Video Jakob Kurzinhalt Die schöne Brooke Shields und ihr attraktiver Gefährte Christopher Atkins werden als Kinder durch den Untergang ihres Schiffes auf eine einsame Tropeninsel verschlagen. Mit ihnen hat auch Leo McKern überlebt, ein erfahrener, alter Seemann. Er lehrt sie, sich ihrer neuen Situation anzupassen und nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben. Nach seinem Tod wachsen die beiden heran und entdecken ihre Zuneigung zueinander. Im Verlauf der Jahre wird aus dieser Zuneigung eine wunderbare, unschuldige Liebe. So leben sie in ungestörtem Glück bis sie entdecken, daß auch ihr Paradies Fehler hat. Die paradiesische Geschichte geht weiter. Verpassen Sie nicht die Fortsetzung des Welterfolges.
VideoMarkt Um 1900 rettet der alte Koch Paddy Button den achtjährigen Richard und seine gleichaltrige Cousine Emmeline während eines Schiffsbrandes. Sie stranden auf einer einsamen Südseeinsel. Als Paddy ums Leben kommt, sind die Kinder auf sich gestellt. Nach Jahren entdecken sie ihre Gefühle für einander, den ersten Kuss, die Erotik und den Sex. Der zarten Liebe entspringt ein Sohn. Seinetwegen verlassen sie das Paradies. Er soll in der Zivilisation groß werden. Auf dem Meer treibend, werden sie vom Vater Emmelines gerettet.
Regie: Jonathan Demme Darsteller: Oprah Winfrey, Danny Glover, Thandie Newton, Kimberly Elise, Beah Richards, Lisa Gay Hamilton, Albert Hall, Irma P. Hall, Carol Jean Lewis Erscheinungsjahr: USA 1998 Genres: Drama, Fantasy Sprache: Englisch / Deutsch Videoinfo:
Es ist eine ungeheure und ungeheuerliche Geschichte, die Toni Morrison aus der Zeit der Sklaverei erzählt. Sethe war Sklavin auf der Plantage „Sweet Home", bis ihr mit ihren Kindern die Flucht gelang. Am Fluß, der den Sklavenstaat von der Freiheit trennt, bringt sie mit Hilfe einer weißen Herumtreiberin ihre Tochter zur Welt, die sie Denver nennt. Nun lebt sie in Freiheit und bescheidenem Glück mit ihren Kindern. Aber dann kommt ihr altböser Feind, der Schullehrer mit seinem bewaffneten Mob, und Sethe muß etwas Furchtbares tun, um sich und den Kindern den Weg zurück in die Sklaverei zu ersparen.
Jahre sind vergangen. Sethe lebt allein mit Denver, die beiden Jungen hielten es in dem Haus, das von allen anderen gemieden wird und in dem ein Geist spukt, nicht mehr aus. Eines Tages kommt Paul D., auch einer, der Sweet Home überlebt hat. Er findet Arbeit, und es scheint, als könnten die drei eine Familie werden. Eine Familie, die sich bald um ein Mädchen erweitert, das nicht richtig sprechen kann, unkontrollierte Bewegungen vollführt und nicht weiß, wo es herkommt und wer es ist. Nur einen Namen kann sie für sich nennen: „Menschenkind".
Paul D. ist ein wenig skeptisch. Er, der doch am Anfang den Fluch von Sethes Haus hat nehmen können, argwöhnt, daß sie etwas Böses verkörpert. Er verliert seine Ruhe, und schließlich verführt sie ihn in einer Nacht und wird schwanger. Ein Freund erzählt ihm kurz darauf die wahre Geschichte von Sethe: Als sie damals von den weißen Männern gejagt wurde, hat sie sich in eine Scheune eingeschlossen, bereit, ihre Kinder eher zu töten als sie dem Herrn von Sweet Home zu überlassen. Das jüngste Kind starb, die andern überlebten. Seitdem wollte niemand mehr etwas mit der Kindsmörderin zu tun haben, und auch Paul D. kommt damit nicht zurecht.
Nachdem er sie verlassen hat, erkennt Sethe in „Menschenkind" ihre Tochter, die aus dem Reich der Toten zu ihr zurückgekehrt ist. Sie verliert ihre Stellung; bald verfällt das Haus, während „Menschenkind", deren Bauch sichtbar wächst, immer tyrannischer wird. Nach ihrer anfänglichen Freude über die wiedergewonnene Tochter wird Sethe unter deren aggressiven Schüben immer apathischer. Denver muß ihre Angst überwinden und das Haus verlassen, um Nahrung zu beschaffen. Sie erhält Unterstützung und schließlich auch eine Stellung in der Stadt. Die Frauen versammeln sich, um gegen das Böse im Haus ihre Gesänge anzustimmen. Gleich darauf verschwindet „Menschenkind"; Denver beginnt den langen schweren Weg in die Selbstbestimmung, Paul D. kehrt zu Sethe zurück, um sie zu trösten.
Dieser Stoff ist, vielleicht gerade weil er so wuchtig und visuell angelegt ist, beileibe nicht einfach zu verfilmen. Es geht ja zugleich um ein Kapitel aus der Befreiung von der Sklaverei, um die Emanzipationsgeschichte eines jungen schwarzen Mädchens, eine traumatische Familiengeschichte und nicht zuletzt um eine Geistergeschichte. Für alle diese Geschichten hat das Hollywood-Kino seine Erzählformen gefunden, die allerdings untereinander nicht unbedingt kompatibel sind. So ist der Realismus, mit dem die ökonomische, kulturelle und sexuelle Ausbeutung der Afroamerikaner beschrieben wird, in gewisser Weise bedroht von den fantastischen Geschehnissen. Und daß „Befreiung" kein linearer historischer Prozeß ist, sondern eine Situation der Verletzungen und ihrer Wiederkehr bedeutet, ist mit den Mitteln der Literatur so genau wiederzugeben, wie es das Kino vor eine Reihe formaler Probleme stellt. Wie gelingt es, Eindeutigkeit zu vermeiden und die Subjektivität des Empfindens zu produzieren?
Demme behilft sich zunächst, indem er die Chronologie des Geschehens aufbricht. Die wirklichen Geschehnisse werden erst langsam kenntlich, eher durch Indizien und kürzere flashes zurück als durch epische Rückblenden. Auch wenn Sethe die Geschichte von Denvers
Geburt erzählt - die längste Rückblende- ändert der Film seine Einstellungen: die Grenzen zwischen der Wirklichkeit, der Erinnerung und dem Traum sind aufgelöst. Befreiung: das heißt vor allem mit den seelischen Deformationen fertigzuwerden, die man erlitt, und mehr noch, seine Wahrnehmungsfähigkeit (zum Beispiel für die Liebe) wiederzugewinnen. Und es heißt, einen Prozeß in Gang zu setzen, der kein erlösendes Ende kennt: die Befreiung für Sethe etwa schließt die Erfahrung der Zerstörung und Selbstzerstörung mit ein.
Demme hat seinem Film nicht nur dramaturgisch eine eigene Struktur gegeben, die sich von der Vorlage respektvoll entfernt. Es ist, als würden sich auch die Bilder des Films mit den verschiedenen Stadien von Traum, Erinnerung und Befreiung öffnen. Im ersten Teil sind wir, wie die Protagonisten (vor allem Denver), an das Haus in der Bluestone Road gebannt. Nur die Erinnerung verläßt diesen Ort, an dem die Arbeiter tagein, tagaus vorbeiziehen, ohne mit den Bewohnern in Kontakt zu treten. Am Ende ist Denver in die Stadt gegangen, und wir sehen das Haus durch ihre Augen von außen, wie etwas Vergangenes. Auch das Gefängnis der Wahrnehmung ist verschwunden.
Dem Film stehen für seine vernetzte Dramaturgie des Wechsels zwischen subjektivem und objektivem Empfinden bemerkenswerte Schauspieler zur Verfügung. Die als TV-Moderatorin berühmte Oprah Winfrey ist sehr genau in der Rolle der Sethe, eine Frau, die sich selbst behaupten will, und die doch von den Gespenstern der Vergangenheit gepeinigt wird, die junge Kimberly Elise als Denver verfügt über großen Nuancenreichtum, Trotz, Sehnsucht, Angst und Mut: Von allen Figuren muß sie die größten Widersprüche der Gefühle durchleben. Und Danny Glover sieht sowieso aus, als wäre die Rolle des Paul D. extra für ihn geschrieben. Die größte darstellerische Herausforderung hat aber Thandie Newton in der Rolle von „Menschenkind" zu bewältigen. Sie macht das mit größtmöglicher Empathie und schauspielerischer Selbstentäußerung. Genau hier aber beginnt das Problem.
Toni Morrison läßt „Beloved", wie die Figur im Original heißt, gleichsam in den Lücken der Beschreibungen, in den blinden Stellen der Erinnerung erstehen, sie ist aus den Träumen verschiedener Menschen zusammengesetzt und verschwindet auch immer wieder in einem Text, der selbst in den Träumen zu forschen scheint. „Menschenkind" ist die Bruchstelle zwischen den Welten, die Gestalt gewordene Sehnsucht und Anklage. So etwas aber kann man nicht spielen. Thandie Newton bleibt nichts anderes übrig, als ihre Figur zwischen „Behinderung" und „Unwirklichkeit" changieren zu lassen, sie mit möglichst vielen Tempo- und Stimmungswechseln bis zum Schluß in Bewegung zu halten.
Demme hat uns auf das Auftreten des Phantastischen geschickt vorbereitet, als er Paul D. ins Haus von Sethe treten und bemerken läßt, daß es einen Geist beherbergt. Nicht böse, sagt Sethe, nur traurig. Er schiebt diesen Geist fast buchstäblich aus dem Haus, als er es zu toll treibt. Und dann kommt „Menschenkind" in das Leben der gerade sich bildenden kleinen Gemeinschaft und muß die Illusion zerstören, man könne ein Heim gegen die Erinnerung errichten. Die Grenzen zwischen der Geschichte und dem Privatleben sind nicht zu schließen, und so ist es auch folgerichtig, daß Demme sich weder für das Epos noch für das Kammerspiel entscheidet, sondern für etwas drittes. Eine Ästhetik des Eindringens und Ausschließens, der Gefangenschaft und Befreiung. Eine Geschichtslektion, einerseits, und andererseits ein Film, der die Seelen-Ikonographie von DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER in ganz anderem Zusammenhang fortsetzt. Und radikal ist der Film auch insofern, als er keinen „guten" Weißen, keinen Mythos der Versöhnung anbietet. Die Befreiung hat erst begonnen, und die Vergangenheit ist nie vorbei.
Regie: Sofia Coppola Darsteller: James Woods, Kathleen Turner, Kirsten Dunst Erscheinungsjahr: USA 1999 Genres: Drama Sprache: Englisch / Deutsch
Videoinfo:
Spoiler:
es gibt 2 versionen 1x DVD9 (original dvd) incl. making of etc... oder 1 x xvid (film incl. deutsch / englisch ac3 tonspur) ca. 1400mb
Filminfo:
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Eine seltsame Stimmung muss das Leben der Familien in den amerikanischen Vorstädten der 70er Jahre geprägt haben -- eine Stimmung zwischen Aufbruch und Abschottung, zwischen konservativem Beharren und zaghaftem Freiheitsdrang, wie sie Ang Lee in Der Eissturm heraufbeschworen hat. Diesem düsteren Wintermärchen hat nun Sofia Coppola mit The Virgin Suicides ein nicht minder düsteres Sommerstück zur Seite gestellt. Herrschte bei Ang Lee eine eisige Kälte, die die Familien erstarren und zerbrechen ließ, bestimmt hier eine ebenso unnatürliche und gefährliche Wärme das familiäre Klima.
Mr. und Mrs. Lisbon (James Woods und Kathleen Turner) lieben ihre fünf Töchter, doch sie können nicht mit den Sehnsüchten und Regungen der pubertierenden Mädchen umgehen. In ihrem Wunsch, die fünf zu beschützen, erdrücken die beiden sie. Als die Jüngste versucht, sich umzubringen, soll sich alles ändern. Nur ist die neue Freiheit, die Mr. und Mrs. Lisbon ihren Töchtern schenken, keine, und so gelingt der zweite Selbstmordversuch. Von diesem Moment an kann alles nur noch schlimmer werden.
The Virgin Suicides, Sofia Coppolas Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jeffrey Eugenides, ist die Geschichte eines dunklen Mysteriums, erzählt wird sie von einem der vielen Jungen, die damals, in den 70ern, in die Lisbon-Mädchen verliebt waren. Noch mehr als 20 Jahre später kann er nicht verstehen, warum die fünf sich umgebracht haben. Der Film liefert dann zwar über seine Bilder und seinen Blickwinkel auf die Lisbons einige Ansätze für Erklärungen, aber auch sie können letztlich kein Licht in das schreckliche Dunkel dieser Familie bringen. Sofia Coppola ist auch gar nicht darauf aus, das Rätsel zu lösen. Ihr geht es um Stimmungen, um die Extreme zwischen denen Teenager hin und her schwanken. So lösen sich unbändige Lebensfreude und verzweifelte Todessehnsucht ständig ab.
Der Film sammelt Impressionen aus dem Leben in der Vorstadt, die sich dann zu einem hypnotischen Stimmungsbild zusammenfügen. Zugleich lässt Sofia Coppola ihren Darstellern die Freiheit, sich mit ganz unterschiedlichen Mitteln -- so weit es geht -- in das Innenleben vorzutasten. So wird The Virgin Suicides auf Grund des sensiblen Spiels von Kirsten Dunst als feenhafte Lux und James Woods', der hier als innerlich schwacher Mathematiklehrer mit all seinen typischen Manierismen bricht, auch zu einem überragenden Schauspielerfilm.
Video Jakob Als Miguel Pinero 1972 wegen Diebstahls einsitzt macht er mit improvisierten Raps über das Straßenleben auf sich aufmerksam. Nach seiner Entlassung entsteht das Stück "Short Eyes" - Startschuss für eine erstaunliche Karriere, aber auch für seine Drogensucht, die ihn schließlich mittel- und obdachlos macht und seinen Tod im Jahr 1988 herbeiführt.
VideoMarkt Im Gefängnis schreibt der aus Puerto Rico stammende Miguel Piñero das Theaterstück "Short Eyes", das später auch verfilmt wird. Mit seinen bissigen Texten steigt Piñero als Autor und Spoken Word Performer zum Liebling der Kulturszene auf und lässt sich trotz lukrativer TV-Auftritte, etwa in der Kultserie "Miami Vice", nicht in seiner Konsequenz korrumpieren. Frauen wie Männer erliegen der erotischen Ausstrahlung des bisexuellen Künstlers, dessen exzessiver Drogen- und Alkoholkonsum ihn schließlich 1988 das Leben kostet.
