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10.03.20, 12:40
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Chuck Norris sein Vater
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Monaco: Eine fürstliche Umweltsauerei
Zitat:
Monaco
Eine fürstliche Umweltsauerei
Monaco baut ein Luxusviertel ins Meer. Seegräser und Riesenmuscheln wurden versetzt – aber Informationen über die Folgen für die Umwelt hält der Fürstenstaat zurück.

Die Basis für das zukünftige Villenviertel auf dem Wasser © Valery Hache/AFP/Getty Images
Der Meeresbiologe Philippe Bornens sucht nach den richtigen Worten. Er versucht die betonierte Küste vor Monaco als umweltfreundlich darzustellen. Denn das Fürstentum schüttet gerade sechs Hektar Land auf. Hunderttausende Tonnen Beton bilden den Grundstein für ein neues Luxusviertel. Bornens soll Tiere und Pflanzen vor dem Beton retten. "Es ist keine leichte Aufgabe", sagt er.
Monaco hat ein Platzproblem: Es ist nach dem Vatikan das kleinste Land der Erde. Trotzdem wollen noch mehr Menschen ins Land, um hier ihr Geld steuerfrei zu parken. Deshalb haben schon in den vergangenen Jahren etliche Villen dreißigstöckigen Hochhäusern Platz gemacht.
Der Chef von Monaco, Fürst Albert, pflegt nach außen jedoch ein grünes Image, er präsentiert sich als Meeresschützer. Albert veranstaltet unter anderem internationale Konferenzen zu maritimen Themen, [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]. Alberts Stiftung setzt sich [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] dafür ein, Meeresregionen als Schutzräume zu deklarieren – allerdings liegen die weit weg, in der Arktis oder in Kambodscha. Im eigenen Land wurde das ökologische Gewissen von den Immobilienpreisen [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ] ausgestochen. "Am Anfang wollte der Prinz ein Projekt ohne Folgen für die Umwelt", sagt Bornens. "Da habe ich ihm erklärt: Dann müsse er es absagen."

Prinz Albert mit dem Modell für das neue Viertel © Eric Gaillard/AFP/Getty Images
Abgesagt wurde der Bau natürlich nicht. Bornens soll stattdessen dafür sorgen, dass alle Meerestiere- und pflanzen von der Baustelle an unberührte Orte im Mittelmeer versetzt werden. Deshalb wurden bereits tonnenweise Steine vom Meeresboden abgeschabt und 500 Quadratmeter Seegräser versetzt.
Zwei Milliarden Euro soll der Bau ins Meer hinein kosten. Vor anderthalb Jahren wurde der erste Betonpylon ins Meer gelassen, zehn Tonnen schwer, 27 Meter hoch. Neun Tage lang wurde er in einer eigens dafür aufgebauten Fabrik im 200 Kilometer entfernten Marseille gegossen. Inzwischen wurden 18 weitere Pylone im Wasser versenkt.
Das Fundament wurde mit Tankern und Wasserkränen gegossen, die so groß sind wie Bohrinseln. 400.000 Tonnen Sand wurden dafür aus dem 400 Kilometer entfernten italienischen Piombino herangeschafft, 300.000 Tonnen aus Marseille. Eine Fläche von drei Fußballfeldern wurde dem Meer entrissen.
Der monegassische Regierungschef Serge Telle beschwichtigt: "Wir haben alles getan, um Lebewesen so wenig wie möglich zu stören." Das sei dem Prinzen eine Herzensangelegenheit. Deshalb beschäftigt er etliche Leute, die für ein grünes Image dieses Großprojektes sorgen sollen. Wie Philippe Bornens, der sonst in der Bretagne arbeitet und nun regelmäßig nach Monaco fliegt.
Rotalgen, Seegras und Steckmuscheln
"Wir haben drei geschützte Arten gefunden", erzählt Bornens und zeigt dahin, wo heute nur eine spiegelglatte Betonfläche zu sehen ist. Er und seine Kollegen hätten dafür gesorgt, dass acht Felsblöcke mit Rotalgen, 500 Quadratmeter Seegras und 147 Steckmuscheln – die zweitgrößte Muschelart der Welt – an einen anderen Ort gebracht werden. Eine Maschine, die sonst große Bäume versetzt, wurde dafür seetüchtig gemacht. Die 19 Betonpylone hätten zudem eine extra raue Oberfläche, damit sich dort Meerestiere- und -pflanzen ansiedeln könnten. Außerdem überwachen Videokameras aus den umliegenden Hochhäusern und unter Wasser die Baustelle. Schwimmende Barrieren sollen verhindern, dass sich Turbulenzen bilden und das Wasser trüben. "Es ist das größte Projekt meines Lebens", sagt Bornens. Glücklich sieht er dabei nicht aus.
Im Fürstenstaat gab es bislang keine Proteste gegen das Milliardenprojekt. Eine unabhängige Umweltorganisation gibt es nicht, Aktivistinnen ketteten sich nicht an die Baustelle, niemand demonstrierte. Unsere Anfrage an den monegassischen Verein zum Schutz der Umwelt (AMPN) wird umgehend an den Prinzenpalast weitergeleitet – der Schirmherr ist der Fürst. Alberts Bild hängt in jeder Bar und jedem Unterwäscheladen, er wird nur selten kritisiert.
Sogar internationale Umweltorganisationen winken ab: Weder Greenpeace noch die ansonsten in jedem französischen Ort aktive Fondation Nature et Environment (FNE) wollen oder können sich zum Meeresbau äußern.
Die ökologischen Folgen werden verschwiegen

