myGully.com Boerse.SX
Zurück   myGully.com > Talk > Wissenschaft
Seite neu laden

Astronomie-Krimi: Was Kirchen in ihren Lichtcodes verstecken

Willkommen

myGully

Links

Forum

 
Antwort
Themen-Optionen Ansicht
Ungelesen 26.12.16, 03:36   #1 (permalink)
Moderator
 
Benutzerbild von TinyTimm
 
Registriert seit: Aug 2011
Ort: in der Wildnis
Beiträge: 5.583
Bedankt: 11.238
TinyTimm leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 21046 Respekt PunkteTinyTimm leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 21046 Respekt PunkteTinyTimm leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 21046 Respekt PunkteTinyTimm leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 21046 Respekt PunkteTinyTimm leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 21046 Respekt PunkteTinyTimm leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 21046 Respekt PunkteTinyTimm leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 21046 Respekt PunkteTinyTimm leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 21046 Respekt PunkteTinyTimm leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 21046 Respekt PunkteTinyTimm leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 21046 Respekt PunkteTinyTimm leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 21046 Respekt Punkte
Standard Astronomie-Krimi: Was Kirchen in ihren Lichtcodes verstecken

Zitat:
Wenn die Sonne Geheimnisse ausplaudert

Sonnenstrahlen, die über Wände kriechen und dabei zu einem bestimmten Zeitpunkt eine geheime Botschaft offenbaren: Das klingt nach „Indiana Jones“ oder einem Dan-Brown-Thriller. Oder einfach nach einem Besuch in einer Kirche - vorausgesetzt man weiß, wann. Auch viele österreichische Kirchen sind auf diese Art mit Lichtcodes versehen. Sie machen aus den Gotteshäusern astronomische Uhren von unglaublicher Perfektion, erzählen vom Ringen zwischen Glauben und Wissenschaft und oft jahrhundertelang gehütete Geheimnisse noch dazu.

Geweihte Computer

Wenn in der Früh Sonnenstrahlen ein Kirchenschiff durchfluten, dann ist das für viele ein sehr schöner Anblick - und für manche noch ein bisschen mehr, nämlich ein Spiel mit Astronomie, Symbolen und versteckten Botschaften. So gibt es etwa nur einen einzigen Tag im Jahr, an dem der Wiener Stephansdom über die ganze Länge vom Licht der aufgehenden Sonne durchflutet ist: den Stephanitag.

Diese „Ostung“, also die exakte Ausrichtung der Kirche auf den Sonnenaufgang am Namenstag des Kirchenpatrons, war für die meisten Baumeister des Mittelalters und der frühen Neuzeit allerdings ein Klacks. Gerade das Beispiel Stephansdom zeigt, dass der Grundriss oft noch viel mehr Symbolik enthält. Wer genau hinsieht, entdeckt dort und in anderen mittelalterlichen Kirchen zum Beispiel einen Knick im Grundriss. Der ist Absicht.

Ein Sonnenstrahl mit Botschaft

Der österreichische Bauexperte Erwin Reidinger hat sich den Knick in vielen heimischen Kirchen genauer angesehen. Immer liegt er zwischen Langhaus und Chor, also dem irdischen und dem „himmlischen“ Teil der Kirche. Nicht zufällig liegt etwa bei den Kirchen von Klein-Mariazell, Heiligenkreuz, Linz (Stadtpfarrkirche), Laa/Thaya und Marchegg das Langhaus so, dass es an einem der „irdischen“ Osterfeiertage (Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag) erleuchtet ist - und der Chor am Ostersonntag.


Alles andere als Schlamperei: Die Mittelachse des Langhauses (rote Linie) und die des Chors (gelbe Linie) sind auch in der Pfarrkirche Langenlois verschoben

Beim Stephansdom und anderen ist der Knick so angelegt, dass die Sonne zuerst das Langhaus und genau acht Tage später den Chor durchstrahlt. Die Zahl Acht ist ebenso wie die Sonne ein Symbol für Christus. Außerdem steht die Zahl Acht für die Auferstehung. Der Lauf der Sonne im Stephansdom zwischen 26. Dezember und 2. Jänner sagt Gläubigen also ganz konkret: Christus wird dich nach dem Tod von der Erde in den Himmel bringen.

„Frevlerische“ Signale auf Kirchenböden


Die Genauigkeit, mit der Kirchen als astronomische Kalender funktionieren, erstaunt bis heute. Nicht umsonst lebt das lateinische Wort für Kalenderberechnung - „Computus“ - heute im Computer weiter. Das Wissen um das korrekte Datum war für Gläubige essenziell: Bevor Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 mit seinem gregorianischen Kalender ein Machtwort sprach, konnte man sich nur auf sich selbst verlassen, um etwa Ostern nicht in der falschen Woche zu feiern und damit eine schwere Sünde zu begehen.

Die Methoden der kirchlichen Astronomen verfeinerten sich über die Jahrhunderte zusehends: Vor allem in italienischen Renaissancekirchen finden sich am Boden eingelegte Meridiane, die an jedem Tag die exakte Bestimmung von Datum und Uhrzeit erlauben. Und genau die zunehmende Genauigkeit wurde für die Kirche zum Problem: Auf den Böden der eigenen Gotteshäuser ließ sich damit am Lauf des Sonnenlichts schon ablesen, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist.