TAZ Miguel Piñero ist ein kerniger Mann. Obwohl man ihn nur auf der Leinwand sieht, riecht man förmlich die Fahne und die Essensreste im Bart. Benjamin Bratt, dem man zuletzt in "Traffic" begegnete, spielt den Macho glaubhaft: Wie er sich in irgendwelchen Bruchbuden New Yorks einen Schuss nach dem anderen setzt und sich hin und wieder von seinen Groupies einen blasen lässt. Das war also ein Wilder, der Miguel Piñero, denkt man leicht gelangweilt. Und gerade will man es sich gemütlich machen mit diesem vergammelten Rollenklischee, da passieren verwirrende Dinge. Miguel Piñero verliebt sich in einen Mann, wird von ihm verraten und verkauft und läuft deshalb Amok. Sein Chauvinismus zerbröselt zu Unsicherheit und Angst. Als er schließlich erfährt, wie krank er ist - Miguel Piñero starb 1988, mit 42 Jahren, an Leberzirrhose -, kommt es zu einer Konfrontation mit einer Dragqueen, bei der er vollends die Fassung verliert. Diese Dragqueen will fast gar nichts von ihm, nur das Skript zu ihrer Show soll er schreiben. Doch allein ihre physische Präsenz scheint auszureichen, auch noch die letzten Reste seines zerknitterten Selbsts in Frage zu stellen - bis er halb im Spaß auf sie losgeht und ihr androht, ihr die Leber, die er dringend braucht, herauszuschneiden. Miguel Piñero, einer der ersten puerto-ricanischen Schriftsteller in Amerika, die berühmt wurden, spielte widersprüchliche Rollen - das bestätigen seine Stücke und seine Gedichte, und das fängt auch Leon Ichasos Biopic "Piñero" ein. Er mimte den Brutalen und den Verletzlichen, bot dem weißen Nordamerika Paroli und war gleichzeitig fasziniert von der Figur der lustvollen Unterwerfung. Geboren 1946 in Puerto Rico, emigrierte Piñero früh mit seinen Eltern nach New York und wuchs in den Straßen der Lower East Side auf. In einigen Rückblenden reißt der Film an, wie er zum Anführer einer der gefürchtetsten Gangs heranwuchs, wie er mit 13 zum ersten Mal wegen Diebstahls saß. Die Filmhandlung setzt ein, als Piñero 24 ist und im berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis Sing Sing zu schreiben beginnt. In Sing Sing arbeitet Miguel Piñero an seinem Stück "Short Eyes", das später am Broadway Furore machen wird. 1974 - auch das zeigt der Film - gründet er mit Miguel Algarin das "Nuyorican Cafe", das noch heute als die wichtigste der über neunzig New Yorker Bühnen gilt, auf denen Spoken Word Poetry, so genannte Poetry Slams, stattfinden. Seine Performances machten ihn zu einem Pionier der Nuyorican Literature (Nuyorican ist eine Kontamination von New York und Puerto Rican). Seinen emigrierten Landsleuten gilt er noch heute als Ikone. Piñero entwickelte eine Ästhetik der Straße aus der Sicht des Outlaws und bisexuellen Abenteurers, des Junkies, Dealers und Diebs. Er zelebrierte seinen Drogenkonsum, kultivierte seinen Zorn gegen das Establishment, den Rassismus und Kolonialismus Nordamerikas. Neben Vorläufern wie den Dadaisten oder den Beatniks haben seine Performances einer literarischen Bewegung den Weg geebnet, die die Sprechweisen von Rap geprägt und die Literatur ins Nachtleben geholt hat. Der Film verweist mit Nachdruck darauf, dass die Wiederentdeckung des gesprochenen Worts eine Leistung minoritärer Communities war. Die zielten auf gemeinschaftliche Sinnstiftung, wie sie sich beim Lesen eines Buchs nicht herstellt. Schon im Nuyorican Cafe galt, dass sich der Lesende einem intervenierenden Publikum stellen musste. Piñero und seinen Mitstreitern ging es um das, worum es der Slam Poetry noch heute geht: um Spontaneität und Plastizität, Alltag und Gegenwart und um das Material der Stimme, um Lautmalerei, Kakofonie, Reim und Wiederholung. Das sind die intensivsten Momente im Film: Wie Benjamin Bratt Piñero als großartigen Performer darstellt, wie er seine Zuschauer geradezu einlullt mit dem melodiösen Singsang seiner selten abbrechenden Rede. "NYC Blues; Big time time hard on on me blues; New York City hard sunday morning blues; Junkie waking up; bones ache trying to shake", liest er eines seiner schönsten Gedichte, und es wird fassbar: Piñero orientierte sich an den oralen Erzähltechniken der afroamerikanischen Literatur, er übernahm die Strukturen von Folk Tales und die Erzähltechnik der Griots, die Rhetorik des schwarzen Predigers, des Rhythmus von Gospel und Blues, von Dialekt und Slang. Die afroamerikanische Technik des Signifyings, dieser Mischung aus Kraftmeierei, spielerischem Umgang mit Text, Ironisierung von Machtstrukturen und der eigenen Person, bot Piñero einen Resonanzboden für die Ambivalenz, die ihn ausmachte. Nicht nur im Film, auch in seiner Literatur waren Miguel Piñeros Helden Prostituierte, Zuhälter, Kriminelle und immer wieder Homosexuelle, die in der gesamten nuyoricanischen Literatur auffallend oft auftauchen und immer ironisch und zärtlich zugleich beschrieben werden. "Short Eyes" zum Beispiel erzählt nicht nur die brutale Geschichte einer multikulturellen Gruppe Gefangener, die einen Mitgefangenen, den Vergewaltiger eines Kindes, hinrichten. Dieses Stück ist schillernd wie Piñero selbst, es berichtet auch von Cupcakes, einem hübschen puerto-ricanischen Jungen, der durch die Performanz von Machismo Autorität zu gewinnen versucht und scheitert. Die Struktur der Unterwerfung verwandelt er in Begehren. Er wird vergewaltigt und entwickelt homoerotische Bindungen. Der Schwule ist in "Short Eyes" ebenso wenig der monströse Andere wie im Film "Piñero", er ist der nahe Andere, der den maroden Zustand der puerto-ricanischen Männlichkeit spiegelt und verstärkt. Dies gilt für viele Stücke und Gedichte von puerto-ricanischen Autoren der zweiten Generation in den USA. Diese in den USA aufgewachsenen Schriftsteller haben die Suche nach einem authentischen Selbst, einer nationalen Identität längst aufgegeben. Stattdessen thematisierten sie eine Komplizenschaft zwischen den Kolonisierten und den Kolonialherren. Der eine bewahrt seine Identität in der des anderen - eine Konstellation, die Frantz Fanon auch als "dualen Narzissmus" beschrieben hat. Dieser "innere Kolonialismus" habe zur Folge, so Fanon, dass der karibische Mann sich dem weißen unaufhörlich anbiedern müsse, weil er von den Weißen nicht als ernst zu nehmende Gefahr wahrgenommen werde. Zufall oder nicht: Es gibt im Film Anspielungen, Piñero sei als Kind von seinem Vater missbraucht worden, dem Vater, dem Repräsentanten der symbolischen Ordnung, der in puerto-ricanischen Familien für die Anpassung an das amerikanische System steht. Einmal sagt Miguel Piñero: "Wir stehlen ihnen nicht mehr ihre Uhren, wir stehlen ihnen ihre Aufmerksamkeit." Aber das ist nicht alles. Der Film zeigt auch einen Piñero, der zwei Ladys die Pelze stiehlt, nur um mal kurz wie ein alberner Zuhälter herumzulaufen. Die Filmfigur Piñero spielt souverän mit diesen Klischees und Zuschreibungen, mit einem Bild, dem man manchmal in amerikanischen Vorabendserien begegnet, mit der Figur des öligen, flinken Kleinganoven aus Puerto Rico, der es vielleicht nie weit bringen wird, der sich aber, wenn er cool ist, nie schnappen und festnageln lässt: auch dies eine Form des Widerstands, die Fanon möglicherweise entgangen ist. Puerto-Ricaner sind in New York die ärmste Bevölkerungsgruppe, sind Staatsbürger der USA, erhalten Wohlfahrt, sind wehrpflichtig, zahlen aber keine Steuern und dürfen nicht wählen, obwohl heute ein Drittel aller Puerto-Ricaner in den USA lebt. Sie selbst bezeichnen sich als "weizenfarben", gelten den weißen Nordamerikanern aber immer noch als schwarz. Kulturell sind sie Latinos, sprechen Spanisch, sind katholisch, gehören also auch nicht zu den Afroamerikanern, obwohl viele von ihnen Abkömmlinge von Sklaven aus Afrika sind. Aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu Amerika bilden sie aber auch keine Allianzen mit anderen Latinos. Anders als die Kubaner können die Puerto-Ricaner jederzeit zurück in ihre Heimat. Kehren sie dann wirklich heim, finden sie sich wegen der rapiden Industrialisierung oft nicht mehr zurecht. Der Kubaner Leon Ichaso weiß also, was er tut, wenn er in einer der besten Szenen seines Films Miguel Piñero auf eine Lesetournee durch Puerto Rico schickt. Piñero findet das Land seiner Kindheit nicht wieder, und seine Zuhörer, eine Handvoll Bildungsbürger, die sich nie unter sein New Yorker Publikum mischen würden, werfen ihm vor, Nostalgiker zu sein. Piñero, völlig vor den Kopf gestoßen, erwidert: "Jede Hälfte von mir ist echter als dein Schnöselhemd." "Piñero" ist ein beeindruckender Film, der an vielen Stellen mehr sagt, als er wissen mag. Doch hat er auch Schwächen: Seine wacklige MTV-Ästhetik wirkt wie frisch von der Filmschule. Dynamik hin oder her, "Piñero" hätte auch mit weniger narrativen Sprüngen funktioniert, und die wahllos zusammengestellten Ausschnitte aus Nachrichtensendungen haben dieses Zeitdokument nicht unbedingt authentischer gemacht - die ausführlich gefeierte rebellische Ikonografie der Siebzigerjahre, die abgerissene Ästhetik der New Yorker Bohème zu dieser Zeit hätten völlig gereicht. Einige wichtige Aspekte aus dem Leben des wirklichen Autors unterschlägt "Piñero". Miguel Piñero schrieb Drehbücher für Fernsehserien wie "Kojak" und "Miami Vice" und rückte damit dem Establishment näher, als es dem Film lieb ist. Mag sein, dass Piñero es ablehnte, bürgerlich zu werden, dass er wirklich gesagt hat, er brauche den Ärger, um schreiben zu können. Trotzdem wäre der Film weniger romantisierend geworden, hätte er Piñeros Kontakte zu Hollywood gezeigt. Dass die Nebenfiguren blass bleiben, mag man dem Film vorwerfen. Es gibt Benjamin Bratt aber auch Gelegenheit, das Klischee des wilden Manns zu entwickeln und es dann wieder zu zerschlagen. Es erlaubt dem Zuschauer, in aller Ruhe die Tragik dieses Autors zu begreifen, der lebte, was er schrieb, damit Erfolg hatte und später auch wegen der Erwartungen seines weißen Publikums keinen Ausstieg aus seinem Lebensstil mehr fand. Es lässt zu, Piñero am Ende trotzdem nicht als Verlierer betrachten zu müssen, zu glauben, dass er nicht besonders glücklich geworden wäre mit einem etwas ruhigeren Leben, das man ihm so gewünscht hätte.
Akira Kurosawa's Träume - von Akira Kurosawa (1990) German - Xvid
Infos & Review
Spoiler:
Inhalt • I N F O • Episodenfilm, USA, Japan 1990, Regie: Akira Kurosawa, Buch: Akira Kurosawa, Ishirô Honda, Kamera: Takao Saito, Masaharu Ueda, Kazutami Hara, Musik: Shinichirô Ikebe, Produzent: Steven Spielberg, Hisao Kurosawa, Mike Y. Inoue. Mit: Toshihiko Nakano, Mitsunori Isaki, Sunori Isaki, Mitsunori Izaki, Akira Terao, Chishu Ryu, Chosuke Ikariya, Hisashi Igawa, Mitsuko Baisho, Martin Scorsese, Mieko Harada, Yoshitaka Zushi, Misato Tate, Suko Baisho, Mieko Suzuki, Chishû Ryû.
Der drittletzte Film von Akira Kurosawa ist eine Folge von acht Träumen. Der Meisterregisseur (1919-1998) setzt sich dabei mit Kindheitserinnerungen, Ängsten und Hoffnungen auseinander - von seiner Leidenschaft für die Malerei, über die atomare Bedrohung bis zum Zerfall Japans. [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
• R E W I E V • Dreams ist ein Episodenfilm, der aus acht verschiedenen Geschichten besteht. Jede Episode beruht auf Träumen, Visionen und Erinnerungen, die Drehbuchautor und Regisseur Akira Kurosawa im Verlaufe seines mehr als 80jährigen Lebens einmal hatte...
Episode 1: "Sonne, die durch den Regen scheint", handelt von einem 5 Jahre alten Jungen, der nach einem Regenschauer, als die Sonne schon wieder zu scheinen beginnt, heimlich im Wald die Füchse bei einer Hochzeit beobachtet. Dabei bemerken ihn die Füchse jedoch und unterbrechen ihre Zeremonie. Als der Junge wieder nach Hause kommt, weigert sich seine Mutter ihn wieder in ihr Heim aufzunehmen: "Du hast Ungehorsam begangen, indem du verbotenerweise die Füchse beobachtet hat; für solch einen Jungen ist hier kein Platz mehr", sagt sie. "Die Füchse haben mir von deinem Vergehen berichtet und haben ein Messer bei mir abgegeben. Damit musst du nun Harakiri begehen um deine Ehre wiederherzustellen." Sie rät ihm, die Füchse aufzusuchen, um sie zu bitten, ihre Vergebung auf andere Art zu erlangen als den Freitod. Und so macht sich der Junge auf die Suche ...
Episode 2: "Der Pfirsich-Garten", handelt ebenfalls von einem kleinen Jungen. Ein ihm unbekanntes Mädchen lockt ihn in den Pfirsichgarten des elterlichen Hauses. Dort sieht er zu seinem Entsetzten, dass alle Pfirsich-Bäume abgeholzt sind. Er trifft auf eine Versammlung von Hina-Puppen, die die Geister der abgeholzten Pfirsich-Bäume repräsentieren. Diese machen dem Jungen Vorwürfe, dass die Menschen die Pfirsich-Bäume gefällt haben. Ihm gelingt es jedoch, sie davon zu überzeugen, dass er als Kind keine Schuld daran hat. Die Hina-Geister zeigen Einsicht und machen ihm ein Geschenk: Vor seinen Augen führen sie einen geheimnisvollen Tanz auf, in dessen Verlauf der Junge den Garten noch einmal, ein letztes Mal, in voller Blüte zu sehen bekommt. Der Zauber dauert aber nur kurze Zeit, und als der Junge sich wieder umsieht, steht nur noch ein einziger Baum in dem vorher vollständig leeren Garten...
Episode 3: "Der Schneesturm", handelt von den Erlebnissen einiger Bergsteiger, die inmitten eines heftigen Schneetreibens ihrer Erschöpfung zum Opfer fallen und einschlafen; etwas, was in den schneebedeckten Bergen den sicheren Tod bedeutet. Dabei begegnet ihnen im Traum eine wunderschöne Schnee-Fee, die sie in Sicherheit wiegt und die schlafenden Männer anmutig mit Schnee bedeckt. Der Anführer der Bergsteiger erkennt jedoch die tödliche Gefahr und kann sich - und auch seine Gefährten - aus dem Schlaf reißen. Da lichtet sich der Sturm, und die Vier bemerken, dass sie sich bereits wenige Meter von ihrem Lager entfernt befinden...
Episode 4: "Der Tunnel", handelt von einem Hauptmann, der als einziger Überlebender aus dem Krieg zurückkehrt. Als er durch einen langen, unheimlichen Tunnel schreitet, begegnet ihm ein Hund, der ihn bösartig anknurrt. An den Körper des Hundes sind noch immer einige Handgranaten geschnallt. Am Ende des Tunnels kommt plötzlich ein gefallener Soldat auf den überlebenden Hauptmann zu und fragt ihn, warum er denn sterben musste. Der Gefallene kann sich mit seinem Tod einfach nicht abfinden und erzählt dem Überlebenden von seinen Eltern. Dieser rät ihm schließlich, in den Tod zurückzukehren; der Gefallene setzt sich jedoch erst in Bewegung, als der Hauptmann ihn militärisch anschreit. Kaum verschwindet der Tote im Tunnel, kommt auf einmal die gesamte Einheit, die der Hauptmann in den Tod geschickt hat, anmarschiert und meldet sich zum Dienst. Der Hauptmann erklärt seinen Männern den Sachverhalt und bittet sie unter Tränen, Frieden zu finden und endlich zu sterben. Die Soldaten scheinen ihrem Hauptmann tatsächlich zu vergeben, drehen sich um und marschieren davon. Doch kaum sind ihre Stimmen verhallt, wird der Hauptmann von dem offensichtlich toten Hund angefallen...
Episode 5: "Die Krähen" handelt von einem Kunststudenten, der eine Van-Gogh-Ausstellung besucht. Urplötzlich befindet er sich in einem der Gemälde Van Goghs. Als er weiterschreitet, durchläuft er die real gewordenen Bilder des niederländischen Malers, bis er ihn selbst in einem Kornfeld antrifft. Van Gogh erzählt dem Studenten von seinem triebhaften Drang, malen, die Natur einfangen und arbeiten zu müssen wie ein Besessener, wie von einer Lokomotive angetrieben. Als der Student ihn auf den Verband, den Van Gogh am Kopf trägt, anspricht, erklärt ihm der Meister lapidar, er wollte einmal ein Selbstporträt anfertigen, aber das Ohr sollte ihm nicht gelingen. Also hat er es sich abgeschnitten. Nach diesen Erklärungen eilt Van Gogh davon. Als der Student ihn verfolgen will, gerät er in ein Weizenfeld. Dort hört er das Geräusch einer Lokomotive und sieht im selben Augenblick hunderte von Krähen aus dem Feld aufsteigen. Doch da befindet er sich schon wieder in dem Museum, vor dem entsprechenden Gemälde sitzend...
Episode 6: "Fujiyama in Rot" erzählt von einem jungen Mann, der sich inmitten einer riesigen, in Panik geratenen Menschenmenge befindet. Der Grund für die Panik ist ebenso offensichtlich wie entsetzlich: Das Kernkraftwerk am Fuße des Fujiayama ist explodiert und die Reaktorschäden tauchen den ganzen Berg in ein gespenstisches Rot. Die Menschen versuchen zu fliehen, aber Japan ist zu klein und niemand weiß wohin. Schließlich stürzen sich die Männer und Frauen freiwillig ins Meer, bis auf den besagten jungen Mann, eine junge Frau mit ihren beiden kleinen Kindern und einen älteren in Anzug und Krawatte gekleideten Herrn. Dieser arbeitete in dem zerstörten Kraftwerk und klärt die Anwesenden nun über die verschiedenen Formen und Auswirkungen der austretenden radioaktiven Stoffe auf: Plutonium, Strontium und Cäsium, sie alle wurden durch Farbstoffe sichtbar gemacht. Nun wallen rote, gelbe und violette Strahlenwolken auf die Protagonisten zu. Der Mann aus dem Atomkraftwerk zieht einen schnellen Tod vor und springt von den Klippen ins Meer. Die letzte Einstellung zeigt den jüngeren Mann, der mit seiner Jacke erfolglos versucht, die Radioaktivität von sich und der Frau mit ihren Kindern fernzuhalten...
Episode 7: "Der weinende Menschenfresser" schließt thematisch an "Fujiyama in Rot" an: Die Welt ist tot und verseucht. Ein Reisender sieht sich in der atomaren Wüste um, bis er eine menschenähnliche Gestalt entdeckt, die ein Horn hat. Es ist ein Dämon, ein Mensch, der für seine Sünden bestraft wird, die er im Leben begangen hat: Er ist gezwungen Menschen zu fressen, weil es sonst keine Nahrung mehr auf der Welt gibt. Die Überlebenden fressen einander auf. Es gibt verschiedene Ränge unter den Menschenfressern: Die mit einem Horn haben die geringste Macht und Stärke, und werden zuerst verspeist. Dann die mit zwei Hörnern, schließlich die mit dreien. Allerdings bereiten die Hörner ihren Trägern auch unerträgliche Schmerzen. Je mehr Hörner ein Dämon hat, desto mehr Schuld hat er begangen, desto mehr muss er leiden. Als der Menschenfresser dem Reisenden androht, ihn ebenfalls zu verzehren, flieht dieser einen Berg hinunter. Tiefer und tiefer und tiefer, und unten wartet bereits eine heulende Gruppe von Menschenfressern...
Episode 8: "Dorf der Wassermühlen" handelt von einem idyllischen kleinen Dorf, in das ein Reisender aus einer Großstadt kommt. Dort scheinen alle Menschen glücklich, dort trifft der Reisende auch auf einen alten Mann, der ihm erklärt, dass dieses Dorf keinen Namen habe. Fremde würden es nur "Dorf der Wassermühlen" nennen. Hier leben die Bewohner noch in Harmonie mit der Natur; kein Baum wird gefällt, weil man nur totes Holz zum Heizen verwendet. Elektrisches Licht ist nicht vorhanden, da der Tag hell, und die Nacht dunkel zu sein hat. Und wenn jemand stirbt, so trauert man nicht, sondern feiert den Abschied eines Menschen, der ein glückliches und erfülltes Leben geführt hat. Schließlich steht der alte Mann auf und macht sich bereit an einer solchen Beerdigungsfeier teilzunehmen. Die Tote sei seine erste Geliebte gewesen, erklärt er mit verschmitztem Lächeln. Daraufhin schließt er sich der tanzenden Prozession der Dorfbewohner an. Und der Film endet wie er begann: Mit einer zeremoniellen Feier...
Ima No Yo Wa Ima No Minori Wo Kashikomite Keshiki Okonai Okonau Na Yume.
(In dieser Welt sind die Gesetze dieser Welt zu befolgen. Unpassendes Verhalten ist verboten.)
So lautet ein japanisches Gedicht, das als Beispiel für den Konflikt "Tradition" contra "Ichbewusstsein", stehen könnte, wie dieser in der ersten Episode, bei der der autobiographische Charakter Kurosawas wohl mit am stärksten ausgeprägt sein dürfte, thematisiert wird. Auch in den anderen Episoden wird dieses Thema immer wieder von neuem aufgegriffen, doch in "Sonne, die durch den Regen scheint" befasst sich Kurosawa vor allem mit der "Kindheit", und dabei wohl nicht nur mit der eigenen, sondern der jedes Menschen. Der kleine Junge - Synonym für Unschuld - ist im Begriff diese Unschuld zu verlieren, weil er das Gesetz einer uralten, japanischen Legende gebrochen hat. Er hat Schuld auf sich geladen und muss lernen mit dieser Schuld zu leben, das heißt Verantwortung für sein Tun zu übernehmen. Dies scheint jedoch nicht so einfach, besonders in Japan, einem Land, das noch immer stark in seinen alten Traditionen verwurzelt ist. Der kleine Junge hat es in seiner "Kindlichkeit" versäumt, die Gesetzte seiner Welt zu befolgen, und die Strafe hierfür ist der Tod! So gibt es sogar im heutigen Japan noch immer Fälle, bei denen der Mörder sein Opfer mit gutem Gewissen umbringt, weil jenes die Traditionen missachtete.[1] Insofern ist es von Kurosawa keineswegs weit hergeholt wenn auch von dem Jungen der Freitod verlangt wird, dieser jedoch versucht, seine Schuld zu begleichen, indem er die Füchse um Vergebung bittet. Oder mit anderen Worten: indem er hinauszieht in die Welt, auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Wie in vielen Mythologien - so auch der japanischen - ist der Tod eines Kindes nicht immer gleichbedeutend mit dem physischen Tod: Oft steht der Begriff Tod dabei auch für den Verlust der Unschuld und somit für den Übergang in eine neue Lebensphase. So zeigt denn auch die letzte Einstellung in "Sonne, die durch den Regen scheint", den Jungen, wie er durch ein blühendes Blumenfeld wandert und dabei dem Regenbogen folgt: Einem Sprichwort zufolge soll man ja sein eigenes Glück am Ende eines solchen Regenbogens finden. Aber an welchem Ende, das erfährt der Zuschauer aus Kurosawas Filmwerk leider auch nicht.
"Der Pfirsich-Garten", die zweite Episode von DREAMS stellt gewissermaßen eine Antithese zur ersten da: Wieder ist der Junge Handlungsträger. Allerdings wird er diesmal einer Tat beschuldigt, die er nicht begangen hat, denn für das Abholzen der Pfirsichbäume sind die Erwachsenen verantwortlich. Die 60 Hinda-Tänzer glauben ja auch schließlich seinen Unschuldsbeteuerungen und belohnen seine Ehrlichkeit: Er darf noch einmal die Pracht der Natur erleben, die von den Erwachsenen zerstört wurde.
