myGully.com Boerse.SH - BOERSE.AM - BOERSE.IO - BOERSE.IM Boerse.BZ .TO Nachfolger
Zurück   myGully.com > Talk > News
Seite neu laden

[Other] Afrozensus: Endlich sichtbar

Willkommen

myGully

Links

Forum

 
Antwort
Themen-Optionen Ansicht
Ungelesen 12.06.20, 17:31   #1
Wornat1959
Profi
 
Registriert seit: Aug 2016
Beiträge: 1.857
Bedankt: 6.242
Wornat1959 leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2119272 Respekt PunkteWornat1959 leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2119272 Respekt PunkteWornat1959 leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2119272 Respekt PunkteWornat1959 leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2119272 Respekt PunkteWornat1959 leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2119272 Respekt PunkteWornat1959 leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2119272 Respekt PunkteWornat1959 leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2119272 Respekt PunkteWornat1959 leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2119272 Respekt PunkteWornat1959 leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2119272 Respekt PunkteWornat1959 leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2119272 Respekt PunkteWornat1959 leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2119272 Respekt Punkte
Standard Afrozensus: Endlich sichtbar

Zitat:
Afrozensus
Endlich sichtbar

Der Afrozensus soll der schwarzen Community mehr Sichtbarkeit verschaffen. Die Befragung ist nicht unproblematisch – aber ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Rassismus.

Von [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] und [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]

12. Juni 2020, 17:58 Uhr


Wie geht es euch eigentlich? Das will der Afrozensus von schwarzen Menschen in Deutschland wissen. © DEEPOL/​plainpicture

So schlimm habt ihr es doch gar nicht. Nicht so schlimm wie in den USA, wo Schwarze erschossen oder erstickt werden. Solche Sätze, sagt [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ], habe sie schon viel zu oft gehört. Auch jetzt wieder, nach dem Tod von George Floyd in den USA, als in Deutschland die Debatten darüber begannen, wie Schwarze auch hierzulande diskriminiert werden. Touré sagt, die Frage sei doch nicht, ob die Gewalt hier genauso schlimm sei wie in den USA. "Dahinter steckt Rassismus." Und der ist immer falsch.

Touré ist 1992 in Neumünster geboren, ihre Eltern waren ein Jahr zuvor aus Mali geflohen. Heute ist sie Grünen-Politikerin, Vizelandtagspräsidentin in Schleswig-Holstein und eine der wenigen People of Color (PoC), die in Deutschland ein politisches Mandat ausüben. In diesen Tagen, nachdem in den USA wieder einmal ein Mensch von Rassisten getötet wurde, wird ihnen zugehört. Wenn auch zaghaft.

Es fehlt an Sichtbarkeit, beklagen viele aus der Community. Viele Menschen in Deutschland wüssten nichts von den Erfahrungen, Bedürfnissen und Forderungen ihrer schwarzen Mitmenschen. "Hier leben mehr als eine Million Menschen afrikanischer Herkunft. Das war es dann auch im Grunde schon, was man über diese Gruppe weiß", sagt Daniel Gyamerah. Der Politikwissenschaftler forscht seit vielen Jahren zum Thema Rassismus und ist Vorsitzender des Vereins Each One Teach One (Eoto), der sich für das Empowerment der schwarzen Community einsetzt. Um endlich mehr Sichtbarkeit herzustellen, hat seine Organisation das Projekt [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] ins Leben gerufen.

Zitat:
Wie der Afrozensus funktioniert

Entwickelt wurde der Fragebogen von Citizens of Europe. Der Verein, bei dem Daniel Gyamerah auch als Bereichsleiter arbeitet, hat ein Umfrageinstrument entwickelt, mit dem schon in anderem Kontext häufiger zu Diskriminierungserfahrungen in speziellen Bereichen geforscht wurde. Anmelden kann sich jede Person, die sich selbst zur schwarzen Community zugehörig fühlt. Personalisierte Daten wie der Name werden nicht abgefragt. Um Missbrauch und Verfälschungen zu vermeiden, sind verschiedene Formen der Datenbereinigung vorgesehen. Erhoben werden quantitative Daten, diese werden ergänzt durch qualitative Befragungen. Anmelden kann man sich seit Ende des Jahres 2019, die Befragung soll Ende kommender Woche starten und zwischen drei und sechs Wochen dauern. Die Daten werden bis zum Jahresende, spätestens aber bis März 2021 ausgewertet. Finanziert wird der Afrozensus durch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes mit knapp 150.000 Euro.
In der kommenden Woche soll die Onlinebefragung zur Lebenswirklichkeit schwarzer Menschen in Deutschland beginnen. Das Projekt ist schon lange geplant, die zeitliche Nähe zur rassistischen Gewalt in den USA und zu den weltweiten Protesten gegen Rassismus ist trauriger Zufall, verdeutlicht aber einmal mehr die Relevanz einer solchen Befragung.

Der Zensus hat es sich zum Ziel gesetzt, mehr über die schwarze Community zu erfahren. Und zu zeigen, dass Rassismus in Deutschland alltäglich und strukturell ist. Rassismus und Diskriminierung sollen sichtbar werden, nicht nur dann, wenn wieder einmal etwas Schlimmes passiert ist. Geforscht werde dazu bislang kaum, sagt Gyamerah. Es gebe keinen Lehrstuhl zu Black Studies. In Befragungen zu Diskriminierungserfahrungen wird bislang in der Regel zwar der Migrationshintergrund abgefragt, aber ohne nähere Angaben einzuholen. "Da fällt dann der blonde, weiße Mann mit einem schwedischen Vater rein. Schwarze Menschen, die hier in dritter oder vierter Generation leben, aber nicht", sagt Gyamerah. Zu Menschen mit Migrationshintergrund zählen nach der gängigen Definition all jene, die mindestens ein Eltern-, manchmal auch Großelternteil haben, die nicht in Deutschland geboren wurden. Diese Kategorie ist sehr unpräzise, wenn man erforschen möchte, wie es schwarzen Menschen in Deutschland geht.

