen können, es auch endlich zu tun. Vielleicht würde es da helfen, wenn sich die Erwachsenen an einen alten Spruch erinnerten: „Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern nur von unseren Kindern geliehen.“ Wenn Eltern mehr daran denken würden, welche Folgen ihr Handeln einmal für ihre Kindern und deren Kinder haben wird, würden sie sich bestimmt weniger aus ihrer Verantwortung stehlen. Denn für ihre Kinder nehmen Eltern fast jede Anstrengung auf sich. Nach Konferenzen wie der gerade in Glasgow würde sich dann hoffentlich mehr verändern.
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