So spielt der Einbruch des Menschen in die Natur bei fast allen Episoden des Films eine zentrale Rolle. - Auch in "Der Schneesturm" bricht der Mensch in die Natur ein und wird von ihr (beinahe) dafür bestraft: Die Bergsteiger dringen in das Territorium der Schnee-Fee ein, die sie dafür mit ihren verführerischen Mitteln in den sicheren Tod zu locken sucht. Wieder deutet Kurosawa auf japanische Legenden, denn der Gedanke einer Schnee-Fee, die Reisende in den Tod führen will, ist nichts anderes als das Motiv des Naturgeistes, der Nymphe. So wird in der Einsamkeit der Berge der moderne Mensch mit einem Mythos konfrontiert, der so alt ist wie die Menschheit selbst.
Doch diesmal siegt der Mensch über die Natur: Die Bergsteiger überleben den Angriff der Fee, indem sie sich auf Zähigkeit und Ausdauer besinnen. Warum die Bergsteiger überhaupt in das Gebiet der Fee eindringen, wird zwar nicht geklärt, doch stattdessen deutet Kurosawa auf menschliche Tugenden: Eifer und Forscherdrang, die letztendlich den Sieg über die Natur ausmachen.
Ähnlich wie die erste Episode befasst sich auch die Geschichte "Der Tunnel", mit dem Leben, der Schuld und dem Tod und dabei wiederum mit dem Motiv "Schuld zieht Tod nach sich". Der Hauptmann, der als einziger die Schlacht überlebte, für die nicht zuletzt auch er verantwortlich war, sieht sich in einem langen, dunklen Tunnel - den man durchaus als Metapher für die Abgründe des eigenen Selbst ansehen könnte - mit den Geistern der Soldaten konfrontiert, die er in den Tod geschickt hat. Obwohl die Toten ihn nicht direkt anklagen, spürt man doch die unterschwellige Bedrohung, die von ihnen ausgeht. Verzweifelt klammern sie sich an ihre Erinnerungen, die sie noch vom Leben übrig haben: Statt zu sterben versuchen sie ein Scheinleben zu führen, dass nur aus Versatzstücken besteht. Der Hauptmann versucht sich zu erklären. Weder den Mächtigen, noch der Armee, noch der Unlogik des Krieges will er die Schuld daran geben, dass er seine Einheit in den Tod geschickt hat: Er erkennt seine eigene Verantwortung als Kriegsverbrecher seinen Leuten gegenüber an und versucht nicht sich herauszureden. Eine Entschuldigung lässt er sich auch nicht einfallen, so viel Gerechtigkeit geht zumindest von ihm aus, da jede Form der Entschuldigung auch eine Ausrede beinhaltet, denn das Wort "entschuldigen" bedeutet ja, sich frei von Schuld machen. Dazu ist er nicht fähig. Am Ende der Episode gehen die Toten wieder zurück in den Tunnel, aber sie scheinen ihm nicht wirklich vergeben zu haben, denn als letztes durchschreitet der Hund mit den Handgranaten den Tunnel.[2] Das Tier ist jedoch nicht in der Lage die Sprache oder die Befehle des Menschen zu verstehen und fällt - zumindest hört es sich so an - den Hauptmann an. Symbolisch ist dabei der Tunnel, der dem Betrachter beim filmischen Durchschreiten wie ein Leidensweg vorkommt, so lang wie ein ganzes Leben. So weiß man am Ende nicht, ob der Hauptmann tatsächlich von dem Hund zerfleischt wird, oder ob er von Anfang an nicht lebte und der Tunnel, mitsamt der Erscheinung alter Schuldgefühle, nicht vielleicht sogar der Weg des Protagonisten ins Jenseits war.
In der Episode "Die Krähen" zeigt sich Kurosawas Perfektionismus, aber auch wiederum seine Liebe zur Natur. Die Aufnahmen von Weizenfeldern nach der Ernte, Wiesen im Hochsommer, und vor allem die Einstellung, in der 250 Krähen wie auf Befehl aus einem Feld fliegen, ist an Professionalität kaum noch zu übertreffen. Kurosawa ist es nicht nur als einem der wenigen Regisseure gelungen, impressionistische Farbgefüge und Stimmungen auf die Leinwand zu bannen, es gelang ihm auch eine überaus charmante Hommage an Vincent Van Gogh [3]. Durch die Zwischenschnitte mit einer schwarzen, bedrohlichen Lokomotive während des eindringlichen Monologs des Malers, ist es Kurosawa gelungen, in die Landschaft des Impressionisten Van Gogh die eigene Besessenheit, die sklavische Abhängigkeit von der Kunst bzw. dem eigenen Schaffen, zu projizieren. Dem Kunststudenten bleibt am Ende nichts anderes übrig, als fassungslos im Museum zu sitzen und sich die Gefühle anzusehen, die zu verstehen er ganz offenkundig nicht in der Lage ist. Dies ist besonders interessant, wenn man weiß, dass Kurosawa selbst kurzzeitig eine Kunstschule besucht hat und selber Maler ist.[4]
Gänzlich anders mutet da die Episode, "Fujiyama in Rot" an. Auch hier konfrontiert der Regisseur "Mensch" mit "Technik", stellt den Menschen aber als Sieger dar. Jedoch kann sich dieser seines Sieges nicht so recht erfreuen, da er seinen natürlichen Lebensraum bereits selbst zerstört hat. Die Geschichte sucht dabei nicht nach einem Schuldigen für den Reaktorunfall. Würde sie dies tun, hätte sie ihn schnell in der Figur des Mannes aus dem Kraftwerk gefunden. Denn die Täter sind hier auch selbst Opfer, da sie sich über die Ausmaße ihres Tuns nicht bewusst waren. Sie haben im Gegensatz zu dem Jungen aus der ersten Episode, wie früher üblich, nie gelernt, mit ihrer Verantwortung umzugehen: Der Fujiyama glüht in Rot, aber er wirkt wie eine Filmkulisse, was wohl auch so gewollt ist. Schließlich ist alles nur ein Traum - ein Traum, der weder Anklage sein soll, noch Furcht auslöst.
Ebenso verhält es sich mit dem "weinenden Menschenfresser". Auch hier werden die Leute, die am Zustand der Welt Schuld tragen, nicht kategorisch abgestempelt. Im Gegenteil: Hier versucht Kurosawa unser Mitleid zu erwecken und "Sympathie für den Teufel" aufzubringen. Denn das eigentliche Laster ist nicht Gier oder Korruption, sondern Boshaftigkeit. Erst in der letzten Episode versöhnt uns Kurosawa mit der Welt: Mensch und Natur, Schuld und Sühne werden in Einklang gebracht. Vor dem Tod herrscht keine Furcht, nur Einklang. "Das Dorf an den Wassermühlen" ist denn auch eine Liebeserklärung an das Leben.
Ebenso wie in Kurosawas optimistischem Weltbild Einklang von Leben und Tod, Mensch und Natur, Schuld und Vergebung herrscht, so herrscht auch zwischen den einzelnen Episoden eine Harmonie. Damit ist „Dreams“ einer der wenigen Episodenfilme, die nicht in Fragmente zerfallen, bei denen der Gesamteindruck unter dem bruchstückhaften Charakter einer solchen filmischen Machart zu leiden hat.
“Dreams“ ist das Werk eines einzelnen Mannes; mehr als dies bei anderen Produktionen der Fall ist: Wo Dreharbeiten mehr und mehr zu Teamwork werden, spürt man bei „Dreams“ ganz deutlich die starke, monarchische Hand Kurosawas, die keinen Widerspruch duldet, die nur die Ideen ausführt, die im Kopf des „Kaisers“, wie Kurosawa in Japan genannt wird, entstehen. Man bemerke anbei, dass Kurosawa darauf verzichtet hat, den einzelnen Protagonisten Namen zu geben. Mit dem Begriff „Ich“ unterstreicht er nicht nur den persönlichen Charakter des Films, er erreicht auch eine ähnlich persönliche Wirkung auf den Zuschauer, wie ein Schriftstück, dass in Ich-Form verfasst wurde.
Mit seinem 29. Film erzählt Meisterregisseur Akira Kurosawa (RAN, KAGEMUSHA) acht (geplant waren einmal elf) Träume, die er im Laufe seines Lebens einmal hatte. Die eindringlichen Parabeln auf die Kunst, das Leben und den Tod wurden dabei zu einem sehenswerten Filmerlebnis, einem farbenprächtigen Bilderbogen voller Poesie, der vielleicht nicht jedermanns Sache sein mag, für den anspruchsvollen Cineasten aber ein beeindruckendes Erlebnis darstellen dürfte. „Dreams“ ist ein einfacher und doch hochkomplizierter, sogar philosophischer Film, der mit einem unfassbaren Maß an Technik und Aufwand - mit Hilfe von Steven Spielberg und George Lukas' Effektefabrik ILM - produziert und realisiert wurde, dabei jedoch für den Betrachter immer noch überzeugend wirkt.
[1] So wurde zum Beispiel im Jahre 1988 in einer japanischen Grossstadt ein Mädchen von ihren Mitschülern ermordet, weil sie bei einer wichtigen Schulveranstaltung gefehlt hatte: Sie war erkrankt und hatte in den Augen ihrer Mitschüler somit den traditionellen Zusammenhalt der Gruppe (Schüler) unterwandert.
[2] Es war bei Kriegsführung in verschiedenen Zeiten durchaus üblich, Sprengstoffe an Tieren zu befestigen und sie dann ins feindliche Lager zu schicken.
[3] Dieser wird gespielt von Martin Scorsese, der für diese kurze Szene seinen eigenen Dreh unterbrach und dafür, auf Wunsch Kurosawas, extra nach Japan flog.
[4] Seine Storyboards beispielsweise werden schon jetzt als Kunstwerke gehandelt und erreichen bereits horrende Preise. [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
Video Infos
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Akira Kurosawa's Träume (Akira Kurosawa, 1990) German - Xvid.avi Dateigröße : 1000 MiB Format : Audio Video Interleave Gesamte Bitrate : 1220 Kbps Spielzeit : 1h 54min Verwendetes Programm : VirtualDubMod 1.5.4.1 (build 2178/release) verwendete Encoder-B : VirtualDubMod build 2178/release IAS1 : Deutsch
Lovers [Dogma5] von Jean-Marc Barr (1999) DVDRip - AC3-2CH - German - Xvid & externe dt. Subs
Inhalt, Review & Links
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Inhalt • I N H A L T • Die junge Buchhändlerin Jeanne (Elodie Bouchez) verliebt sich Hals über Kopf in den aus Jugoslawien geflüchteten Maler Dragan (Sergej Trifunoviæ). Die beiden begegnen sich mit soviel Hingabe, dass man meinen könnte, nichts kann sie jemals trennen. Doch Dragan ist illegal in Frankreich und muss trotz aller Bemühungen das Land verlassen. Also tauchen beide unter. Wieder angekommen in der Realität irrt Dragan wie ein verlorenes Kind durch die Welt, und daran, dass Jeanne jetzt noch für jemand anderen verantwortlich ist, muss sie sich erst gewöhnen. Quelle: Galileo Medien AG
• R E W I E V • Reine Liebe
Jean-Marc Barrs Dogma #5
Ein Mann und eine Frau. Der nackte Zufall führt sie zusammen, mitten in Paris. Nach wenigen Minuten - im Leben wie im Kino - sind sie ein Paar.
Die Kamera folgt ihnen durch die Straßen und in die Häuser, begleitet sie des nachts in Kneipen und wacht mit ihnen auf. Jeanne (Elodie Bouchez) ist Buchhändlerin, Dragan (Sergej Trifunovic) ein Maler und ein Flüchtling aus Ex-Jugoslawien. Aber wer ist Dragan überhaupt, wo genau kommt er her, was hat er hinter sich? Jeanne weiß es nicht, und der Zuschauer auch nicht. Wenig mehr erfährt man über den jungen Mann, als dass er illegal in Frankreich ist, und von der Ausweisung bedroht. Die beiden sind ein ungleiches Paar; während sie verantwortungsvoll die Liebe ernst nimmt, ist er ein großes Kind, das viel zu viel trinkt, und auch mal für ein paar Tage einfach verschwindet.
Regisseur Jean-Marc Barr ist uns als Schauspieler (u.a. aus Lars von Triers EUROPA) bekannt. Seinen ersten eigenen Film drehte er nach dem strengen Authentizitäts-Kanon der dänischen Dogma95-Regisseure. Den größten Teil des Films über kommt er mit seinen zwei Hauptdarstellern aus, und einem minimalen Team. Auch drehte er tatsächlich in dokumentarischer Manier auf der Straße, und verließ damit die geschlossenen Räume und ländlichen Milieus, in denen die bisherigen Dogma-Filme spielten. LOVERS ist schon darin sehr französisch, dass er sich - ganz anders als die Dänen - um Familie nicht schert (und auch das Liebesverhältnis zwischen Jeanne und Dragan kann man hier kaum als implizite Familiengründung verstehen).
So wild und frisch wirkt LOVERS, dass man sich zugleich an das spontane französische Kino früherer Jahrzehnte erinnert fühlt. Zumal Jean-Luc Godards À BOUT DE SOUFFLE (1960) drängt sich auf, denn auch hier begegnet sich ein binationales Paar im Herzen von Paris, das nichts gemeinsam hat, ausser seiner Liebe. Und auch LOVERS ist ein Paris-Film, der uns die Topographie der Stadt erschließt (Auch indem er die Großstadt zum dritten Hauptdarsteller machte, fügt Barr Dogma95 etwas Neues hinzu.), Orte zeigt, die neu sind, Perspektiven, die nicht auf Sehenswürdigkeiten gerichtet sind, und doch ganz unverwechselbar pariserisch.
Nein, so gut wie Godard ist Jean-Marc Barrs Film trotzdem nicht. Zuviel Pathos, zuwenig Ironie liegt in seiner Geschichte, und was die Figur des Dragan angeht, wirkt er wie ein Verschnitt aus der Balkan-Klischee-Kiste: Versoffen, irrational, melancholisch.
Wo Godards Sarkasmus für heitere, weise Leichtigkeit sorgt, inszeniert Barr die Tragödie: Als Dragan schließlich von der Polizei abgeschoben wird, kippt der Film endgültig ins elegische Melodram. Minutenlang sehen wir die zurückgebliebene Jeanne schluchzend die Treppe hinaufsteigen - eine Szene, die (für mich) nicht funktioniert, weil das ganze Verhältnis zwischen dem Paar dort eine Behauptung ist, wo es über das Flüchtige und Zufällige, Spontane, das auch die Bilder ausdrücken, hinausgeht. Barr hält Liebe für eine irrationale Schicksalmacht, die muß, was sie muß, und irgendwie stets das Gute repräsentiert. Im Gegensatz zu ihm weiß Godard, dass so rein und gut wie hier die Liebe nicht ist.
Andererseits: gerade in dieser naiven Reinheit enthüllt uns Barr zwar kein Geheimnis der Liebe, dafür aber der Dogma-Gruppe. Denn alle deren bisherigen Filme müssen als Utopien verstanden werden: Inszenierte FESTEN (DAS FEST; Dogma #1) ein Aufbrechen familiärer Lebenslügen, entlarvte IDIOTERNE (IDIOTEN; Dogma #2) die Verkrampfungen der bürgerlichen Gesellschaft, feierte MIFUNE SIDSTE SANG (Dogma #3) die Flucht in wahlverwandtschaftliche Beziehungen auf dem Land, so zeigt uns nun LOVERS, was noch bleiben könnte, wenn's auch im Grünen nicht mehr funktioniert: Ein Mann und eine Frau.
Irreversibel [Irreversible] von Gaspar Noé (2002) DVDRip - German - Xvid
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Inhalt • I N H A L T • Alexandra und Marcus sind ein glückliches Paar. Die beiden führen ein ausgelassenes Leben und streifen nachts durch die wildesten Parties. In einer Nacht dann geschieht das Unglück: Alex macht sich alleine auf den Heimweg und wird in einem Tunnel einem sadistischen Schwulen vergewaltigt. Als Marcus auf dem Nachhauseweg am Tatort vorbeikommt, muss er mit ansehen, wie Alex im Koma liegend abtransportiert wird. In seiner rasenden Wut kennt Marcus nur noch einen Gedanken: Rache.
• R E W I E V • Gaspar Noé zeigt uns in seinem zweiten Spielfilm, wie die Ereignisse einer einzigen Nacht, dass Leben von Menschen radikal ändern bzw. zerstören kann. Die Handlung, in „Irreversibel“ wird in Rückprojektion erzählt. Das heißt der Film beginnt mit dem Ende.
Alles beginnt mit einer Kamerafahrt die uns, zu dem aus „Menschenfeind“ bekannten Schlachter führt. Entlang der Hausfassade endet sie in einem heruntergekommenen Zimmer in Paris. Der Schlachter sitzt fast nackt da, und redet mit einem Freund über sein Leben. Er war wieder im Gefängnis, weil er mit seiner Tochter geschlafen hat. Vollkommen abgebrannt und pleite hockt er nun da, und gibt der Zeit an allem Schuld. Die Zeit zerstört alles, sagt er. Sein Leben hat sie zerstört und sie wird das Leben anderer auch zerstören. Es ertönen Sirenen. Er vermutet dass die Polizei eine Razzia im „Rectum“, dem Schwulen-Club nebenan, durchführt.
So verlässt die Kamera das Szenario, und bewegt sich kreisend und drehend auf den Eingang des „Rectum’s“ zu. Ein Krankenwagen steht davor und jemand wird auf einer Trage aus dem Club gebracht. Der Mann auf der Trage ist bewusstlos. Die Kamera fährt weiter. Wir sehen wie ein Mann von der Polizei festgenommen und mit in den Krankenwagen, unter dem Gebrüll und Pöbeleien von Gaffern, abgeführt wird. Der Wagen beginnt seine Fahrt. Es fällt kein Wort, wir sehen nur die entsetzten Gesichter, der Polizisten, des Mannes der abgeführt wurde und den Bewusstlosen auf der Bare.
Die beiden Männer von eben, der Bewusstlose und der Festgenommene, stehen am Eingang des „Rectum’s“ und wollen hinein. Hier erfahren wir wie die Männer heißen. Marcus und Pierre. Marcus, ist außer sich. Er hetzt durch den Club, um den „Bandwurm“ zu finden. Pierre versucht ihn zu beruhigen und hat Mühe mit Marcus Schritt zu halten. Marcus verschwindet in den Tiefen des „Rectum’s“. Begleitet von der Kamera, die einen panisch wahnsinnigen Eindruck vermittelt. Wie ein Besessener, pöbelt Marcus andere Besucher an, die hier ihre Hardcore-SM Fantasien ausleben. Er fragt einige Leute ob sie den „Bandwurm“ kennen. Die meisten kennen ihn nicht. Bis er auf den Lover des „Bandwurm’s“ trifft. Marcus verlangt von ihm, dass er ihn zu ihm bringt. Da es ihm nicht schnell genug geht, wird Marcus wieder wütend. Mit Drohungen und Schlägen, prügelt er den Mann durch das „Rectum“ und wird schließlich zu dem Gesuchten geführt. Nach einem kurzen Gespräch eskaliert die die Situation, zu einer Schlägerei. Bei der Marcus zu Boden geschlagen wird. Ihm wird, wie ein Zweig, der Arm gebrochen. Anschließend will ihn sein Gegner, unter Zurufen der anderen Gäste, vergewaltigen. Plötzlich taucht Pierre, aus der Masse der Leute auf. Er schlägt Marcus’s Vergewaltiger, mit einem Feuerlöscher zu Boden. Sein Gesicht ist von dem Schlag gezeichnet. Pierre geht zu ihm, schaut ihn an und schlägt nochmals auf ihn ein. Wie von Sinnen, schlägt er immer wieder auf das Gesicht des Vergewaltigers ein. Als er fertig ist, lauft aus dem Kopf nur noch eine breiige Masse.
Marcus und Pierre sitzen in einem Taxi. Marcus ist aufgebracht, da ihm die Fahrt zum „Rectum“ zu lange dauert. Er weiß nicht wo der Schwulen-Club ist, er hält an und versucht sich durchzufragen. Kein Mensch kann ihm helfen. Bis er schließlich den Hinweis, von einem Jungen von der Straße, bekommt. Pierre dem das Alles, vor allem Marcus’s Aggression, zuviel wird, versucht mit dem Taxi zu fliehen. Doch Marcus lässt ihn nicht. Er schlägt die Windschutzscheibe des Fahrzeugs ein und zieht Pierre aus dem Auto. „Ab ins Rectum!“, brüllt er. Pierre folgt ihm.
