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BLACKY74 15.10.20 20:37

Kontrollen bei Amazon: Der Vorgesetzte sieht alles
 
Zitat:


Dokumente, die dem NDR vorliegen, belegen erstmalig: Amazon kontrolliert permanent die Leistung der Arbeiter. Genutzt wird dafür eine Software des Warenwirtschaftssystems.


Von Sebastian Friedrich und Johannes Jolmes, NDR


Amazon ist einer der großen Corona-Gewinner. Die Umsätze steigen rasant und auch die Aktie befindet sich auf einem Rekordniveau: Seit Mitte März hat sich ihr Wert fast verdoppelt. Weniger rosig ist die Situation für viele Beschäftigte: NDR-Recherchen zeigen, dass sie engmaschig überwacht werden, damit die Produktivität steigt.

Als Greenpeace zu Umweltproblemen bei Amazon recherchierte, stieß die Organisation auf diese Form der Überwachung und machte die Dokumente dem NDR zugänglich. Sie belegen erstmalig: Amazon kontrolliert permanent die Leistung der Arbeiter.

Kontrolldaten in Echtzeit


Und so funktioniert das Programm zur Leistungskontrolle: Der Amazon-Mitarbeiter scannt jedes Teil, das er einlagert, heraussucht oder in ein Paket packt. Dieser Scan-Vorgang wird sekundengenau aufgezeichnet und einem Vorarbeiter angezeigt. So kann er jeden Arbeitsschritt der Beschäftigten überwachen und sehen, ob ein bestimmter Arbeiter auch genügend Pakete packt, um die durchschnittliche Rate zu erfüllen. Er sieht auf seinem Display auch, wenn jemand mal für wenige Minuten nicht arbeitet. Geht es insgesamt nicht schnell genug, greift der Vorarbeiter ein.

Das bestätigt ein Vorarbeiter, der in einem der Amazon-Versandlager in Deutschland arbeitet und sich gegenüber dem ARD-Politikmagazin Panorama anonym äußert: "Dann gucke ich vor Ort, was das Problem ist. Unterhält sich der Mitarbeiter vielleicht zu lange, ist er nicht am Platz, zu oft auf der Toilette?" Auf Anfrage erklärte Amazon, das System helfe "Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beim Anlernen neuer Prozesse" und gebe bei Bedarf "Hilfestellungen".

Ob diese engmaschige, lückenlose Überwachung rechtlich einwandfrei ist, ist aber umstritten. In Niedersachsen läuft deswegen ein Kontrollverfahren der Datenschutzbehörde. Amazon schreibt auf Nachfrage: "Nach unserer Einschätzung sind diese Systeme im Einklang mit den Verordnungen und Gesetzen in Deutschland und in der EU." Man nutze das Programm als "Warenwirtschaftssystem, mit dem wir die Abläufe für Kundenbestellungen in unserem Netzwerk planen."

Rate steigt kontinuierlich

Auf dieser Grundlage werden die Arbeiter offenbar verglichen. Obwohl es offiziell keine Akkordarbeit gibt, entsteht so de facto ein starker Druck, so viele Pakete wie möglich zu bearbeiten. Denn: Wer am wenigsten leistet, muss um die Verlängerung des häufig befristeten Vertrags fürchten.

Am Ende entscheide auch die durch die Software gemessene Schnelligkeit, wer beschäftigt wird oder nicht, so der Vorarbeiter. Die Schnellen bleiben, die eher Langsamen müssen gehen. Die Folge: eine kontinuierlich steigende Durchschnittsrate, an der sich die Beschäftigten zu orientieren haben. Wer heute noch schnell genug ist, um weiter beschäftigt zu werden, kann schon morgen zu langsam sein - und damit vor dem Aus stehen.

Das Ergebnis, so der Vorarbeiter, führt zu den so genannten "Release Days" - übersetzt etwa "Tage der Freisetzung". An diesen Tagen wird den Mitarbeitern mitgeteilt, ob ihr befristeter Vertrag ausläuft oder verlängert wird. Der Vorarbeiter berichtet: "Man hat die Unterlagen vor sich, die Security steht bereit, falls es Probleme gibt. Denn wenn mehrere Leute gleichzeitig gehen mit schlechter Laune, kann es natürlich auch mal zu verbalen Auseinandersetzungen oder auch zu Handgreiflichkeiten kommen."