Zerstörtes Wissen wird rekonstruiert


Das Zeitalter, in dem Kirche und Wissenschaft Feinde wurden, hatte begonnen. Viele astronomische Kalender wurden durch Umbauten - auch bewusst - zerstört. Es ist etwa anzunehmen, dass der ursprüngliche Salzburger Dom des Jahres 774 als astronomischer Kalender „alle Stückeln spielen“ konnte - war doch dessen Abtbischof Virgil einer der führenden Vertreter des „Computus“ zu seiner Zeit und auch als einer der ersten hochrangigen Kirchenmänner davon überzeugt, dass die Erde eine Kugel ist.


Giovanni Domenico Cassinis Plan für den Meridian in der Kirche San Petronio in Bologna

Jahrhunderte später hat die Kirche eingesehen, dass auch auf einer rotierenden Erde, Evolution inklusive, an Gott geglaubt werden kann, und kein ernstzunehmender Vertreter von Religion oder Wissenschaft sieht im jeweiligen Gegenüber heute eine Bedrohung. Beste Voraussetzungen also, damit beide Welten gemeinsam das verlorene Wissen rekonstruieren können. Gerade in Österreich wurden dabei faszinierende Rätsel gelöst.

Astronomisches Detektivduo

Vor allem die heimische Astronomie-Doyenne Maria Firneis und der Geochemieprofessor Christian Köberl haben sich hierzulande als astronomisches Detektivduo hervorgetan. Nur aus Ruinenteilen und Wissen um Astronomie und die Feinheiten des „Computus“ konnten sie etwa die gesamte Geschichte der Kirche im burgenländischen Unterfrauenhaid rekonstruieren und die scheinbar „verbaute“ Kirche in Pilgersdorf (ebenfalls Burgenland) als astronomisches Glanzstück rehabilitieren.

Außerdem haben Firneis und Köberl mit den Mitteln der Astronomie bewiesen, dass die Virgilkapelle unter dem Wiener Stephansplatz nichts mit Virgil, dafür aber umso mehr mit einem handfesten Machtkampf zwischen dem Babenberger Friedrich II. und der Kirche zu tun hatte. Die heute von der U-Bahn-Station umbaute Kapelle war das Kernstück von Friedrichs „Masterplan“, um Österreich schon im Mittelalter zum Königreich und zur Großmacht aufzubauen, wie Firneis und Köberl nachweisen konnten.

Noch viel zu entdecken

Inzwischen hat die Kirche nicht einmal mehr ein Problem damit, zuzugeben, dass ihr vieles in den eigenen Kirchen ein Rätsel ist und wohl auch nichts mit dem Christentum zu tun hat. Gegenüber ORF.at verweist etwa Harald Gnilsen, Baudirektor der Erzdiözese Wien, auf Hinweise, dass in den Kirchen auch Elemente des jüdischen Mystizismus und konkret der Kabbala verbaut wurden. Die Zahl Acht - siehe St. Stephan - steht in der Kabbala für „Erneuerung“.


„Facta Copia Coeli“, also etwa „Fakten über die Kräfte des Himmels“, nannte Cassini selbst seine Abhandlung über die Astronomie in Kirchen im Jahr 1655

Die Erde „eiert“ wie ihre Religionen

Dass Astronomie und Religion schon lange vor dem Christentum zueinanderfanden, ist offensichtlich und wird auch von Gnilsen bekräftigt. Er findet etwa den Einfluss der Präzession auf Religionen „faszinierend“. Präzession bedeutet, dass die Polarachse der Erde „eiert“ und in einem Zyklus von 25.700 Jahren auf diese Art die zwölf Tierkreiszeichen durchwandert, die dann zu Frühlingsbeginn jeweils die zentrale Position am Firmament einnehmen.

Vor 4.000 Jahren war das Zeitalter des Stiers, was zu den Nachweisen für religiösen Stierkult passt. Es wandelte sich vor 2.000 Jahren zum Zeitalter des Widders, was wiederum in altgriechischen Kulten ebenso wie im Judentum seine Entsprechung findet. Mit dem Beginn des Christentums fällt wiederum das Zeitalter des Fisches zusammen, das schließlich in rund 200 Jahren in das Zeitalter des Wassermanns übergehen wird.

Das Licht ist für alle da

Rätsel gibt es jedenfalls noch genug zu lösen - für jeden. Erst seit 2002 weiß man etwa, dass das Licht in der Kirche am Hafnerberg zwischen Wintersonnenwende und Christtag auf den Erzengel Michael als Verteidiger Gottes, dann auf Altar und Tabernakel und schließlich zum „Auge Gottes“ wandert - all das minutengenau zum jeweiligen Teil der Messliturgie passend, zwischen 9.00 Uhr und 10.15 Uhr. Entdeckt hat das kein Wissenschaftler, sondern ein aufmerksamer Lehrer, der in der Kirche Orgel spielt.
Quelle: [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
Meridiane in Kirchen (englisch): [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
__________________
[ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
Ich bin nicht rechts und ich bin nicht links. Ich denke selber.
TinyTimm ist offline   Mit Zitat antworten
Die folgenden 2 Mitglieder haben sich bei TinyTimm bedankt:
Galaktika55 (21.02.17), osmanli_ibo (16.01.17)
Antwort

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Du kannst keine neue Themen eröffnen
Du kannst keine Antworten verfassen
Du kannst keine Anhänge posten
Du kannst nicht deine Beiträge editieren

BB-Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.
Trackbacks are Aus
Pingbacks are Aus
Refbacks are Aus




Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 18:22 Uhr.


Sitemap

().