Im Taxi versuchen beide dem Fahrer zu erklären wo sie hin wollen. Marcus durch Aggression, weil der asiatische Taxifahrer sie nicht versteht und auch das „Rectum“ nicht kennt. Pierre versucht wieder Marcus zu beruhigen, gleichzeitig versucht er dem Fahrer mit ruhigem Ton verständlich zu machen, wo er sie hinfahren soll. Der Fahrer bekommt zunehmend Angst vor Marcus. Er greift zu seinem Tränengas und versucht die zwei aus dem Auto zu schmeißen. Der Fahrer hält an, Marcus springt aus dem Wagen. Er rennt zur Fahrertür und zieht den Mann aus dem Auto. Pierre versucht Marcus davon abzuhalten dem Mann weh zu tun, weil er nichts für die Situation kann. Doch es gelingt ihm nicht. Marcus entreißt dem verängstigten Mann das Tränengas. Er sprüht ihn damit ein und schlägt ihn. Der Mann versucht sich nach besten Kräften zu wehren. Nach einer kurzen Rangelei lassen sie von dem Fahrer ab, rennen ins Taxi und rasen davon.
Marcus und Pierre sind mit zwei weiteren Männern unterwegs. Diese zwei Männer kennen sich in der Gegend bestens aus. Die vier sind auf einem Straßenstrich, unterwegs. Sie fragen sich durch zu einer Prostituierten namens Konscha. Konscha ist ein Transsexueller. Marcus ist auf einem Rachefeldzug, und befragt Konscha aggressiv. Als seine Wut ausbricht, packt er den Mann an den Haaren und bedroht ihn mit einem Messer. Pierre versucht wieder ihn von seinem Tripp runter zu bringen. Unter Druck gibt Konscha den Hinweis auf das „Rectum“. Die beiden Begleiter von Marcus sagen ihm dass dies ein Schwulen-Club ist. Aus panischer Angst macht Konscha sich durch Hilferufe auf sich aufmerksam. Die anderen Prostituierten, rennen ihm zu Hilfe. Marcus und Pierre rennen davon und fliehen in das Taxi.
Pierre wird vernommen. Unter Schock wird er von einem Polizisten im Streifenwagen befragt. Als er den Wagen verlässt, stellt er sich zu Marcus. Auch dieser ist geschockt. Die beiden werden von zwei Männern angesprochen. Wir erfahren dass eine Frau vergewaltigt wurde. Offensichtlich jemand, der Marcus und Pierre sehr nahe steht. Die zwei Fremden, in dessen Viertel die Vergewaltigung stattfand, überzeugen Marcus davon sich für die Vergewaltigung zu rächen. Sie wollen den beiden helfen, den Täter zu finden. Marcus und Pierre, letzterer eher widerwillig, gehen darauf ein.
Pierre und Marcus verlassen das Haus der Party, auf der sie waren. Die zwei unterhalten sich und wollen ein Taxi nehmen. Als sie plötzlich sehen, wie eine schwer misshandelte und bewusstlose Frau aus einem Tunnel getragen wird. Es ist Alex, Marcus Freundin und Pierre’s Ex-Freundin. Geschockt und verzweifelt rennt Marcus zur Trage, auf der Alex liegt. Er bricht in Tränen aus und fragt sie was passiert ist. Pierre schaut geschockt zu, wie sie weggetragen wird.
Alex steigt aus dem Aufzug, verlässt das Haus, geht zur Straße und versucht sie zu überqueren. Sie will zu einem Taxi auf der anderen Straßenseite. Eine Passantin, rät ihr durch die Fußgängerunterführung zu gehen, weil die Straße zu gefährlich ist. Sie nimmt den Rat an. Sie geht durch den Tunnel, von der anderen Seite her, kommt ein Pärchen, dass Streit hat. Der Mann schlägt die Frau nieder. Geschockt von dieser Situation, bleibt Alex stehen. Der Mann wird auf sie aufmerksam. Alex bekommt Angst und versucht zu fliehen, wird aber von dem Mann aufgehalten. Die andere Frau flieht. Der Mann hält Alex fest und bedroht sie mit einem Messer. Sie schreit und fleht darum sie gehen zu lassen. Doch der Mann zwingt sie dazu, sich auf den Boden zu legen, um sie zu vergewaltigen. Alex schreit weiter um Hilfe. Ihr Peiniger hält ihr, mit einer Hand den Mund zu. Mit der anderen Hand betatscht und befummelt er sie. Sie versucht sich nach ihren Kräften zu wehren, aber ihr Vergewaltiger ist stärker. Das was ihr übrig bleibt, ist, die Vergewaltigung über sich ergehen zu lassen. Die ganze Zeit über winselt sie um ihr Leben. Als es vorbei ist versucht Alex wieder zu fliehen. Sie will davon kriechen. Ihr Vergewaltiger beschimpft sie. Er geht zu ihr und tritt ihr, mit voller Wucht, ins Gesicht. Dann setzt er sich auf sie und schlägt sie mit der Faust. Damit aber nicht genug der Brutalität. Als letztes schlägt er ihren Kopf auf den Boden. Als er fertig ist mit ihr, bespuckt er sie.
Marcus und Pierre unterhalten sich auf der Party. Es stößt eine Bekannte von Marcus zu ihnen. Die drei verschwinden auf dem Klo, wo noch eine Bekannte auf sie wartet. Das Gespräch zwischen ihnen bezieht sich auf Sex. Den Marcus hat und Pierre eben nicht. Die Frauen versuchen Pierre zu becircen und ihn dazu zu ermutigen sich mal gehen zu lassen. Unterdessen zieht sich Marcus eine Line Koks rein. Danach genießt er die Party sichtlich mehr. Pierre hingegen wirkt weiter steif und verkrampft. Die beiden gehen durch die Wohnung. Marcus hat seinen Spaß. Pierre hingegen, geht zur Tanzfläche und beobachtet Alex beim tanzen. Marcus springt zu Alex auf die Tanzfläche, tanzt mit ihr und zwei weiteren Frauen. So schnell wie er erschien, verschwindet er auch wieder im Partygetümmel. Alex geht zu Pierre, und versucht ihn dazu hinzureißen mit ihr zu tanzen. Aber Pierre will nicht. Alex gibt den Versuch auf und trifft auf eine alte Bekannte. Die beiden unterhalten sich kurz, als Marcus zu ihnen stößt. Die zwei Frauen verabreden sich zum Mittagessen und dann verabschiedet sich die Bekannte von Alex. Zwischen Alex und Marcus kommt es zum Streit. Es stört sie das sich Marcus was rein gezogen hat. Ihre Laune verschlechtert sich schlagartig und sie verlässt, nachdem sie sich von Pierre verabschiedet hat, die Party.
Im Aufzug zur U-Bahn, unterhalten sich die Drei. Alex erzählt davon, dass sie zurzeit ein Buch liest. Das sie sehr fasziniert. Sie liest, seit einigen Monaten an einer Stelle und kommt nicht weiter. Es wird in dem Buch beschrieben, dass das Leben schon vorher bestimmt ist, Indiz dafür sind Träume. Sie scheint sehr daran zu glauben. Auf dem Bahnsteig angekommen, verlagert sich das Gespräch auf die intime Beziehung von Alex und Marcus. Pierre, Alex Exfreund, will von ihr wissen wie, der Sex mit Marcus, für sie ist. Er ist neugierig und als er keine für ihn ausreichende Antwort erhält, macht er sich über die beiden lustig. Die U-Bahn trifft ein. Die Drei steigen ein. Pierre verrät Details über seine Beziehung mit Alex. Charmant versucht sie das Gespräch zu beenden. Aber Pierre lässt nicht locker. Marcus achtet hingegen darauf dass die Zwei nicht zu laut werden. Die U-Bahn ist voll besetzt. Alex kommt auf Pierre’s Liebesleben zu sprechen. Aber da blockt er ab. Sie nimmt das als Gelegenheit, um ihm klar zu machen, dass er diese ganzen Dinge um Sex, Intimität und Liebe etwas lockerer sehen sollte, das macht alles viel einfacher. Aber er versteht es nicht, stattdessen macht er sich über Marcus lustig. Während dessen erreicht die U-Bahn das Ziel der Drei und sie steigen aus.
Alex und Marcus liegen im Bett. Pierre ruft an und spricht auf den Anrufbeantworter. Er holt die Beiden in einer halben Stunde ab. Die beiden sind gerade aufgewacht, kuscheln ein wenig und Alex erzählt von dem Traum, den sie hatte. Sie steht in einem roten Tunnel, der am Ende aus einander bricht. Sie stehen auf, dabei, necken und ärgern sich gegenseitig. Tauschen Küsse und Streicheleinheiten aus. Reden miteinander. Bei dem Gespräch wird klar das Alex sich in Kind wünscht. Marcus würde sich darüber freuen. Als die beiden es geschafft haben aufzustehen, will Marcus noch einkaufen. Etwas zum Trinken für später. Alex will duschen. Als sie bereits unter der Dusche steht, geht Marcus zu ihr, verabschiedet sich mit einem Kuss und geht. Als sie mit dem Duschen fertig ist. Macht sie einen Schwangerschaftstest. Gebannt starrt sie auf dessen Ergebnis. Ein Lächeln verrät, dass sie schwanger ist. Sie lehnt sich zurück und fängt an zu träumen.
Die Kamera fährt über das Kinoplakat „2001 - Odyssee im Weltraum“, zu Alex. Sie liegt in einem Kleid schlafend im Bett und träumt. In ihrem Traum liegt sie auf einer Wiese, liest ein Buch. Kinder spielen, fröhlich lachend, um sie herum. Das Bild fängt sich an zu drehen und fährt immer schneller kreisend in den Himmel. Bis nur noch ein stärker werdendes Flimmern mit kreisenden Sternen zu sehen ist.
Ende.
Gaspar Noé, hat mit „Irreversibel“, einen Film geschaffen, der, schockiert, wachrüttelt und betroffen macht. Mit „Irreversibel“ ist es ihm gelungen darzustellen, wie schnell sich Träume in Luft auflösen können. Wie schnell sich das Leben auf unvorhersehbarer Weise ändern kann. Des Weiteren ist „Irreversibel“, ein Beweis für sehr gute schauspielerische Leistungen. Das Skript zum Film, war nur drei Seiten lang und musste weitestgehend improvisiert werden. Noé’s Glück war es auch, dass er mit Vincent Cassel und Monica Belucci (Marcus und Alex) ein verheiratetes Paar für seinen Film gewinnen konnte. Was viel Authentizität mitbringt. Die grundlegenden Ereignisse, die Vergewaltigung im Tunnel und der Mord im „Rectum“, die in „Irreversibel“ stattfinden, verändern das Leben aller Beteiligten und das in einer einzigen Nacht.
Da haben wir Pierre (Albert Dupontel). Ein intellektueller, ruhiger, gefasster Mann. Der immer auf der Suche nach Erklärungen ist.
Die ganze Zeit über bildet er den ausgleichenden Pol, zu Marcus. Er ist das komplette Gegenteil von ihm. Immer versucht er, die Ereignisse ruhig und sachlich anzugehen, was ihm nie gelingt, denn Marcus lässt sich von ihm nichts sagen. Eher im Gegenteil letztendlich hört er immer auf Marcus.
Pierre hat die Trennung von Alex nie überwunden und er versteht auch nicht, warum Alex jetzt mit einem wie Marcus zusammen ist. Wie stark er an Alex noch hängt wird klar, wenn man ihn beobachtet als er Alex beim Tanzen zusieht. Wie ein Verliebter, himmelt er sie an. Als Alex von der Party geht, macht er sich Sorgen um sie. Er will wissen, warum sie gehen will, was passiert ist. Als sie aus dem Tunnel getragen wird, sagt er entsetzt: „Das ist meine Frau.“. Er will auch lieber zu ihr ins Krankenhaus anstatt mit Marcus ins „Rectum“ zu gehen. Marcus hindert ihn daran. Sein Wutausbruch im „Rectum“, den Mord des vermeintlichen Vergewaltigers, das machte er nicht um Marcus zu helfen, sondern aus Rache für Alex. Er macht Marcus schlecht, vor anderen und vor Alex. All das macht klar, dass er Alex noch immer liebt und zwar wie am ersten Tag.
Pierre ist es durchaus bewusst, warum er so handelt. Ihm ist klar, dass man sich nicht immer von Gefühlen leiten lassen kann. Er ist unfähig, sich gehen zu lassen. Er weiß immer was er tut, er ist sich der Konsequenz bewusst. Das macht ihn zu einem einsamen Menschen, der kaum Spaß am Leben hat. Der sich immer an Regeln hält. Aus Furcht vor den Konsequenzen.
Als er sich gehen lässt, tötet er, auf unvorstellbare Weise, einen Menschen. Ihm waren die Konsequenzen egal. Für Alex waren sie ihm, in diesem einen Moment, egal. Danach wurde ihm klar was ihn nun erwartet. Verbittert darüber schaut er, Schuld zuweisend, auf Marcus, welcher bewusstlos im Krankenwagen liegt.
Marcus ist ein Lebemann, der Spaß im Leben haben will. Er nimmt sich die Freiheiten wie er will ohne Rücksicht auf andere. Weder auf Alex, noch auf Pierre. Marcus lässt sich von seinen Gefühlen leiten. Er kokst wenn ihm danach ist. Er flirtet vor ihr mit zwei anderen Frauen. Es ist ihm egal, was sie dazu sagen würde.
Voller Wut und Rache, lässt er sich von zwei undurchsichtigen Typen, dazu hinreißen, den Vergewaltiger auf eigene Faust zu finden. Dabei rastet er immer wieder aus. Er will bedroht Konscha, weil er ihm sagen soll wo der „Bandwurm“ ist. Er prügelt sich mit dem Taxifahrer, weil der nicht weiß, wo dass „Rectum“ ist. Er zerstört das Taxi, weil er will dass Pierre mit ihm geht. Er pöbelt Leute an, weil er seine Rache will. Ohne Rücksicht auf Verluste. Sein Zustand ist verständlich, denn seine Freundin wurde vergewaltigt und zusammen geschlagen, aber dennoch verliert er in seinem Rachewahn den Blick darauf, dass andere nichts dafür können. Er verliert den Blick für das Wesentliche und das wird ihm zum Verhängnis. Als er im „Rectum“ die Prügelei mit dem vermeintlichen „Bandwurm“ anzettelt, unterliegt er. Ihm wird der Arm gebrochen und er wird vergewaltigt. Hunde die bellen, beißen nicht. Lautet ein Sprichwort.
Dann ist da noch die wunderschöne, charmante und bezaubernde Alex. Sie hat eine klare Vorstellung von ihrem zukünftigen Leben. Sie will ein Kind, von Marcus. Das ist fast das Einzige was sie beschäftigt.
Der Traum von dem sie erzählt, bringt sie mit ihrer Menstruation in Verbindung. Die ausgeblieben ist. Ein roter Tunnel, der zusammen bricht, also nicht mehr rot ist. Sie deutet das so, hervorgerufen durch das Buch was sie liest, dass sie schwanger ist. Gewissheit gibt ihr der Test den sie macht. Erleichtert darüber dass er positiv ist, lehnt sie sich entspannt zurück. Dass dieser Traum, zu ihrem Alptraum wird, weiß nur der Zuschauer. Glücklich über ihre Schwangerschaft, lässt auch sie sich etwas gehen, von ihren Gefühlen leiten. Anfangs die Sachlichkeit eines Pierre, auf der Party die Gelassenheit ihres Marcus. Als sie die Party verlässt, dann doch wieder Alex wunderschön, charmant und bezaubernd.
Noé hat für den Film als Überleitung der Szenen, nicht einfach Überblendung gewählt. Er lässt die Kamera kreisen und sich drehen. Je näher man dem Ende der Handlung kommt umso irrer wirkt das. Die ersten zwanzig Minuten des Films, wirken durch die wilde Kamerafahrt, wahnsinnig. Kaum eine Sequenz, die die Kamera länger einfängt. Immer ist sie woanders, wie auf einer Jagd. Sie macht das Zusehen fasst unerträglich. Als sie ihre wilde Fahrt beendet, machen die schrecklichen Bilder das Hinschauen unerträglich. Der Höhepunkt des Wahnsinns findet am Anfang des Filmes statt. Erst nach und nach begreift der Zuschauer warum dass alles Geschehen ist. Die unvorstellbare Art und Weise des Mordes im „Rectum“, wird uns noch unvorstellbarer, als wir erkennen das es einen Unschuldigen getroffen hat. Der „Bandwurm“ steht nach dem Mord, lächelnd in der Menge. Der Zeitpunkt, der grausamen Erkenntnis darüber, dass es sich um einen Unschuldigen handelt, hätte von Noé kaum besser gewählt werden können. Der Schrecken über die brutale Vergewaltigung von Alex und die gleichzeitige Erkenntnis des Zuschauers, machen stellen den Höhepunkt in „Irreversibel“ dar. Doch der Schrecken geht weiter. Wir allein erfahren, dass Alex schwanger ist als sie vergewaltigt wurde. Wir gehen davon aus, dass sie das Kind verloren hat, was das Geschehene noch furchtbarer macht.
„Die Zeit zerstört alles.“, sagt der Schlachter zu Beginn des Filmes. In „Irreversibel“ hat die Zeit das Leben von drei Menschen zerstört. Alles was geschehen ist, ist unumkehrbar…„Irreversibel“!
Verbindungen zu „Carne“ und „Menschenfeind“
Gaspar Noé hat mit „Irreversibel“ ein Kapitel seiner Kunst abgeschlossen. Es ist das Kapitel um den Schlachter, Philippe Chevalier (dargestellt von Philippe Nahon). Philippe Chevalier ist in „Carne“ und „Menschenfeind“ die tragende Figur. Obwohl ihm in „Irreversibel“ nur das Ende der Handlung gehört, ist es nicht zu übersehen dass er den ganzen Film über präsent ist. Es passieren Ereignisse, die schon mal da waren. Es brechen Gefühle aus, die man schon mal gezeigt wurden. Es gibt Orte, an denen man schon mal war. In „Irreversibel“ wird alles, was schon einmal da war, noch mal gezeigt oder gesagt. Gaspar Noé hat die drei Filme sicherlich nicht als Trilogie geplant oder konzipiert. Alle Drei funktionieren einzeln, da ihr Plot abgeschlossen ist. „Carne“ zeigt die Vorgeschichte von „Menschenfeind“. In „Menschenfeind“ wird sie durch Philippe aber selbst noch mal erzählt. Durch den Monolog zum Beginn von „Menschenfeind“ hat der Zuschauer den Einblick in das Wesen des Schlachters, ohne das er „Carne“ gesehen haben muss. „Menschenfeind“ führt die Geschichte von „Carne“ fort. „Irreversibel“ wird, durch die Ereignisse die stattfinden und die Szene am Anfang des Films, mit den beiden anderen Filmen verknüpft. Eine weitere wichtige Figur ist Cynthia, die stumme Tochter des Schlachters.
Die Erläuterungen zu den Verbindungen der Filme sind durch einzelne Überschriften gegliedert.
Die Verbrechen an Unschuldigen
Eine Verbindung der Filme sind die Verbrechen. In „Carne“ und in „Irreversibel“ werden zwei unschuldige Menschen, Opfer von Verbrechen. Als Cynthia ihre erste Periode bekommt, läuft sie verängstigt zu ihrem Vater, in die Schlachterei. Auf dem Weg wird sie von einem Mann angesprochen. Er begleitet sie ein Stück. An einer Baustelle, bleiben sie stehen und der Mann fängt an Cynthia zu bedrängen. Ein Bekannter des Vaters rettet sie aus dieser Situation und bringt sie zu Philippe. Als dieser das Blut auf dem Rock seiner Tochter sieht, denkt er sofort an eine Vergewaltigung. Er macht sich, mit einem Messer bewaffnet, sofort auf den Weg. Er will die eingebildete Vergewaltigung rächen. An der Baustelle trifft er auf einen Arbeiter. Diesen sticht er nieder und verprügelt ihn, mit Faustschlägen ins Gesicht. Passanten eilen dem zu Arbeiter zu Hilfe und beenden die Schlägerei. Hier erfährt man dass der Arbeiter unschuldig ist. Der Mann der Cynthia bedrängt hat, ist einer der Passanten. Philippe geht für seine Tat ins Gefängnis und Cynthia in ein Heim.