Ehemalige Beschäftigte bestätigt Überwachung


Fatma Körugallari arbeitete fast zwei Jahre im großen Amazon-Versandlager im niedersächsischen Winsen (Luhe), wurde sogar in den Betriebsrat gewählt. Der Druck war immer zu spüren, erinnert sich die 60-Jährige. Wenn die Rate mal fiel, sei sie sofort ermahnt worden. "Ich wurde dann zum Beispiel gefragt, wo ich um eine bestimmte Uhrzeit war", sagt sie.

Kurz nach Weihnachten 2018 erfuhr sie dann, dass ihr nur wenige Tage später endender Vertrag nicht verlängert wird. Zum plötzlichen Abschied habe es lediglich ein kühles Dankeschön und eine Tafel Schokolade gegeben. Amazon möchte diesen Fall nicht kommentieren.

Arbeitssoziologe: Fluktuation und Kontrolle Teil des Amazon-Modells


Für Peter Birke von der Universität Göttingen sind die ständige Überprüfung der Arbeiter und befristete Verträge Teil des Beschäftigungsmodells bei Amazon. "Solange die Leute noch befristet sind, ist die Sanktionsmöglichkeit des Betriebs groß, weil die Beschäftigten ohne Angabe von Gründen nicht weiter angestellt werden müssen", so der Arbeitssoziologe.
Zitat:

Über dieses Thema berichtet Panorama am 15. Oktober 2020 um 21:45 Uhr.

Quelle:[Link nur für registrierte und freigeschaltete Mitglieder sichtbar. Jetzt registrieren...]

wes666 15.10.20 23:16

und nun ? das is bei uns auf der Arbeit auch so .. (industrie..)

karfingo 16.10.20 02:27

Zitat:

Zitat von wes666 (Beitrag 38780038)
und nun ? das is bei uns auf der Arbeit auch so .. (industrie..)

Jetzt stimmt es mal: früher war's besser in der Industrie.
In 40 Jahren, gleiche Firma, hatten wir keine solche Vorgehensweisen.
Jetze bün icke Rentna.

Klopperhorst 16.10.20 09:16

Logische Entwicklung unter der Prämisse alles "Just in Time" liefern zu müssen, da der Kunde nicht bereit ist länger als 2 Tage auf seine Ware zu warten.

gerhardal 16.10.20 11:03

Ist auch ein Grund weswegen ich versuche, möglichst wenig bei Amazon zu kaufen....

Erst mal gefällt mir es nicht, wie Amazon mit den Leuten umgeht, des weiteren gefällt mir die Marktmacht nicht.

Wenn ich was bestelle, schau ich bei Idealo oder sonst wo nach, bei Amazon habe ich dieses Jahr noch gar nichts gekauft....

Caplan 16.10.20 11:07

Das ist nicht ganz richtig.
Frueher gabe es auch Vorarbeiter , die mit Stoppuhren durch die Produktionshallen gingen , die Zeit zu nehmen, die wer fuer was in der Taetigkeit brauchte.
Und nach Spiessmanier, wurden auch sorgfaeltig Toilettengaenge und sonstiges vermerkt.
Meisterbuden wurden in eine Art Vogelkaefig erhoeht in die Raeume gehaengt , so denn moeglich und das nicht der schoenen Aussicht wegen.

Selbst ein GLS oder sonst was fuer ein Fahrer , darf sich der Beliebtheit des GPS trackers erfreuen. Faehrt die Kutsche nicht, wird das sofort gesehen und angerufen, warum er steht. Das muss so sein , zu geistige Erbauung..:rolleyes:

Der Druck an Arbeitsplaetzen kann vielfaeltig sein. Genauso vielfaeltig wie auch manch Arbeitseinstellung..

karfingo 16.10.20 17:04

Zitat:

Zitat von gerhardal (Beitrag 38784069)
Ist auch ein Grund weswegen ich versuche, möglichst wenig bei Amazon zu kaufen....

Seit 22 Jahren kaufe ich nix mehr im Versandhandel; seit meine Ex weg ist!

Kirkwscks4eva 16.10.20 19:02

Ist bei Packern für Waren für die Lebensmittelmärkte nicht anders. Dort geht es auch um Zeit und es wird streng kontrolliert.

karfingo 17.10.20 03:41

Lebensmittel benötige ich natürlich!

HansGuarde 17.10.20 09:13

Den Verbraucher juckt in der Regel solche Nachrichten eh nicht, hauptsache ist doch, dass man seinen aus Fernost importierten Schrott möglichst schnell und billig bekommt.