Die Baustelle im November 2019 © Eric Gaillard/Reuters
Einzig die Umweltgruppe Aspona aus dem benachbarten Roquebrune-Cap-Martin kritisiert öffentlich das Projekt. Der Ort liegt 200 Meter östlich von Monaco. Die Vorsitzenden der NGO beobachten von dem Ort, hoch oben auf einen Felsen gebaut, die Baustelle im Meer. Frédérique Lorenzi ist Juristin, hat in Brüssel für die Kommission gearbeitet und ist "entsetzt und traurig" über den Sonderfall Monaco. "Wir haben Monaco und die Bauherren angefragt, uns Auskunft über die ökologischen Folgen des Projektes zu erteilen. Vergeblich." Als die Ökoaktivistinnen auf Facebook Fotos mit voll beladenen Frachtern aus Monaco auf dem Weg nach Italien zeigten und den Bauherrn Bouygues in Monaco verdächtigten, seinen Bauschrott im Nachbarland zu entsorgen, drohte Bouygues, sie auf Rufmord zu verklagen. Sie nahmen die Fotos wieder von der Seite.
Tatsächlich werden die ökologischen Folgen des neuen Viertels verschwiegen. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die sowohl in Frankreich als auch Deutschland obligatorisch und öffentlich ist, kann in Monaco niemand einsehen. "Niemand kennt die Auswirkungen. Das ist dramatisch", sagt Lorenzi.
Auch Lorenzi sorgt sich um das Seegras, vor allem um das Neptungras. "Es kann Wasser filtern, beherbergt viele Kleinsttiere und speichert CO2. Aber es wächst sehr langsam, nur ein bis drei Zentimeter pro Jahr. Das Seegras, das wir hier an der Küste sehen können, ist prähistorisch", sagt die Juristin. Ob die Umsiedlungen erfolgreich sind, werde man erst in einigen Jahren sehen. "Sie sind eine Marketingaktion von einem schwerreichen Fürsten." Auch Meeresbiologe Bornens gibt zu: "Wir werden erst in einigen Jahren wissen, ob die Pflanzen überlebt haben."
Noch mehr Boote und Hubschrauber
Die Umweltschützerinnen aus dem Nachbarort sorgen sich außerdem um die Natur, wenn die Baustelle einmal abgeschlossen ist. Denn Monaco hat außerdem einen Yachthafen in der italienischen Grenzstadt Ventimiglia mitfinanziert, weil seine eigenen zwei Häfen überlaufen sind. Das neue Land wird zudem einen Hubschrauberlandeplatz beherbergen. "Es werden also noch mehr Luxusboote fahren und noch mehr Flugzeuge über unseren Köpfen schwirren", sagt Frédérique Lorenzi. "Wo viel Geld ist, ist viel Schaden." Monaco sei ein "gesetzloser Staat".
Philippe Bornens, der Meeresschützer im Dienste des Fürsten, möchte das so nicht stehen lassen. Auch in Monaco gebe es Regeln. Nur eben andere als im restlichen Europa. Ohnehin ist es nicht der erste Meeresbau: Monaco hat dem Meer seit den 1960er-Jahren 40 Hektar Land abgetrotzt – für Wohnungen, Yachthäfen, Parkplätze. Jetzt kommen noch mal sechs hinzu. "Nicht viele Staaten können ohne Kriege ihr Land vergrößern", [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ].
Lohnen wird sich das Projekt in jedem Fall für den französischen Bauherrn Boygues. Er verkauft die Eigentumswohnungen mit privatem Pool und kleinem Garten in dem neuen Viertel, einige sollen schon für einige Hundert Millionen Euro über den Tisch gegangen sein. Ein weltweit unerreichter Quadratmeterpreis. Der sich für die Käufer trotzdem lohnt: Wer länger als sechs Monate im Jahr in Monaco wohnt, muss in seinem Herkunftsland keine Einkommenssteuern mehr zahlen.
Wie teuer das Projekt für den globalen Klimawandel wird, bleibt wiederum im Dunkeln. Zwar schreibt eine Agrarökonomin darüber ihre Doktorarbeit – doch auch sie wollte aber nicht über ihre Forschungsergebnisse sprechen. Dafür sei wiederum der Fürstenpalast zuständig. Der aber wollte auch nach zweimaliger Nachfrage keine Zahlen nennen.
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Quelle:[ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
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