In „Irreversibel“ ist es Pierre’s Mord an dem vermeintlichen Vergewaltiger von Alex. Pierre glaubt so fest daran, dass der Mann der Marcus eben niedergeschlagen hat, der Vergewaltiger Alex’s ist das er ihn auf brutale Art und Weise tötet. Dass dieser Mann unschuldig ist, erfahren wir aber erst im weiteren Verlauf des Films.
Weiterhin gibt es auch Zusammenhänge in der Ausübung der Taten. In beiden Fällen reicht es den Tätern nicht, dass sie ihre Opfer zu Boden geschlagen bzw. gestochen haben. Als sie am Boden liegen werden die Opfer zusätzlich mit Gesichtschlägen verprügelt.
Anfang vom Ende
In „Menschfeind“ wir der Showdown des Films durch einen Countdown eingeläutet. Der Zuschauer hat 30 Sekunden um zu entscheiden ob er den Film weiter sehen möchte oder nicht.
Philippe ist mit seiner Tochter in dem Hotelzimmer wo sie gezeugt wurde. Sie steht am Fenster und schaut hinaus. Er holt seine Waffe. Entsichert sie und schießt Cynthia in den Hals. Sie fällt zu Boden und ist am verbluten. Ab dem Moment wo der Schuss fiel, ergreift Philippe eine panische Angst. Er schaut auf seine Tochter und weiß nicht was er tun soll. Denn sie lebt noch. Irre Gedanken schießen ihm durch den Kopf. In seiner Panik fragt er sich immer wieder was er nur tun soll. Er hört Stimmen, die ihm sagen dass er noch mal auf sie schießen soll. Im gleichen Moment, hört er schreiende Nachbarn. Da wieder Stimmen, sie sagen das sie da ist wo sie hingehört. Der Kreis schließt sich, sie ist zu ihrem Ursprung zurückgekehrt. Hier muss es beendet werden. Er schießt noch mal auf Cynthia und begeht danach Selbstmord.
In der nächsten Einstellung sehen wir den Schlachter wie er gerade dabei ist seine Waffe zu ziehen. Er schaut Cynthia an legt die Pistole wieder in das Versteck. Es wird klar, das das eben nicht passiert ist.
Diese Szene ist vergleichbar mit der Kamera, die Marcus im „Rectum“ verfolgt. Auch sie vermittelt einen paranoiden Eindruck.
Beide Szenen sind am Ende der Handlung. Beide Szenen wirken wahnsinnig, irre und verzweifelt. Der einzige Unterschied ist die Kommunikationsmittel die Noé gewählt hat. In „Menschenfeind“ ist der Wahnsinn hörbar, in „Irreversibel“ sichtbar.
Vergewaltigung / Inzest
In beiden Filmen - „Menschenfeind“ und „Irreversibel“ - gibt es Tunnelszenen. In „Irreversibel“ ist die Szene eine der schrecklichsten Szenen des Films. In „Menschenfeind“ gibt es nur eine kurze Tunnelszene aber beide Szenen stehen im Zusammenhang. Als Philippe, Cynthia aus dem Heim abholt, geht er mit ihr durch einen weißen Tunnel. Weiß die Farbe der Unschuld. Noch ist Cynthia unschuldig. Bei der Tunnelszene in „Irreversibel“, ist der Tunnel rot. Rot die Farbe der Liebe, Lust und der Sünde. Hier begeht Phillippe die Sünde der Blutschande. Dass er mit seiner Tochter geschlafen hat, erzählt er eingangs in „Irreversibel“. Der Geschlechtsakt wird aber nie gezeigt. Alex’s Vergewaltigung ist die Metapher auf diesen Geschlechtsakt. Das Ende von „Menschenfeind“ zeigt, das Philippe in seiner Tochter mehr sieht, als eine Tochter. Er liebt seine Tochter, auf eine Art und Weise, die verboten ist. Er sehnt sich nach intimer Zuneigung zu ihr. Dies wird durch zwei Dinge deutlich, seine Handlungen und einen inneren Monolog. Er drückt sie fest an sich, streichelt sie, küsst sie und er fasst ihr in den Schritt. „Ich weiß nicht wie dieser Tag enden wird. Aber hier mit dir, lebe ich und ich bin glücklich, glücklicher als je zuvor. Der Rest ist unwichtig. Es ist vielleicht unser letzter Tag. Vielleicht auch nicht. Vielleicht erschieß ich mich nie. Vielleicht schlaf mit dir und werde morgen eingelocht…Du bist meine Tochter und ich mache aus dir, eine Frau. Wir werden es tun und wir werden glücklich sein und es wird unser Geheimnis bleiben…“, sagt er innerlich und streichelt dabei die Brust seiner Tochter. Zwei weitere Hinweise auf Inzest finden sich in „Irreversibel“. „Nenn mich Papa!“. Diese Forderung stellt der „Bandwurm“, während der Vergewaltigung, an Alex. Doch Alex kann nicht sprechen, sie ist stumm wie Cynthia.
Gaspar Noé hat mit seinen drei Filmen, sein enormes Talent und sein Können als Regisseur unter Beweis gestellt. Er greift Tabuthemen auf, und stellt sie drastisch dar. Alles über einen Zeitraum von über zehn Jahren. „Carne“ erschien 1991, „Menschenfeind“ 1998 und „Irreversibel“ 2002. Sein Thema, hat ihn lange beschäftigt. Er hat es sehr kontrovers, aber perfekt in Szene gesetzt. [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
Lohn der Angst (1953) von Henri-Georges Clouzot [Avi (DivX)]
Info & Review
Spoiler:
Einer der bedeutendsten Actionfilme stammt aus Frankreich. Es ist Henri-Georges Clouzots „Le Salaire De La Peur“, in Deutschland bekannt unter dem Titel „Lohn der Angst“. Der Film setzte im actionbetonten Abenteuerkino Maßstäbe für die Ewigkeit.
Las Pietras, Venezuela. In dieser trostlosen Stadt am Ende der Welt lungern arbeitslose Halunken herum, darauf wartend, dass sich ihr Status Quo wohl ändern möge. Viele brauchen nur etwas Geld, um wegzukommen. Eines Tages eröffnet sich ihnen eine große Chance: eine Ölquelle, 500 Kilometer entfernt, steht in Flammen. Nur, wenn eine Ladung Nitroglyzerin gezündet wird, kann das Feuer gelöscht werden. Dazu muss die hochexplosive Ladung auf behelfsmäßig hergerichteten Lastwagen zum Ziel gefahren werden. Viele melden sich freiwillig, vier werden ausgewählt. Es sind Mario (Yves Montand), Jo (Charles Vanel), Bimba (Peter van Eyck) und Luigi (Folco Lulli). 2.000 Dollar werden ihnen ausbezahlt, sollten sie ihr Ziel erreichen. Doch der Weg führt sie durch unwegsames und völlig ungesichertes Gelände. Jede Unebenheit kann die gefährliche Ladung zur Explosion bringen. Zwei Laster starten, doch es ist ungewiss, ob überhaupt einer ankommt. Unterwegs erfahren die vier Wagemutigen am eigenen Leibe, auf was für ein Himmelfahrtkommando sie sich eingelassen haben.
„Lohn der Angst“ wird als einer der spannendsten Filme aller Zeiten, Muster an Präzision in permanenter Steigerung von Suspense-Situationen (VideoWoche) gelobt. Wer sich vor Ansicht des Films kritisch fragt, ob es überhaupt möglich ist, aus einem Film, der von einem Transport handelt, eines der spannendsten Werke aller Zeiten zu machen, wird eines besseren belehrt. Der Auftakt gestaltet sich ein wenig ausholend, es dauert tatsächlich, bis „Lohn der Angst“ in die Gänge kommt. Henri-Georges Clouzot lässt sich Zeit, Umgebung und (Anti-)Helden genau zu porträtieren und zu charakterisieren. Doch wenn es zum Himmelfahrtskommando kommt, wird die Spannungsschraube schnell und erbarmungslos angezogen. Nach mehr als 100 nervenaufreibende Minuten besteht dann kein Zweifel mehr an der Tatsache, dass „Lohn der Angst“ tatsächlich zum Spannendsten gehört, was die Leinwände je heimgesucht hat. Alfred Hitchcock, der Master of Suspense, hätte es wahrlich nicht besser machen können.
“Nein, ich bin wirklich nicht in der Lage, „Lohn der Angst“ als Zuschauer oder gar als Kritiker anzusehen. Das Publikum befindet sich auf der einen Seite der Leinwand, wir auf der anderen und es ist uns nicht möglich, die Plätze zu tauschen. Die sechzehn Filmrollen, die gleich projiziert werden, liegen dort in einer Ecke des Vorführraumes. Sie haben zwei Jahre Arbeit gekostet und manchmal – warum soll ich es verschweigen? – ungeheure Kraft. Mehr als hundert Kollegen haben dafür ihr Bestes gegeben. Soviel ich weiß, gibt und gab es in der Geschichte des französischen Kinos kein Team, das verschworener, begeisterter und verbissener gearbeitet hat als das, welches mich während dieser langen Monate unterstützt und manchmal auch angetrieben hat. Trotz Regen, Kälte, Überschwemmungen, Krankheiten und der permanenten Unfallgefahr haben diese Menschen Stück für Stück, Meter um Meter den Film festgehalten, den Sie gleich sehen werden.“ Henri-Georges Clouzot, anlässlich der Vorpremiere seines Films.
Nicht nur im Film war das Himmelfahrtskommando ein Leidensweg. Die Crew musste viel auf sich nehmen. Öl und Abgase beeinträchtigten die Gesundheit von Yves Montand und Charles Vanel, die in einer ganz bestimmten Szene gezwungen waren, ein Ölbad zu nehmen. Die Qualen, welche die Crew während der Dreharbeiten auf sich genommen hat, sind deutlich im Film wieder zu erkennen. Kaum ein Abenteuerfilm wirkt so authentisch, ist so intensiv wie „Lohn der Angst“. Der Betrachter wird mit hineingerissen in das Spektrum des Geschehens. Inszenierung, Ausstattung, Darsteller und Musik bündeln ein perfektes Filmpaket, atmosphärisch extrem dicht und mustergültig in allen Belangen.
„Lohn der Angst“ ist ein Abenteuerfilm mit Thrillerelementen. Doch Henri-Georges Clouzot weiß, dass Hochspannung erst richtig funktioniert, wenn der Zuschauer die Helden in sein Herz geschlossen hat. So lässt er sich viel Zeit für eine präzise Charakterisierung. Großmäuler werden als Feiglinge entlarvt oder schweigsame Griesgrame als vorbildliche Teamworker. Die Geschichte baut sich behutsam auf, lässt sich Zeit mit der Entwicklung und setzt auf Glaubwürdigkeit. Wenn es dann schließlich spannend und actionbetont wird, bleibt der Ablauf nachvollziehbar und die Helden lebensnah, da zuvor der entsprechende Grundstein gelegt wurde.
Die Schauspieler tragen zum guten Gelingen des Films bei. Sie sind mit Leib und Seele bei der Sache, was sie zu mehr als nur Darstellern macht, sie sind die Protagonisten. Grandios ist die Performance von Charles Vanel als Jo, der großspurige Gangsterrentner. Zu Recht bekam er beim Cannes Film Festival 1953 eine besondere Erwähnung für seine darstellerische Leistung. Als Jo in Las Pietras ankommt, macht er sofort den etwas naiven und leicht zu beeindruckenden, an sich aber integeren Mario (Yves Montand) zu seinem Schoßhündchen. Als es dann aber zur Sache geht, entpuppt sich der Großkotz als Feigling. Für Jo hatte Mario seinen früheren Freund, den gutmütigen Luigi (Folco Lulli), im Stich gelassen. Doch gerade er erweist sich während des Himmelfahrtkommandos als wahrer Held. Der Vierte im Bunde ist Bimba (Peter Van Eyck), ein schweigsamer, meist finster drein blickender Deutscher. Als die Extremsituation eintritt, zeigt er sein wahres Gesicht und überzeugt als aufopferungsvoller, selbstsicherer Kollege.
„Lohn der Angst“ ist manchmal witzig, sehr spannend, aber auch düster. Existenzialismus paart sich mit der Aussichtslosigkeit des Unterfangens. „Lohn der Angst“ ist ein französischer Film frei von hollywood’schen Konventionen. Es kann jeden treffen, es gibt keine Helden, die wirklich und sicher überleben werden und ein Happy End ist schon gar nicht gewährleistet. So wird der Betrachter im Laufe des Films denn auch einige schockierende Überraschungen erleben. Beim Release wurde der Film für das amerikanische Publikum stark gekürzt. Zu lang sei er, doch an mancher Stelle dürfte er wohl auch etwas zu unerbittlich gewesen sein. Auch kamen einige US-kritische Ansätze nicht besonders gut an. Inzwischen lässt sich das Meisterwerk in der ungekürzten Originalfassung genießen und ist auf DVD erhältlich. Es empfiehlt sich, diesen Film (mit Untertitel) im O-Ton anzuschauen. Nur so kommt die Vielfältigkeit und Perfektion voll zur Geltung. In Las Pietras, Venezuela, sind viele Nationen versammelt. Es wird Französisch, Spanisch, Englisch und Deutsch gesprochen.
„Lohn der Angst“ ist ein exzellenter Abenteuerfilm, perfekt arrangiert, hat Maßstäbe für das Action-, Abenteuer- und Spannungskino gesetzt und unterhält auch heute noch so fesselnd wie bei Erstaufführung. Ein Must-See, nicht nur für Fans abenteuerlicher Actionfilme. René Malgo (Filmstarts.de)
Abbott and Costello started with Frankenstein in 1948, and then proceeded to meet all the great monsters. In this film, the cowardly, hilarious duo team up with the King of Horror, Boris Karloff, as the misguided, evil Dr. Jekyll and his counterpart as the malicious, psychotic Mr. Hyde. This is the next best horror-comedy film for the duo after Frankenstein. It has wonderful sets, funny moments, and fantastic makeup as various individuals turn into Hyde-like beasts and Lou turns into a giant mouse. Karloff somehow remains his ever so serious self, amidst the slapstick humour. You can all most look in his eyes and see him thinking he is above this, but he turns in a very nice performance nonetheless.
Regisseur: Steven Spielberg Darsteller: * Danny Glover: Albert * Whoopi Goldberg: Celie * Margaret Avery: Shug Avery * Oprah Winfrey: Sofia * Rae Dawn Chong: Squeak * Akosua Busia: Nettie USA 1985 Videoinfo:
Durch seinen melodramatischen, durch D.W. Griffith inspirierten Ansatz bei der Verfilmung des Romans Die Farbe Lila von Alice Walker, bewies Steven Spielberg, dass er einer der wenigen modernen Filmemacher ist, der die visuelle Gewandtheit besäße, einen großartigen Stummfilm zu produzieren. Wegen dieser Taktik war der Film nicht unumstritten, doch wurde er letztendlich zum Publikums-Hit. Man kann über die Angemessenheit von Spielbergs Entscheidung streiten, aber sein erstaunlicher Umgang mit Bildern ist unbestritten -- von der berauschenden Eröffnungsszene von spielenden Kindern in paradiesischen, lilafarbenen Feldern bis hin zu der Art und Weise, wie er die Brutalität einer Vergewaltigung vermittelt, indem er herabhängende Lederriemen zeigt, die gegen das Kopfende des wackelnden Bettes schlagen.
Inhalt • I N H A L T • Der ebenso verzweifelte wie kleine marokkanische Gauner André (Jamel Debbouze) hat genug von seinem kümmerlichen Dasein und der ständigen Flucht vor seinen zahlreichen Gläubigern, er beschließt sein Leben mit einem Sprung in die Seine abzuschließen. Just als er seinen Beschluß umsetzen möchte entdeckt er jedoch eine Frau auf der gleichen Brücke und anstatt sich umzubringen rettet André die schöne Unbekannte namens Angela (Rie Rasmussen). Fortan heftet sich Angela wie eine Klette an André, kaum einen Schritt ohne sie kann er noch machen. Aber wie es aussieht tut ihm das gut, denn Angela scheint seinen bisherigen ewigen Begleiter verscheucht zu haben: seine Pechsträhne. Das Blatt wendet sich für André, die Dinge laufen gut wie nie zuvor und schließlich erzählt ihm Angela die unglaubliche Geschichte ihrer Herkunft ... [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
• R E W I E V • Mehr als sechs Jahre mussten sich Bessons Fans gedulden bis mit Angel - A sein nächstes Projekt das Licht der Leinwand erblickt. Zu sehr hat Luc Besson sein Talent in Dutzende mehr oder weniger nutzlose Werke als Produzent gesteckt. Als seine letzte Regiearbeit The Messenger: The Story of Joan of Arc trotz guten Kritiken an den Kassen floppte, war es ruhig um den Franzosen geworden. Einzig die von ihm in letzter Zeit verfassten Drehbücher drangen aufmerksam in die Öffentlichkeit. Nun ist er wieder zurück an dem Platz wo er hingehört, auf den Regiestuhl. Und diesen Stuhl füllt er mit Präsenz aus, die ihm seit jeher ausgezeichnet hat. Angel - A ist ein kleiner aber feiner Film über Liebe, Angst, das Versagen und der Hoffnung. Angel - A bietet alles was ein cineastisches Herz benötigt. Er beinhaltet Wortwitz, ist sensibel, berührend und mit einer imposanten schwarz / weißen Bildsprache ausgestattet. Jedes einzelne eingefangene Bild erlaubt dem Liebhaber seiner Kunst ein kleines zufriedenes Seufzen. Fast jede Abbildung eingerahmt würde stilgerecht in eine Ausstellung passen. Dabei sei es jedem einzelnen Zuseher selbst überlassen ob er die von Besson selbst geschriebene Geschichte originell findet, oder nicht. Der Punkt ist einfach das Luc Besson das gewisse Gefühl besitzt, jede Szene in eine bestimmte Stimmung zu bringen. Das Flair das Angel - A umgibt ist intensiv und eindrucksvoll. Um diese Bilder in den richtigen Rahmen zu bekommen engagierte Luc seinen französischen Landsmann und Freund Thierry Arbogast. Er gilt als absolutes Genie und einer der großen Photographen Frankreichs. Seine sinnlichen verträumt poetischen Bilder im Film werden oft im Gegenlicht gehalten und ergeben deshalb des öfteren einen karikaturistischen Effekt den man aus diversen Scherenschnittfilmen kennt. Außerdem bietet Angel - A ohne Farben so viele Schattierungen an das getrost auf Bunt verzichtet werden kann. Kunst kann so schön und einfach sein. Und Paris als Schauplatz sowieso !
Ein Mann trifft eine Frau in Paris. ( Zitat: Luc Besson )
Als Hauptprotagonisten wurden zwei grundverschiedene Typen unter Vertrag genommen. Zum einen der kleinwüchsige Komiker Jamel Debbouze ( Die wunderbare Welt der Amelie ) der den notorischen Lügner und gefallenen Geschäftsmann verkörpert. Zum anderen das dänische Topmodell und Gucci Gesicht Rie Rasmussen, die von Gott gesandt, den kleinen frechen Chaoten wieder auf die Beine helfen soll. Die Beiden sind von so unterschiedlicher Statur das sie eine perfekte, fast bizarre Einheit ergeben. Ihre unendlich langen Beine, ihre Schlagkraft gepaart mit seiner Verzweiflung ergeben ein rührendes Resultat und tragen maßgeblich zum gelungenen Produkt bei. Die restliche Besetzung wurde nach einem typischen Besson Verfahren gecastet und ihre Charakter sind aus früheren Werken altbekannt. Sind es die grimmigen Ganoven mit gebrochener Nase oder die mafiosoähnlichen Gestalten mit Bürstenschnitt. Sie alle bezeichnen den Stil der sich wie ein dünner Faden durch das Gesamtschaffen Bessons zieht. Das Luc gewisse Vorlieben für bestimmte Ähnlichkeiten seiner Darsteller bekannt ist beweist die Besetzung von Rie Rasmussen im Vergleich zu Milla Jovovich.