Ich schaue ja auch häufiger auf MyDealz nach günstigen Angeboten, kaufe aber nur noch Dinge, die ich in dem Moment auch für mich als tatsächlich sinnvolle Ausgabe bewerte und wenn möglich bei dem Händler vor Ort, auch wenn ich dort oftmals mehrere Euro mehr bezahlen muss.

Bei Amazon hingegen vermeide ich es nicht nur auf Grund der Arbeitsbedingungen (die in anderen Unternehmen nicht unbedingt viel besser sind, aber Amazon fällt als Negativbeispiel häufig auf - was auch in vielen Bewertungen auf kununu entsprechend wiedergespiegelt), sondern auch wegen der Marktdominanz weitestgehend einzukaufen.

Hamburger_SV 17.10.20 17:02

Ist wie [Link nur für registrierte und freigeschaltete Mitglieder sichtbar. Jetzt registrieren...] angedeutet hat im Einzeihandel nicht anders - wer keine Waren / Dienstleistungen kaufen möchte, die so zustande kommen, wird wohl nackt & ohne Essen/Trinken überleben müssen ;)
Hab von 14 bis 17 im Edeka gejobbt, da hatten wir für jeden Container/Palette ne vorgegebene Zeit, via Funk wird Start und Ende durchgegeben. Zeiten wurden regelm. in Besprechungen mit allen Kollegen der Schicht besprochen und Druck gemacht ("Verbesserungspotenziale aufgezeigt"). Wenn man an der Kasse eingesetzt war, ging das dann vollautomatisch (durchschn. Artikel pro Minute wurden erfasst & Zeit in der 2. und 3. Kasse offen war). Das ist besonders bitter, wenn Omi 10 Minuten brauch...
Bei Edeka wird sich das nat. stark unterscheiden, werden ja weitgehend von untersch. Händlern betrieben

Dann umgezogen wegen Studiums und in nem Aldi nebenbei gearbeitet. Insgesamt entspannter, deutlich besser bezahlt. Aber auch da schaut man nat. sehr genau hin, "darf" gerne ne viertel Stunde vorher kommen (einklocken trotzdem erst zur Schicht), ...


Amazon fällt häufig auf, weil sie im Onlinehandel deutlicher Marktführer sind, unfassbare Misstände (framing bedauerliche Einzelfälle) findet man doch in jedem großen Betrieb...

BLACKY74 18.10.20 00:14

Zitat:

Amazon: Der Vorgesetzte sieht alles

15.10.2020 ∙ Panorama ∙ Das Erste

Dokumente, die dem NDR vorliegen, belegen erstmalig: Amazon kontrolliert permanent die Leistung der Arbeiter. Genutzt wird dafür eine Software des Warenwirtschaftssystems.

>Video im [Link nur für registrierte und freigeschaltete Mitglieder sichtbar. Jetzt registrieren...]:
Quelle:[Link nur für registrierte und freigeschaltete Mitglieder sichtbar. Jetzt registrieren...]

bigobelix 18.10.20 05:32

Ich verstehe das Problem nicht. Oder gehts darum, weil Amazon natürlich böse ist, wenn es Leistung von seinen Mitarbeitern fordert, die es genau dafür bezahlt und das ständig prüft?

Ich muss auch täglich Tickets für 7h bringen. Würde ich die Leistung nicht bringen, würde garantiert mein Chef auf der Matte stehen. Ich kenne dabei die Admin Seite der eingesetzten Software nicht. Aber ich bin mir sicher, dass bei ihm auch ein Hinweis erscheint, wenn man nicht seine Leistung bringen würde. Mein Vorteil ist Gleitzeit, weil ich auch viel früh und abends arbeite.

Vor sehr langer Zeit saß auch einer tatsächlich mit Stoppuhr bei mir. Er durfte aber nicht kommen, wenn Hochdruck war. Den braucht heute keiner mehr. Beliebt waren sie auch keinesfalls.

nolte 18.10.20 11:34

Amazon macht das nicht weil Amazon böse ist. Amazon macht das weil auch Amazon der Kapitalverwertungslogik unterliegt. Das Ziel der Auslese sind olympiareife Mannschaften. Fragt sich nur wie lange die das durchhalten, bzw. sich gefallen lassen. Selbst wenn, steht genug 'Ersatz' vor der Tür.


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