Dementsprechend gespannt blicken nun viele aus der Community auf den Afrozensus. Die Autorin und Rassismustrainerin Tupoka Ogette berichtet, in ihrem Umfeld sei das ein großes Thema, sie kenne viele, vor allem jüngere Menschen, die sich darauf freuten. "Ein wichtiges Projekt" sei das, sagt sie. Ogette hofft, dass aus den gewonnenen Daten konkrete politische Forderungen abgeleitet werden. Ähnlich formuliert das Gyamerah: "Bestenfalls können wir mit den Ergebnissen den Rechtfertigungsdruck auf die Politik erhöhen."

Rassismus ist in Deutschland schlecht erforscht

Gefragt werden soll im Afrozensus etwa nach Familienstand, gesellschaftlichem Engagement und Vertrauen in Institutionen. Eine wichtige Rolle spielen Diskriminierungserfahrungen. Neben quantitativen Erhebungen soll es qualitative Befragungen geben, die gab es in Deutschland bislang kaum. Als methodisches Vorbild dient unter anderem der [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ], eine ebenfalls von der Community ausgehende Befragung Schwarzer, an der sich im Jahr 2018 30.000 Menschen beteiligten. Beim deutschen Afrozensus haben sich bis jetzt knapp 4.800 Menschen angemeldet – ob sie alle mitmachen, lässt sich aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Die Daten sollen bis zum Frühjahr 2021 ausgewertet werden.

Spätestens dann kommt Aminata Touré wieder ins Spiel. Denn als Parlamentarierin kann sie diese Forderungen aufnehmen und sich für deren Umsetzung stark machen. "Es ist wichtig, sagen zu können, über welche Gruppe wir reden. Im politischen Prozess haben die meisten kaum Kapazitäten, sich mit diffusen Faktenlagen auseinanderzusetzen. Mit Zahlen und Daten kann ich besser argumentieren."

Daten über Minderheiten zu erheben, ist allerdings nicht unproblematisch, insbesondere vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte. Die Nationalsozialisten haben Minderheiten verfolgt und stigmatisiert, sie haben sie regelrecht katalogisiert und diese Daten zu ihrer Unterdrückung missbraucht. Viele Roma und Sinti etwa wollen aufgrund dieser Erfahrungen bis heute nicht an vergleichbaren Befragungen teilnehmen. Und auch vorher schon, in der Kolonialzeit, wurden Schwarze ausgebeutet und getötet.

Heute könnten solche Daten ebenfalls missbraucht werden. Etwa wenn die Angaben aus dem Zusammenhang gelöst werden. Andererseits lässt sich nur mithilfe von Befragungen mehr über die Community erfahren. Für Politik und Wissenschaft ist das ein Dilemma.

Ruta Yemane etwa forscht am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) zu Rassismus und Diskriminierung am Arbeitsplatz. Auch sie bräuchte für ihre Arbeit verlässliche, repräsentative Daten. Doch auch sie warnt gleichzeitig davor, in den Statistiken explizit phänotypische Merkmale aufzugreifen, also solche, die sich auf die äußere Erscheinung eines Menschen beziehen. "Hinterher setzt vielleicht jemand in Zusammenhang, wie viele Verbrechen von schwarzen Menschen begangen werden – ohne die anderen Faktoren zu berücksichtigen, die zu so einem Verbrechen führen." Der Afrozensus sei jedenfalls ein gute erste Möglichkeit der Erhebung, denn er geschehe aus der Community heraus und beruhe auf freiwilliger Teilnahme. Die Ergebnisse sind dann zwar nicht repräsentativ, aber brauchbar sind sie dennoch.

"Von Rassismus wollte die Wissenschaft lange nicht viel wissen", sagt Yemane. Genau das soll sich nun endlich ändern.
Quelle: [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]

Aminata Touré hat zum Thema Rassismus vor etwa einem Monat im Landtag Schleswig-Holstein auch eine Rede gehalten die ich dazu anhänge:

[ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
__________________
"Mitleid und Erbarmen hielten Bilbos Hand zurück. Viele, die leben, verdienen den Tod und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben, Frodo? Dann sei nicht so rasch mit einem Todesurteil bei der Hand. Selbst die ganz Weisen erkennen nicht alle Absichten. Mein Herz sagt mir, dass Gollum noch eine Rolle zu spielen hat, zum Guten oder zum Bösen, ehe das Ende kommt." (Gandalf zu Frodo)
Wornat1959 ist offline   Mit Zitat antworten
Die folgenden 5 Mitglieder haben sich bei Wornat1959 bedankt:
BLACKY74 (12.06.20), MunichEast (12.06.20), nachtmasse (12.06.20), pauli8 (13.06.20), Uwe Farz (12.06.20)
Antwort


Forumregeln
Du kannst keine neue Themen eröffnen
Du kannst keine Antworten verfassen
Du kannst keine Anhänge posten
Du kannst nicht deine Beiträge editieren

BB code is An
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 20:22 Uhr.


Sitemap

().