Einzig die Tatsache das Eric Serra diesmal nicht für den Score eines Luc Besson Film zuständig ist, sorgt für Unmut und Verwirrung. Nicht das der Soundtrack von Anja Garbarek nicht passend oder gar unmelodiös wäre, aber eine vertraute Serra Melodie würde die Empfindung von Angel - A weiter anheben. Den Eindruck mit großer Wahrscheinlichkeit noch bleibender vermitteln. Serras einzigartige Klänge prägen ein Werk und von diesem Status ist die Komponistin und Musikerin Anja Garbarek noch deutlich entfernt. Doch sei für Bessons nächstes Vorhaben Entwarnung angesagt. In Arthur and the Minimoys ist Eric Serra wieder für die musikalische Untermalung zuständig.
Fazit: Luc Besson beweist mit Angel - A einmal mehr sehr deutlich das es keinerlei Millionen Euro benötigt um einen hervorragenden Film zu inszenieren. Talent und vor allem Fingerspitzengefühl genügt um aus etwas Kleines etwas ganz Großes zu schaffen. Er besinnt sich wieder auf alte Stärken und sein Comeback lässt auf weitere Geniestreiche, wie Dieser einer ist, hoffen... [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
Der grosse Irrtum - Der Konformist - Il Conformista von Bernardo Bertolucci (1999) deutsch, italienisch & englisch - Xvid & externe dt. Subs
Inhalt & Review
Spoiler:
Inhalt • I N H A L T • Die Tragödie eines Mannes, den ein Schuldkomplex aus früher Jugend dazu treibt, so sein zu wollen wie alle anderen. Er wird zum Mitläufer des Faschismus und läßt sich von der Geheimpolizei als Denunziant mißbrauchen, muß jedoch Jahrzehnte später erkennen, daß sein Konformismus nicht aus einem persönlichen Trauma, sondern aus gesellschaftlichen Zwängen resultierte... [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
• R E W I E V • Bernardo Bertolucci verfilmte den 1951 veröffentlichten Roman "Il conformista" von Alberto Moravia. Während die deutschsprachige Übersetzung des Romans 1960 unter dem Titel "Der Konformist" erschien, kam die Verfilmung als "Der große Irrtum" in die deutschen Kinos.
Es geht um die Tragödie eines Mannes, der glaubt, als Kind jemand getötet zu haben und sich deshalb unter allen Umständen anpassen zu müssen. Nach dem Zusammenbruch des faschistischen Regimes in Italien begreift der Konformist, dass sein Leben ein großer Irrtum war und er erst dadurch schwere Schuld auf sich geladen hat.
Die bestürzende psychologische Studie benützt Bernardo Bertolucci, um die unmenschlichen Mechanismen des Faschismus zu entlarven.
"Der große Irrtum" ist nicht nur inhaltlich anspruchsvoll, sondern auch ein stilistisch ausgefeiltes Meisterwerk. Bernardo Bertolucci erzählt den größten Teil der Handlung in Rückblenden, während Marcello und Manganiello den Wagen des Ehepaars Quadri verfolgen. Obwohl die Atmosphäre vorwiegend kühl und nüchtern ist, wühlt der Film die Zuschauer auf. Jean-Louis Trintignant spielt die Hauptrolle lakonisch und überzeugend. [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
Video Infos
Spoiler:
--- Rip Infos --- Die deutsche TS hat ca. 5 Minuten O-Ton, welcher sich mit den Untertitel überbrücken lassen.
Der grosse Irrtum - Der Konformist (Il Conformista) Bernardo Bertolucci, 1970 - dt., ital. & engl.avi Dateigröße : 1.45 GiB Format : Audio Video Interleave Gesamte Bitrate : 1856 Kbps Spielzeit : 1h 51min Verwendetes Programm : VirtualDubMod 1.5.4.1 (build 2178/release) verwendete Encoder-B : VirtualDubMod build 2178/release
Factotum von Bent Hamer (2005), DVDScr MD MVCD Deutsch
Review
Spoiler:
Drinking and thinking
Es ist ein gemeinhin bekannter Widerspruch, dass die sogenannte stade Vorweihnachtszeit üblicherweise das genau Gegenteil von ruhig und still ist. Wer vor adventlichem Lärm, Hektik und Stress für kurze Zeit fliehen möchte, dem sei ein Besuch des Films FACTOTUM empfohlen. Der neue Film von Bent Hamer stellt sich nicht nur gegen die Hektik unseres Vorweihnachtsalltags, sondern auch gegen den Lärm und Trubel, der vielfach in unseren Kinos herrscht (auf der Leinwand ist in diesem Fall gemeint, und nicht im Zuschauerraum). Zudem ist er ein wirksames Antidot gegen die Flut von Gutmenschelei und Heile-Welt-Kitsch, die jedes Jahr zu dieser Zeit über uns hereinbricht.
FACTOTUM beruht auf Leben und Werk von Charles Bukowski, dessen literarisches Alter Ego Hank Chinaski hier eindrucksvoll von Matt Dillon dargestellt wird. Hanks Leben besteht im Grunde aus saufen, schreiben, Sex und Geldverdienen, wobei er hinsichtlich des letzten Punktes die mühelosen Möglichkeiten (Rennbahn, Arbeitsamt) den mühevollen (Arbeit) eindeutig vorzieht.
Mit charmantem Minimalismus beschränkt sich FACTOTUM darauf, Hank bei diesen vier Tätigkeiten zu begleiten und erspart uns dabei moralische Wertungen, gesellschaftliche Kritik und jede Form von Erklärungsversuchen. Dem Film fehlt zwar sowohl ein eindeutiger Spannungshöhepunkt als auch eine "Botschaft" aber gerade das macht ihn so sympathisch.
Jenseits der sinnlosen Diskussion darüber, ob FACTOTUM die Brillanz seiner literarischen Vorlage erreicht, kann man sachlich feststellen, dass er in jedem Fall stilistisch den Geschichten Bukowskis nahe kommt. Das zeigt sich in den episodenhaften, sich wiederholenden Erlebnissen ebenso, wie am melancholisch trockenen Humor. Oder an den stimmungsvollen Zustandsbeschreibungen (im Film oft durch ausdrucksstarke Bilder). Oder an den knappen aber sehr präzisen Charakterisierungen der Figuren. Oder an der Vermeidung von Stereotypen über exzessive Künstler, "coole" Säufer und die Welt der Verlierer und Ausgestoßenen.
Immer wieder erreicht der Film eine beinahe lyrisch literarische Qualität, wozu auch die sonoren Off-Kommentare von Matt Dillon einen nicht unerheblichen Beitrag leisten (einmal mehr deshalb auch hier die ausdrückliche Empfehlung der englischen Originalversion). Trotzdem (und zum Glück) ist FACTOTUM weit davon entfernt, ein "Filmgedicht" zu sein; er ist voll und ganz dem Medium Film verpflichtet und die Literatur ist nur als Einfluss erkennbar.
Eine gute literarische Vorlage hilft gar nichts, wenn es nicht gelingt, sie angemessen umzusetzen. Der Regisseur Bent Hammer hatte damit offensichtlich keine Probleme und musste sich dafür noch nicht einmal umstellen. Bereits in seinen früheren Filmen wie EGGS oder KITCHEN STORIES pflegte er diese pittoreske, verschrobene, melancholische Weltsicht, die sich nun nahtlos mit den Texten Charles Bukowskis verbindet.
Sehr gelungen ist dabei die visuelle Umsetzung (Kamera John Christian Rosenlund), die sich geschickt zwischen sprödem Realismus, verklärenden Sepia-Touch, konstruierten Tableaus und Edward Hopper-Stil bewegt. Fast überflüssig zu erwähnen, dass hektische Schnitte und rasante Kamerafahrten ganz fehlen.
Bleibt nur noch der Hinweis, auf die hervorragenden schauspielerischen Leistungen, allen voran natürlich Matt Dillon als Hank Chinaski. Dillon trifft sehr genau das stille Revoluzzertum, die sonderbare Anziehungs- und Überzeugungskraft und die stoische Konsequenz der Vorlage Chinaski/Bukowski bzw. dessen, was man sich darunter vorstellt. Absolut adäquat behaupten sich daneben Lily Taylor und Marisa Tomei als Hanks Freundinnen. Ihre Rollen sind nicht ganz so schillernd wie die Dillons, doch wie in der Vorlage liegt die Herausforderung gerade darin, neben dem Monolithen Chinaski bestehen zu können. Das selbe gilt dann auch für all die anderen kleinen bzw. winzigen Rollen, die es selbst in wenigen Szenen schaffen, einen Eindruck zu hinterlassen.
Auf alle Fälle wird mancher nach dem Besuch von FACTOTUM die vorweihnachtliche Zeit mit anderen Augen betrachten (im positiven Fall gelassener, im negativen Fall mit Abscheu) und wer noch dringend ein Geschenk benötigt, der wird in der nächsten Buchhandlung unter B wie Bukowski fündig.
Enemy Mine - Geliebter Feind von Wolfgang Petersen (1985), Xvid German
Story
Spoiler:
Im Weltraum tobt ein gnadenloser Krieg zwischen der Menschheit und echsenartigen Wesen, den Dracs. Nach einem erbitterten Gefecht müssen der Pilot Davidge (Dennis Quaid) und der Drac Shigan (Louis Gossett jr.) auf einem trostlosen Planeten notlanden. Unvorstellbare Gefahren, unheimliche Wesen und eine erbarmungslose Natur lassen die beiden Feinde zu Partnern werden. Doch das gegenseitige Mißtrauen ist nicht leicht zu überwinden...
Ein actiongeladenes Weltraum-Abenteuer von 'Boot'-Regisseur Wolfgang Petersen.
"Alles beginnt mit dem Platzieren einer Blume auf einem beschaulichen, von Palmen am Rand verzierten Weg, durch eine Hand einer Mannequinpuppe. Nachdem die Blume dort liegt, wo sie liegen soll, verschwindet die Hand wie durch einen Zauber. Schon allein diese ersten Szenen des Films zeigen, dass dies kein plausibles Universum ist, in dem wir uns in "Meshes of the Afternoon" bewegen. Die Hand, die von oben ins Bild herein greift, wirkt künstlich, könnte sogar als Gottes Hand interpretiert werden. Der Film folgt dann der Frau, die die Blüte vom Straßenrand aufhebt.
Diese Frau wird von Maya Deren selbst gespielt und ist Dreh- und Angelpunkt von "Meshes of the Afternoon". Zunächst sehen wir die Frau nur als Schatten. Wir sehen zwar, wie sie ihre Hände einsetzt, um die Blume aufzuheben, um an der Tür ihres Zuhauses zu klopfen, und diese Tür mit einem Schlüssel aufzuschließen, nachdem sie ihn versehentlich auf den Boden fallen lässt; und wir sehen, wie ihre Füße über den Boden gehen. Alles andere jenseits dieser menschlichen Funktionen wird nur durch den Schatten an der Wand dargestellt. Im Inneren ihrer Wohnung gibt es dann eine schwindelerregende POV-Handkamerafahrt Trepp’ auf, und Trepp’ ab. Und schließlich findet die Frau in einem Sessel vor einem Fenster Schlaf.
Ihr Entschwinden in die Traumwelt sehen wir aus ihrer Perspektive: Während sie beim Entschlummern aus dem Fenster sieht, legt sich ein schwarzer Schimmer über das Bild, bis es schließlich komplett dunkel ist. Deren nimmt uns mit in eine noch verfremdete Traumwelt: Hier geht eine eigentümliche Person umher. In schwarzer Kutte umhüllt wandert die Figur schnellen Schrittes auf dem Weg, den die Frau wenige Minuten zuvor gegangen ist. Die mysteriöse Person trägt eine Kapuze, jedoch statt eines Gesichts trägt der Schemen einen Spiegel. Die Frau rennt dem menschlichen Mysterium nach, holt es aber nicht ein, und kehrt auf halber Strecke zur Wohnung zurück.
Von nun an befinden wir uns in einem halluzinatorischen Strudel voller Duplizitäten. Die Strukturen der Zeit werden weggewischt, alles wiederholt sich unaufhörlich, und endet letzten Endes an dem Punkt, wo es begann. Jegliche Logik innerhalb der Räumlichkeiten wird dank der irrsinnig verwinkelten Kameraperspektiven ad absurdum geführt. Die Frage, was Wirklichkeit und was Traum ist, kann nicht beantwortet werden - beziehungsweise wird gar nicht erst gestellt, da Realität und Einbildung zu einem surrealen Ganzen verschwimmen. Innerhalb dieses verzerrten Universums läuft die Zeit vorwärts, rückwärts und dabei streckenweise noch beschleunigt.
Wobei es in diesem gespenstischen Angsttraum dann letzten Endes geht, ist dem Zuschauer selbst überlassen. Aus Schlüsseln werden Messer, und in einer Szene sitzen sich drei identische Frauencharaktere gegenüber. Im Finale kommt es dann zu einem Selbstmord. Dabei gibt es im Laufe der 13 Minuten keine wirkliche Narration. Die Geschichte, wenn man sie so nennen kann, wird durch die Monatge eher zu einer abstrakten Struktur, als dass man eine traditionelle Erzählweise wieder findet. Der feministische Avantgarde-Film möchte keine fixe Interpretation hervorrufen, sondern lässt es aufgrund seiner weit ausladenden Phantastik zu, dass ein jeder selbst etwas in die traumhaften Bilder lesen kann.
Nach 13 Minuten hat man den Triumph des Films als Kunst hinter sich. Maya Derens Meisterwerk ist ein enigmatisches Meisterwerk durch und durch. Die innovativ gestalteten Bilder, düster und irritierend, und die fantastische Montage, die sämtliche Grenzen der Logik und des Verstandes einrennt, fügen sich zu einem brilliant funktionierenden Film zusammen, der meditativ und hochgradig lyrisch wirkt. "Meshes of the Afternoon" ist mit Sicherheit eines der schönsten, herausfordernsten Stücke Film aller Zeiten, ein surreales, verstandbeugendes Gedicht." ([ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ])
Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul - von Fatih Akin (2005) mal deutsch, mal türkisch - Xvid & optionale engl. Subs und Soundtrack
Wenn ihr einen Ort besucht und wissen wollt, welche Kultur dort herrscht, welche Tiefen und Oberflächlichkeiten dort vorhanden sind, dann hört euch die Musik an, die dort gemacht wird. Ihr werdet alles über diesen Ort erfahren. Konfuzius
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Inhalt • I N H A L T • & • R E W I E V • Schon der weise Konfuzius hat gesagt, wenn man eine Kultur verstehen will, muss man sich die Musik, die dort gemacht wird, reinziehen. Genau dieser alten Weisheit folgt Fatih Akin (im Juli, Gegen die Wand) in seinem neuen Dokumentarfilm Crossing the Bridge: The Sound of Istanbul. Mit Hilfe der Musik ermöglicht er spannende Einblicke in die lebendige Stadt am Bosporus, der Meerenge, welche Asien und Europa geographisch trennt.
Alexander Hacke, Bassist der deutschen Band "Einstürzende Neubauten" spielt den musikalischen Reiseführer. Hacke kam bei der Musikproduktion für den Film Gegen die Wand erstmals mit der Stadt und ihrem musikalischen Reichtum in Kontakt. Als er von der Istanbul-Band "Baba Zula" angefragt wird, am Bass einzuspringen, sagt der leidenschaftliche Musiksammler sofort zu. Er packt jedoch nicht nur seine Bassgitarre ein, sondern auch sein mobiles Aufnahmestudio. Begleitet von Akins Kamera stürzt er sich in den Istanbuler Musikdschungel, um dessen enorme Vielfalt einzufangen und auf Tape oder besser gesagt auf Festplatte zu bannen.
Suchen muss Hacke die Musik in Istanbul jedoch nicht, denn Musik wird hier immer und überall gemacht: Auf der Strasse, in Hinterhöfen, Cafés und in Teestuben. Von modernen elektronischen Klängen, über brachialen Rock und türkischem Hip-Hop bis hin zu klassischer türkischer Musik. Dem westlichen Publikum wird dabei ein breites Musikspektrum zu Gehör gebracht. Einiges tönt vertraut, vieles jedoch bizarr, exotisch oder auch verwirrt. Denn am Bosporus treffen mit Asien und Europa, Orient und Okzident, auch verschiedenste Kulturen aufeinander und mit ihnen verschiedene Rhythmen, Instrumente und Gesänge.
Die Musiker des Films, ein gutes Dutzend, so verschieden sie auch sind, haben eines gemeinsam: ihre Leidenschaft zur Musik. So zum Beispiel CEZA, von dessen ultraschnellen Raps sich Eminem gleich einige Scheiben abschneiden könnte. Äusserlich unterscheidet er sich zwar kaum von seinen Hip-Hop-Kollegen aus dem Westen (Hose tief, Shirt gross...), aber mit Gangsta-Posen habe er nichts am Hut, sagt er, ihm gehe es beim Reimen ausschliesslich um ernsthafte Botschaften. Oder die Band Duman, deren Sänger mit 21 in die Grunge-Hochburg Seattle auszog, um sich auszuprobieren, dann aber aus Heimweh begann türkische Songtexte zu schreiben. Heute ist Duman mit ihrem Punkrock enorm erfolgreich.
Der Film dokumentiert einerseits eindrücklich die Istanbuler Musikszene, auf der anderen Seite gewinnt man über die Musik und ihre Macher tiefe Einblicke in die türkische Kultur und Geschichte.
Rating Durch den Genre-Wechsel hat sich Fatih Akin nach Gegen die Wand wohl ein wenig den Erfolgsdruck und die Vergleichsmöglichkeiten von den Schultern genommen. Meine Erwartungen an den Doku-Film waren trotzdem sehr hoch. Vorne weggenommen, sie wurden dann auch erfüllt. Crossing the Bridge ist eine sehr unterhaltsame und informative Dokumentation über Istanbul, über die Einwohner von Istanbul und über die Musik von Istanbul.
Trotz dem Genre-Wechsel kann man Parallelen zum Vorgänger-Film Gegen die Wand herausspüren. Fatih Akin als Mittler zwischen den Kulturen. "Wenn wir schon die Grenzen auf der Landkarte nicht abschaffen können, müssen wir doch die Grenzen im Kopf aufbrechen und überschreiten", so Akins Kernaussage zum Film. "Die Sounds of Istanbul", die Hacke einfängt, sind grossartig. Es geht Akin, das macht den Film auch so interessant, nicht nur um die hippste Musik, sondern auch um ihren Ursprung, um den Einfluss der traditionellen türkischen Volksmusik, aber auch um die Musik von Minderheiten wie den Kurden, Sinti oder Roma.
Crossing the Bridge: The Sound of Istanbul macht Spass! Die Musik, die Leute, die Stadt sind wunderbar. Zudem ist Fatih Akins Handschrift unverkennbar. ... [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
"Crossing the Bridge" habe ich im Netz gefunden (THX an den Ripper & Uploader) und die Qualität halte ich für OK.
Die Video Infos habe ich nicht parat. "Crossing the Bridge" dauert ca. 90 min und ist 700 MB groß. Da der Ton z.T. auch in türkisch ist habe ich 2 verschiedene engl. Subs mit hochgeladen (die idx/sub Sub ist OK und die srt Sub habe ich auf Synchronität nicht getestet).
Soundtrack
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Das Album ist getaggt und das Cover liegt bei.
PHP-Code:
Directory: Soundtrack - Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul (2005)
Artist: Sertab Erener
Album: Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul
Genre: Soundtrack
Year: 2005
Comment:
Settings: 192 kbps CBR / 44100 khz / Joint Stereo
Average Bitrate Per File: 192.0 kbps
Average Bitrate Per Second: 192.0 kbps
Total Length | Total Tracks | Total Size: 01:11:54 | 18 | 98,78 MB
Tracklist
PHP-Code:
1 01. Sertab Erener - Music 05:14
2 02. Baba Zula - Tavus Havasi (Live) 05:24
3 03. Orient Expressions - Istanbul 1_26 A.M. 06:32
4 04. Duman - Istanbul (Live) 01:36
5 05. Replikas - Sahar Dagi (Live) 07:04
6 06. Ceza - Holocaust 03:25
7 07. Mercan Dede - Ab-I Hayat 03:43
8 08. Selim Sesler - Kürdili Hicazkar Longa (Live) 04:55
9 09. Selim Sesler & Brenda MacCrimmon - Penceresi Yola Karsi (Live) 02:01
10 10. The Wedding Sound System - Wedding Song (Live) 02:50
11 11. Nur Ceylan - Böyle Olur Mu (Live) 02:46
12 12. SiyaSiyaBend - Hayyam (Live) 01:31
13 13. Aynur Dogan - Ehmedo (Live) 05:22
14 14. Orhan Gencebay - Hatasiz Kul Olmaz (Live) 05:21
Ariel - Abgebrannt in Helsinki (Aki Kaurismäki, 1988) DVB-Rip - DivX3 Uploaded von [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
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Inhalt • I N H A L T • ARIEL ist dem Andenken an die finnische Wirklichkeit gewidmet.
Ein Bergwerk wird gesprengt. Taisto Kasurinen verlässt Lappland, als die Mine in der sein Vater und er arbeiten, geschlossen wird. Sein Vater erschießt sich. Taisto steigt in einen amerikanischen Straßenkreuzer und fährt tausende Meilen mit offenem Verdeck nach Helsinki. Dort verliert er sein Geld, findet eine Frau, kommt ins Gefängnis und bricht wieder aus.
ARIEL bewegt sich irgendwo zwischen poetischem Realismus und schwarzer Komödie. Ein Film, so dunkel und schön wie ein Septemberabend. [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
• R E W I E V • Der pure Kaurismäki.
In äußerst trockenem Humor serviert uns der Finne einen Film über das Leben eines Bergarbeiters, der was aus seinem Leben machen will, und mit seinem ganzen ersparten Geld nach Helsinki fährt. Doch unterwegs wird er überfallen (typisch Kaurismäki: die Szene ist total langsam und unspektakulär dargestellt, dass man nur darüber lachen kann). Sein ganzes Geld ist weg, ihm bleibt nur sein Kabrio (In Finnland im Winter!!!). Als er nach Helsinki kommt, hält er sich zunächst mit Hilfsarbeit über Wasser, und trifft eine Politesse, in die er sich verliebt. Schließlich kommt er kurz bevor sie heiraten wollen ins Gefängnis. Doch nach kurzer Zeit plant er seinen Ausbruch, um sich per Schiff mit seiner Frau nach Mexiko zu schmuggeln...
Der Film "Ariel" dauert gerade mal 70 Minuten, doch das reicht, um eigentlich alles zu erzählen und zu beschreiben, was nötig ist. Denn die Geschichte wird ziemlich schroff, trocken und "ökonomisch" abgehandelt, was aber gerade den Reiz des Filmes ausmacht. Es kommt nämlich eine Stimmung auf, bei der man gar nicht mehr weiß, ob man lachen oder weinen soll. Lachen, weil so viel Situationskomik in der Inszenierung liegt und die Dialoge nur so vor verbitterten sarkastischen Sprüchen überquellen; Weinen, weil diese Verlierer-Geschichte in Wirklichkeit einfach nur traurig ist - so viel Pech kann man gar nicht haben! So wie die Geschichte vor dem Zuschauer gnadenlos abläuft, so würde der Protagonist wohl auf sie zurückblicken, mit einer Flasche Vodka neben sich, während sein Kofferradio finnische Schlager ertönen lässt, deren Texte seltsamerweise immer zu seinem Gemütszustand passen. Wie die zahlreichen "Fäuste", die er schon "aufs Auge" bekommen hat.9/10. [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
Nur ein Häppchen (Nibbles) - von Christopher Hinton (2003) [Kurzfilm] TVRip - XviD
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Inhalt • I N H A L T • & • R E W I E V • Basierend auf persönlichen Erfahrungen karikiert der kanadische Animationsfilmer Chris Hinton einen typischen Angelausflug mit seinen beiden Söhnen an die Waldseen von Montreal: Auf der Autofahrt zum See werden zunächst unzählige Zwischenstops an einschlägigen Imbissbuden und Raststätten unternommen. Endlich am See angelangt, haben die Angler ihre liebe Not mit angriffslustigen Mücken und natürlich den Fischen. Mit spitzer Feder, seinem unverwechselbaren, minimalistisch grafischem Stil und seinem Talent zur humorvollen Pointierung hat Chris Hinton einen Kurzfilm realisiert, der auf originelle und ironische Weise den typischen Abläufen von Familienausflügen im allgemeinen, Vater-Sohn-Unternehmungen im besonderen, den Errungenschaften der Fast-Food-Ketten und nicht zuletzt auch den landschaftlichen Reizen Kanadas huldigt. "Nur ein Häppchen" lief auf zahlreichen internationalen Kurz- und Animationsfilmfestivals und wurde 2004 für den Oscar nominiert.
Dead Presidents - von Hughes Brothers (1995) Deutsch & Englisch - Xvid & optionale German/English Subs
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Inhalt • I N H A L T • & • R E W I E V • Dead Presidents ist ein außergewöhnlicher Film der das Leben im Krieg, nach dem Krieg und allgemein im Ghetto sehr authentisch beschreibt.
Anthony (Larenz Tate) und sein Kumpel Skip (Chris Tucker) stehen kurz vor dem Highschool-Abschluss. Es wird gefeiert gekifft und gevögelt. Doch anstatt aufs College zu gehen, zieht Anthony es vor, nach Vietnam zu gehen. Er erlebt dort den Tod und den psychischen Zerfall seiner Kumpels, und den Wahnsinn des Krieges. Wieder zu Hause muss er feststellen das seine Tochter und seine Freundin von einem Zuhälter versorgt werden, und das er nur einen lumpigen Job bei einem Fleischer kriegt. Verzweifelt durch seine Geldnot beschließt er, mit der Schwester seiner Freundin und ein paar anderen Leuten einen Geldtransporter zu überfallen. Doch der Coup geht schief...
Dead Presidents überzeugt durch seine dichte Atmosphäre, die hervorragenden Darsteller (allen voran Larenz Tate), und die realistische (und blutige Action). Auch der Soundtrack kann sich sehen lassen und passt hervorragend ins Geschehen. Die Hughes-Brüder haben sehr gute Arebit geleistet. Man kann sehen, wie die Protagonisten immer weiter in den Strudel von Gewalt und Hass gezogen werden, der schlussendlich ihr aller Untergang bedeutet.
Fazit: Dead Presidents ist ein genialer, realistischer Film der Klischees ausspart und die schlechten Seiten des Krieges und der Geldgier aufzeigt. [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
Ein Film fernab jeglicher Normen und Konventionen.
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Inhalt • I N H A L T • Ein Mann lebt zusammen mit ein paar Tieren auf einer heruntergekommenen Farm und hat Geschlechtsverkehr mit einer Sau, die ihm drei Ferkel wirft. Zum Schutz vor ihrer Mutter nimmt der Mann die Drei bei sich auf. Getrieben von ihrem Instinkt rennen die Ferkel zurück zu ihrer Mutter, was den Mann erzürnt und ihn dazu veranlasst die Ferkel umzubringen und zu erhängen. Die Sau entdeckt die Tat, rennt davon und stürzt zu Tode. Zusammen mit ihr begräbt sich der Mann im Wald, findet aber keine Ruhe. Wieder zurück auf der Farm ernährt er sich von seinen Exkrementen und erhängt sich auf einer Leiter. http://www.ofdb.de/view.php?page=inhalt&fid=14953&sid=162810[/url]
• R E W I E V • Einleitend, der ungeschönte Inhalt dieses Films, des vielleicht schwierigsten Werks der Filmhistorie: In Thierry Zénos "Vase de noces" geht es um einen vereinsamten Bauern. Er mag er letzte lebende Mensch der Welt sein, oder der verhängnisvollste Außenseiter der Gesellschaft. Er lebt auf einer verkommenen Farm, umgeben von seinen Tieren. Er liebt eine Sau. Er berührt das Schwein zärtlich und hat sogar Geschlechtsverkehr mit dem Tier. Die Sau wird schwanger von dem Menschen, gebiert drei Schweinchen. Als er erkennen muss, dass sie zu wenig Mensch, zu sehr Tier sind, erhängt er seine Nachkommen und steckt sie in Einmachgläser. Als die Sau seine Tat entdeckt rennt sie quäkend in den Wald, wo sie sich zu Tode stürzt. Der Bauer versucht sich aus Trauer gemeinsam mit seinem geliebten Schwein zu begraben, jedoch bricht er den Selbstmord ab, ist nicht fähig, sein eigenes Gesicht unter Schlamm und Getier zu verbuddeln. Die Tierwelt lehnt ihn nun ab. Er widmet sich nun seinen Exkrementen, die er in Kannen erhitzt, trinkt und isst. Doch sein Kot kann ihm nicht die Befriedigung, die die atmenden, lebendigen Tiere gaben, erbringen, daher erhängt sich der Mensch hoch oben auf einer Leiter. Als er stirbt, beginnen die Vögel ein Hohelied zu singen. Ende.
"Vase de noces" ist das direkte Gegenteil zum herkömmlichen Unterhaltungsfilm. Es existiert kein gesprochenes Wort; der Mann, fesselnd dargestellt von Thierry Zénos Co-Autor Dominique Garny, ist der einzige Mensch vor der Kamera. Dafür füllen die Naturgeräusche und die Tierlaute die Tonspur fast komplett aus. Das ordinäre Grunzen des Schweins, wenn der Mann physisch Liebe mit dem Tier macht, ist der perfekte Soundtrack für diesen abstoßenden, aber dennoch wichtigen und ehrlichen Film. An wenigen Stellen ertönen synthetisch erzeugte Musikklänge oder ein A-capella-Chor. Das bewegte Bild nimmt für den Zuschauer eine nie eindeutige Position im Verhältnis zu dem Dargestellten ein: Mal inszeniert Zéno mit Handkamera durch das Gebüsch das Geschehen, als seien wir unentdeckte Voyeure der Perversion des Mannes, andere Male bleibt die Kamera statisch mitten im Geschehen und lässt den Protagonisten sogar direkt in ihre Linse blicken. Doch schnell vergisst man als Zuschauer die Positionierung der Kamera zu hinterfragen, denn die kargen Schwarzweiß-Bilder sind zu ungewöhnlich, zu originell und zu extrem, als dass man sich dieser einzigartigen Vision entziehen könnte.
Der abgebildete Tagesablauf des Mannes gleicht dem des Schweins. Er isst, kopuliert und kotiert. Der Mensch wird zum Tier, ist er nicht mehr umgeben von Seinesgleichen. Als der Mann jedoch die jungen Schweine in seiner Hand hat, die sein Samen hervorgebracht hat, keimt in ihm die Hoffnung. Die Schweinchen sollen zu Menschen mit Tischmanieren und Sitten erzogen werden. Doch anstatt brav vor ihren Tellern Platz zu machen und aus Schüsseln ihr Essen aufzunehmen, folgen die Tiere ihrem Instinkt und rennen zurück zu den Zitzen ihrer Mutter. Aus Enttäuschung über die Perversion seiner Kinder begeht der Mann ein, weniger in seinem moralischen, aber in seinem kulturellen Kontext menschliches Ritual: Mord aus Eifersucht. Was folgt ist die Zerstörung des matschigen Paradieses des Mannes: Mord und Selbstmord folgen und lassen die grauenhafte Idylle in sich zusammenbrechen.
Der Außenseiter in "Vase de noces" ist ein kranker Psychopath. Alle Zweifel daran werden bereits in der Eingangssequenz zerstreut. Da setzt der Mann einer Taube einen Plastikpuppenkopf auf. Motivation oder Grund bleiben im Unklaren, aber von Anfang an sehen wir Dominique Garnys Figur als verwirrten Mann mit einem mehr als gestörten Verhältnis zu seinen animalischen Mitbewohnern. Dafür scheinen die Tiere umso menschlicher. Zwischen seinen schockierenden Szenen beobachtet Zéno immer wieder den Ausdruck der Tiere – und, es mag an der Montage liegen, die Tiere, insbesondere die Hühner und Gockel, scheinen skeptisch und verurteilend den Mann anzusehen.
"Vase de noces" bricht Tabus ohne Ende. Unvorbereitete Zuschauer mögen Zénos Außenseiterdrama als ekelerregende, vulgäre Provokation missinterpretieren, ist sein Werk doch eine überwältigende, sehr ehrliche Studie über falsche Emotionen, über Verstrickung in Perversion, oder viel mehr in eine perverse Situation und über die todbringenden Konsequenzen. Ein kraftvolles, in sich vollkommen geschlossenes Meisterwerk, viel kultivierter und intelligenter, als es der amerikanische, nur auf seine sensationellen Skandalszenen reduzierende Alternativtitel "The Pig Fucking Movie" vermuten lässt. [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
Darsteller: Tom Cruise (Dr. Bill Harford), Nicole Kidman (Alice Harford), Madison Eginton (Helena Harford), Marie Richardson (Marion Nathanson), Jackie Sawris (Roz), Rade Serbedzija (Milich), Sydney Pollack (Victor Ziegler), Leslie Lowe (Illona), Peter Benson (Bandleader), Vinessa Shaw (Domino), Alan Cumming (Hotel Desk Clerk), Todd Field (Nick Nightingale), Michael Doven (Ziegler's Sekretär), Sky Dumont (Sandor Szavost), Louise J. Taylor (Gayle) Regie: Stanley Kubrick Drehbuch: Stanley Kubrick
Inhalt Der Arzt Dr.Bill Harford und seine Frau Alice führen eine ganz normale Ehe, bis diese ihm gesteht, dass sie ihn einmal beinahe betrogen hätte. Dies stürzt Bill in eine Krise und führt ihn auf eine Odyssee sexueller und moralischer Erfahrungen.
Ein kleiner bebrillter Buchhalter wird in die mysteriöse Fahndung nach einem Mörder hineingezogen. Ohne recht zu wissen, worin seine Aufgabe besteht, begegnet er in einem in Nebel gehüllten städtischen Labyrinth unterschiedlichen Personen. Er gerät schließlich selbst in den Verdacht, der Täter zu sein... In stimmungsvollen Schwarzweiß-Bildern vermischt Woody Allen hier Elemente des expressionistischen Stummfilms, des "film noir", des Kinos eines Fellini oder Bergman mit der ihm eigenen Philosophie zu einer faszinierenden Komplexität. [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
Irreversibel [Irreversible] von Gaspar Noé (2002) DVD5 mit allen Extras
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Inhalt • I N H A L T • Alexandra und Marcus sind ein glückliches Paar. Die beiden führen ein ausgelassenes Leben und streifen nachts durch die wildesten Parties. In einer Nacht dann geschieht das Unglück: Alex macht sich alleine auf den Heimweg und wird in einem Tunnel einem sadistischen Schwulen vergewaltigt. Als Marcus auf dem Nachhauseweg am Tatort vorbeikommt, muss er mit ansehen, wie Alex im Koma liegend abtransportiert wird. In seiner rasenden Wut kennt Marcus nur noch einen Gedanken: Rache.
• R E W I E V • Gaspar Noé zeigt uns in seinem zweiten Spielfilm, wie die Ereignisse einer einzigen Nacht, dass Leben von Menschen radikal ändern bzw. zerstören kann. Die Handlung, in „Irreversibel“ wird in Rückprojektion erzählt. Das heißt der Film beginnt mit dem Ende.
Alles beginnt mit einer Kamerafahrt die uns, zu dem aus „Menschenfeind“ bekannten Schlachter führt. Entlang der Hausfassade endet sie in einem heruntergekommenen Zimmer in Paris. Der Schlachter sitzt fast nackt da, und redet mit einem Freund über sein Leben. Er war wieder im Gefängnis, weil er mit seiner Tochter geschlafen hat. Vollkommen abgebrannt und pleite hockt er nun da, und gibt der Zeit an allem Schuld. Die Zeit zerstört alles, sagt er. Sein Leben hat sie zerstört und sie wird das Leben anderer auch zerstören. Es ertönen Sirenen. Er vermutet dass die Polizei eine Razzia im „Rectum“, dem Schwulen-Club nebenan, durchführt.
So verlässt die Kamera das Szenario, und bewegt sich kreisend und drehend auf den Eingang des „Rectum’s“ zu. Ein Krankenwagen steht davor und jemand wird auf einer Trage aus dem Club gebracht. Der Mann auf der Trage ist bewusstlos. Die Kamera fährt weiter. Wir sehen wie ein Mann von der Polizei festgenommen und mit in den Krankenwagen, unter dem Gebrüll und Pöbeleien von Gaffern, abgeführt wird. Der Wagen beginnt seine Fahrt. Es fällt kein Wort, wir sehen nur die entsetzten Gesichter, der Polizisten, des Mannes der abgeführt wurde und den Bewusstlosen auf der Bare.
Die beiden Männer von eben, der Bewusstlose und der Festgenommene, stehen am Eingang des „Rectum’s“ und wollen hinein. Hier erfahren wir wie die Männer heißen. Marcus und Pierre. Marcus, ist außer sich. Er hetzt durch den Club, um den „Bandwurm“ zu finden. Pierre versucht ihn zu beruhigen und hat Mühe mit Marcus Schritt zu halten. Marcus verschwindet in den Tiefen des „Rectum’s“. Begleitet von der Kamera, die einen panisch wahnsinnigen Eindruck vermittelt. Wie ein Besessener, pöbelt Marcus andere Besucher an, die hier ihre Hardcore-SM Fantasien ausleben. Er fragt einige Leute ob sie den „Bandwurm“ kennen. Die meisten kennen ihn nicht. Bis er auf den Lover des „Bandwurm’s“ trifft. Marcus verlangt von ihm, dass er ihn zu ihm bringt. Da es ihm nicht schnell genug geht, wird Marcus wieder wütend. Mit Drohungen und Schlägen, prügelt er den Mann durch das „Rectum“ und wird schließlich zu dem Gesuchten geführt. Nach einem kurzen Gespräch eskaliert die die Situation, zu einer Schlägerei. Bei der Marcus zu Boden geschlagen wird. Ihm wird, wie ein Zweig, der Arm gebrochen. Anschließend will ihn sein Gegner, unter Zurufen der anderen Gäste, vergewaltigen. Plötzlich taucht Pierre, aus der Masse der Leute auf. Er schlägt Marcus’s Vergewaltiger, mit einem Feuerlöscher zu Boden. Sein Gesicht ist von dem Schlag gezeichnet. Pierre geht zu ihm, schaut ihn an und schlägt nochmals auf ihn ein. Wie von Sinnen, schlägt er immer wieder auf das Gesicht des Vergewaltigers ein. Als er fertig ist, lauft aus dem Kopf nur noch eine breiige Masse.
Marcus und Pierre sitzen in einem Taxi. Marcus ist aufgebracht, da ihm die Fahrt zum „Rectum“ zu lange dauert. Er weiß nicht wo der Schwulen-Club ist, er hält an und versucht sich durchzufragen. Kein Mensch kann ihm helfen. Bis er schließlich den Hinweis, von einem Jungen von der Straße, bekommt. Pierre dem das Alles, vor allem Marcus’s Aggression, zuviel wird, versucht mit dem Taxi zu fliehen. Doch Marcus lässt ihn nicht. Er schlägt die Windschutzscheibe des Fahrzeugs ein und zieht Pierre aus dem Auto. „Ab ins Rectum!“, brüllt er. Pierre folgt ihm.
Im Taxi versuchen beide dem Fahrer zu erklären wo sie hin wollen. Marcus durch Aggression, weil der asiatische Taxifahrer sie nicht versteht und auch das „Rectum“ nicht kennt. Pierre versucht wieder Marcus zu beruhigen, gleichzeitig versucht er dem Fahrer mit ruhigem Ton verständlich zu machen, wo er sie hinfahren soll. Der Fahrer bekommt zunehmend Angst vor Marcus. Er greift zu seinem Tränengas und versucht die zwei aus dem Auto zu schmeißen. Der Fahrer hält an, Marcus springt aus dem Wagen. Er rennt zur Fahrertür und zieht den Mann aus dem Auto. Pierre versucht Marcus davon abzuhalten dem Mann weh zu tun, weil er nichts für die Situation kann. Doch es gelingt ihm nicht. Marcus entreißt dem verängstigten Mann das Tränengas. Er sprüht ihn damit ein und schlägt ihn. Der Mann versucht sich nach besten Kräften zu wehren. Nach einer kurzen Rangelei lassen sie von dem Fahrer ab, rennen ins Taxi und rasen davon.
Marcus und Pierre sind mit zwei weiteren Männern unterwegs. Diese zwei Männer kennen sich in der Gegend bestens aus. Die vier sind auf einem Straßenstrich, unterwegs. Sie fragen sich durch zu einer Prostituierten namens Konscha. Konscha ist ein Transsexueller. Marcus ist auf einem Rachefeldzug, und befragt Konscha aggressiv. Als seine Wut ausbricht, packt er den Mann an den Haaren und bedroht ihn mit einem Messer. Pierre versucht wieder ihn von seinem Tripp runter zu bringen. Unter Druck gibt Konscha den Hinweis auf das „Rectum“. Die beiden Begleiter von Marcus sagen ihm dass dies ein Schwulen-Club ist. Aus panischer Angst macht Konscha sich durch Hilferufe auf sich aufmerksam. Die anderen Prostituierten, rennen ihm zu Hilfe. Marcus und Pierre rennen davon und fliehen in das Taxi.
Pierre wird vernommen. Unter Schock wird er von einem Polizisten im Streifenwagen befragt. Als er den Wagen verlässt, stellt er sich zu Marcus. Auch dieser ist geschockt. Die beiden werden von zwei Männern angesprochen. Wir erfahren dass eine Frau vergewaltigt wurde. Offensichtlich jemand, der Marcus und Pierre sehr nahe steht. Die zwei Fremden, in dessen Viertel die Vergewaltigung stattfand, überzeugen Marcus davon sich für die Vergewaltigung zu rächen. Sie wollen den beiden helfen, den Täter zu finden. Marcus und Pierre, letzterer eher widerwillig, gehen darauf ein.
Pierre und Marcus verlassen das Haus der Party, auf der sie waren. Die zwei unterhalten sich und wollen ein Taxi nehmen. Als sie plötzlich sehen, wie eine schwer misshandelte und bewusstlose Frau aus einem Tunnel getragen wird. Es ist Alex, Marcus Freundin und Pierre’s Ex-Freundin. Geschockt und verzweifelt rennt Marcus zur Trage, auf der Alex liegt. Er bricht in Tränen aus und fragt sie was passiert ist. Pierre schaut geschockt zu, wie sie weggetragen wird.
Alex steigt aus dem Aufzug, verlässt das Haus, geht zur Straße und versucht sie zu überqueren. Sie will zu einem Taxi auf der anderen Straßenseite. Eine Passantin, rät ihr durch die Fußgängerunterführung zu gehen, weil die Straße zu gefährlich ist. Sie nimmt den Rat an. Sie geht durch den Tunnel, von der anderen Seite her, kommt ein Pärchen, dass Streit hat. Der Mann schlägt die Frau nieder. Geschockt von dieser Situation, bleibt Alex stehen. Der Mann wird auf sie aufmerksam. Alex bekommt Angst und versucht zu fliehen, wird aber von dem Mann aufgehalten. Die andere Frau flieht. Der Mann hält Alex fest und bedroht sie mit einem Messer. Sie schreit und fleht darum sie gehen zu lassen. Doch der Mann zwingt sie dazu, sich auf den Boden zu legen, um sie zu vergewaltigen. Alex schreit weiter um Hilfe. Ihr Peiniger hält ihr, mit einer Hand den Mund zu. Mit der anderen Hand betatscht und befummelt er sie. Sie versucht sich nach ihren Kräften zu wehren, aber ihr Vergewaltiger ist stärker. Das was ihr übrig bleibt, ist, die Vergewaltigung über sich ergehen zu lassen. Die ganze Zeit über winselt sie um ihr Leben. Als es vorbei ist versucht Alex wieder zu fliehen. Sie will davon kriechen. Ihr Vergewaltiger beschimpft sie. Er geht zu ihr und tritt ihr, mit voller Wucht, ins Gesicht. Dann setzt er sich auf sie und schlägt sie mit der Faust. Damit aber nicht genug der Brutalität. Als letztes schlägt er ihren Kopf auf den Boden. Als er fertig ist mit ihr, bespuckt er sie.
Marcus und Pierre unterhalten sich auf der Party. Es stößt eine Bekannte von Marcus zu ihnen. Die drei verschwinden auf dem Klo, wo noch eine Bekannte auf sie wartet. Das Gespräch zwischen ihnen bezieht sich auf Sex. Den Marcus hat und Pierre eben nicht. Die Frauen versuchen Pierre zu becircen und ihn dazu zu ermutigen sich mal gehen zu lassen. Unterdessen zieht sich Marcus eine Line Koks rein. Danach genießt er die Party sichtlich mehr. Pierre hingegen wirkt weiter steif und verkrampft. Die beiden gehen durch die Wohnung. Marcus hat seinen Spaß. Pierre hingegen, geht zur Tanzfläche und beobachtet Alex beim tanzen. Marcus springt zu Alex auf die Tanzfläche, tanzt mit ihr und zwei weiteren Frauen. So schnell wie er erschien, verschwindet er auch wieder im Partygetümmel. Alex geht zu Pierre, und versucht ihn dazu hinzureißen mit ihr zu tanzen. Aber Pierre will nicht. Alex gibt den Versuch auf und trifft auf eine alte Bekannte. Die beiden unterhalten sich kurz, als Marcus zu ihnen stößt. Die zwei Frauen verabreden sich zum Mittagessen und dann verabschiedet sich die Bekannte von Alex. Zwischen Alex und Marcus kommt es zum Streit. Es stört sie das sich Marcus was rein gezogen hat. Ihre Laune verschlechtert sich schlagartig und sie verlässt, nachdem sie sich von Pierre verabschiedet hat, die Party.
Im Aufzug zur U-Bahn, unterhalten sich die Drei. Alex erzählt davon, dass sie zurzeit ein Buch liest. Das sie sehr fasziniert. Sie liest, seit einigen Monaten an einer Stelle und kommt nicht weiter. Es wird in dem Buch beschrieben, dass das Leben schon vorher bestimmt ist, Indiz dafür sind Träume. Sie scheint sehr daran zu glauben. Auf dem Bahnsteig angekommen, verlagert sich das Gespräch auf die intime Beziehung von Alex und Marcus. Pierre, Alex Exfreund, will von ihr wissen wie, der Sex mit Marcus, für sie ist. Er ist neugierig und als er keine für ihn ausreichende Antwort erhält, macht er sich über die beiden lustig. Die U-Bahn trifft ein. Die Drei steigen ein. Pierre verrät Details über seine Beziehung mit Alex. Charmant versucht sie das Gespräch zu beenden. Aber Pierre lässt nicht locker. Marcus achtet hingegen darauf dass die Zwei nicht zu laut werden. Die U-Bahn ist voll besetzt. Alex kommt auf Pierre’s Liebesleben zu sprechen. Aber da blockt er ab. Sie nimmt das als Gelegenheit, um ihm klar zu machen, dass er diese ganzen Dinge um Sex, Intimität und Liebe etwas lockerer sehen sollte, das macht alles viel einfacher. Aber er versteht es nicht, stattdessen macht er sich über Marcus lustig. Während dessen erreicht die U-Bahn das Ziel der Drei und sie steigen aus.
Alex und Marcus liegen im Bett. Pierre ruft an und spricht auf den Anrufbeantworter. Er holt die Beiden in einer halben Stunde ab. Die beiden sind gerade aufgewacht, kuscheln ein wenig und Alex erzählt von dem Traum, den sie hatte. Sie steht in einem roten Tunnel, der am Ende aus einander bricht. Sie stehen auf, dabei, necken und ärgern sich gegenseitig. Tauschen Küsse und Streicheleinheiten aus. Reden miteinander. Bei dem Gespräch wird klar das Alex sich in Kind wünscht. Marcus würde sich darüber freuen. Als die beiden es geschafft haben aufzustehen, will Marcus noch einkaufen. Etwas zum Trinken für später. Alex will duschen. Als sie bereits unter der Dusche steht, geht Marcus zu ihr, verabschiedet sich mit einem Kuss und geht. Als sie mit dem Duschen fertig ist. Macht sie einen Schwangerschaftstest. Gebannt starrt sie auf dessen Ergebnis. Ein Lächeln verrät, dass sie schwanger ist. Sie lehnt sich zurück und fängt an zu träumen.
Die Kamera fährt über das Kinoplakat „2001 - Odyssee im Weltraum“, zu Alex. Sie liegt in einem Kleid schlafend im Bett und träumt. In ihrem Traum liegt sie auf einer Wiese, liest ein Buch. Kinder spielen, fröhlich lachend, um sie herum. Das Bild fängt sich an zu drehen und fährt immer schneller kreisend in den Himmel. Bis nur noch ein stärker werdendes Flimmern mit kreisenden Sternen zu sehen ist.
Ende.
Gaspar Noé, hat mit „Irreversibel“, einen Film geschaffen, der, schockiert, wachrüttelt und betroffen macht. Mit „Irreversibel“ ist es ihm gelungen darzustellen, wie schnell sich Träume in Luft auflösen können. Wie schnell sich das Leben auf unvorhersehbarer Weise ändern kann. Des Weiteren ist „Irreversibel“, ein Beweis für sehr gute schauspielerische Leistungen. Das Skript zum Film, war nur drei Seiten lang und musste weitestgehend improvisiert werden. Noé’s Glück war es auch, dass er mit Vincent Cassel und Monica Belucci (Marcus und Alex) ein verheiratetes Paar für seinen Film gewinnen konnte. Was viel Authentizität mitbringt. Die grundlegenden Ereignisse, die Vergewaltigung im Tunnel und der Mord im „Rectum“, die in „Irreversibel“ stattfinden, verändern das Leben aller Beteiligten und das in einer einzigen Nacht.
Da haben wir Pierre (Albert Dupontel). Ein intellektueller, ruhiger, gefasster Mann. Der immer auf der Suche nach Erklärungen ist.
Die ganze Zeit über bildet er den ausgleichenden Pol, zu Marcus. Er ist das komplette Gegenteil von ihm. Immer versucht er, die Ereignisse ruhig und sachlich anzugehen, was ihm nie gelingt, denn Marcus lässt sich von ihm nichts sagen. Eher im Gegenteil letztendlich hört er immer auf Marcus.
Pierre hat die Trennung von Alex nie überwunden und er versteht auch nicht, warum Alex jetzt mit einem wie Marcus zusammen ist. Wie stark er an Alex noch hängt wird klar, wenn man ihn beobachtet als er Alex beim Tanzen zusieht. Wie ein Verliebter, himmelt er sie an. Als Alex von der Party geht, macht er sich Sorgen um sie. Er will wissen, warum sie gehen will, was passiert ist. Als sie aus dem Tunnel getragen wird, sagt er entsetzt: „Das ist meine Frau.“. Er will auch lieber zu ihr ins Krankenhaus anstatt mit Marcus ins „Rectum“ zu gehen. Marcus hindert ihn daran. Sein Wutausbruch im „Rectum“, den Mord des vermeintlichen Vergewaltigers, das machte er nicht um Marcus zu helfen, sondern aus Rache für Alex. Er macht Marcus schlecht, vor anderen und vor Alex. All das macht klar, dass er Alex noch immer liebt und zwar wie am ersten Tag.
Pierre ist es durchaus bewusst, warum er so handelt. Ihm ist klar, dass man sich nicht immer von Gefühlen leiten lassen kann. Er ist unfähig, sich gehen zu lassen. Er weiß immer was er tut, er ist sich der Konsequenz bewusst. Das macht ihn zu einem einsamen Menschen, der kaum Spaß am Leben hat. Der sich immer an Regeln hält. Aus Furcht vor den Konsequenzen.
Als er sich gehen lässt, tötet er, auf unvorstellbare Weise, einen Menschen. Ihm waren die Konsequenzen egal. Für Alex waren sie ihm, in diesem einen Moment, egal. Danach wurde ihm klar was ihn nun erwartet. Verbittert darüber schaut er, Schuld zuweisend, auf Marcus, welcher bewusstlos im Krankenwagen liegt.
Marcus ist ein Lebemann, der Spaß im Leben haben will. Er nimmt sich die Freiheiten wie er will ohne Rücksicht auf andere. Weder auf Alex, noch auf Pierre. Marcus lässt sich von seinen Gefühlen leiten. Er kokst wenn ihm danach ist. Er flirtet vor ihr mit zwei anderen Frauen. Es ist ihm egal, was sie dazu sagen würde.
Voller Wut und Rache, lässt er sich von zwei undurchsichtigen Typen, dazu hinreißen, den Vergewaltiger auf eigene Faust zu finden. Dabei rastet er immer wieder aus. Er will bedroht Konscha, weil er ihm sagen soll wo der „Bandwurm“ ist. Er prügelt sich mit dem Taxifahrer, weil der nicht weiß, wo dass „Rectum“ ist. Er zerstört das Taxi, weil er will dass Pierre mit ihm geht. Er pöbelt Leute an, weil er seine Rache will. Ohne Rücksicht auf Verluste. Sein Zustand ist verständlich, denn seine Freundin wurde vergewaltigt und zusammen geschlagen, aber dennoch verliert er in seinem Rachewahn den Blick darauf, dass andere nichts dafür können. Er verliert den Blick für das Wesentliche und das wird ihm zum Verhängnis. Als er im „Rectum“ die Prügelei mit dem vermeintlichen „Bandwurm“ anzettelt, unterliegt er. Ihm wird der Arm gebrochen und er wird vergewaltigt. Hunde die bellen, beißen nicht. Lautet ein Sprichwort.
Dann ist da noch die wunderschöne, charmante und bezaubernde Alex. Sie hat eine klare Vorstellung von ihrem zukünftigen Leben. Sie will ein Kind, von Marcus. Das ist fast das Einzige was sie beschäftigt.
Der Traum von dem sie erzählt, bringt sie mit ihrer Menstruation in Verbindung. Die ausgeblieben ist. Ein roter Tunnel, der zusammen bricht, also nicht mehr rot ist. Sie deutet das so, hervorgerufen durch das Buch was sie liest, dass sie schwanger ist. Gewissheit gibt ihr der Test den sie macht. Erleichtert darüber dass er positiv ist, lehnt sie sich entspannt zurück. Dass dieser Traum, zu ihrem Alptraum wird, weiß nur der Zuschauer. Glücklich über ihre Schwangerschaft, lässt auch sie sich etwas gehen, von ihren Gefühlen leiten. Anfangs die Sachlichkeit eines Pierre, auf der Party die Gelassenheit ihres Marcus. Als sie die Party verlässt, dann doch wieder Alex wunderschön, charmant und bezaubernd.
Noé hat für den Film als Überleitung der Szenen, nicht einfach Überblendung gewählt. Er lässt die Kamera kreisen und sich drehen. Je näher man dem Ende der Handlung kommt umso irrer wirkt das. Die ersten zwanzig Minuten des Films, wirken durch die wilde Kamerafahrt, wahnsinnig. Kaum eine Sequenz, die die Kamera länger einfängt. Immer ist sie woanders, wie auf einer Jagd. Sie macht das Zusehen fasst unerträglich. Als sie ihre wilde Fahrt beendet, machen die schrecklichen Bilder das Hinschauen unerträglich. Der Höhepunkt des Wahnsinns findet am Anfang des Filmes statt. Erst nach und nach begreift der Zuschauer warum dass alles Geschehen ist. Die unvorstellbare Art und Weise des Mordes im „Rectum“, wird uns noch unvorstellbarer, als wir erkennen das es einen Unschuldigen getroffen hat. Der „Bandwurm“ steht nach dem Mord, lächelnd in der Menge. Der Zeitpunkt, der grausamen Erkenntnis darüber, dass es sich um einen Unschuldigen handelt, hätte von Noé kaum besser gewählt werden können. Der Schrecken über die brutale Vergewaltigung von Alex und die gleichzeitige Erkenntnis des Zuschauers, machen stellen den Höhepunkt in „Irreversibel“ dar. Doch der Schrecken geht weiter. Wir allein erfahren, dass Alex schwanger ist als sie vergewaltigt wurde. Wir gehen davon aus, dass sie das Kind verloren hat, was das Geschehene noch furchtbarer macht.
„Die Zeit zerstört alles.“, sagt der Schlachter zu Beginn des Filmes. In „Irreversibel“ hat die Zeit das Leben von drei Menschen zerstört. Alles was geschehen ist, ist unumkehrbar…„Irreversibel“!
Verbindungen zu „Carne“ und „Menschenfeind“
Gaspar Noé hat mit „Irreversibel“ ein Kapitel seiner Kunst abgeschlossen. Es ist das Kapitel um den Schlachter, Philippe Chevalier (dargestellt von Philippe Nahon). Philippe Chevalier ist in „Carne“ und „Menschenfeind“ die tragende Figur. Obwohl ihm in „Irreversibel“ nur das Ende der Handlung gehört, ist es nicht zu übersehen dass er den ganzen Film über präsent ist. Es passieren Ereignisse, die schon mal da waren. Es brechen Gefühle aus, die man schon mal gezeigt wurden. Es gibt Orte, an denen man schon mal war. In „Irreversibel“ wird alles, was schon einmal da war, noch mal gezeigt oder gesagt. Gaspar Noé hat die drei Filme sicherlich nicht als Trilogie geplant oder konzipiert. Alle Drei funktionieren einzeln, da ihr Plot abgeschlossen ist. „Carne“ zeigt die Vorgeschichte von „Menschenfeind“. In „Menschenfeind“ wird sie durch Philippe aber selbst noch mal erzählt. Durch den Monolog zum Beginn von „Menschenfeind“ hat der Zuschauer den Einblick in das Wesen des Schlachters, ohne das er „Carne“ gesehen haben muss. „Menschenfeind“ führt die Geschichte von „Carne“ fort. „Irreversibel“ wird, durch die Ereignisse die stattfinden und die Szene am Anfang des Films, mit den beiden anderen Filmen verknüpft. Eine weitere wichtige Figur ist Cynthia, die stumme Tochter des Schlachters.
Die Erläuterungen zu den Verbindungen der Filme sind durch einzelne Überschriften gegliedert.
Die Verbrechen an Unschuldigen
Eine Verbindung der Filme sind die Verbrechen. In „Carne“ und in „Irreversibel“ werden zwei unschuldige Menschen, Opfer von Verbrechen. Als Cynthia ihre erste Periode bekommt, läuft sie verängstigt zu ihrem Vater, in die Schlachterei. Auf dem Weg wird sie von einem Mann angesprochen. Er begleitet sie ein Stück. An einer Baustelle, bleiben sie stehen und der Mann fängt an Cynthia zu bedrängen. Ein Bekannter des Vaters rettet sie aus dieser Situation und bringt sie zu Philippe. Als dieser das Blut auf dem Rock seiner Tochter sieht, denkt er sofort an eine Vergewaltigung. Er macht sich, mit einem Messer bewaffnet, sofort auf den Weg. Er will die eingebildete Vergewaltigung rächen. An der Baustelle trifft er auf einen Arbeiter. Diesen sticht er nieder und verprügelt ihn, mit Faustschlägen ins Gesicht. Passanten eilen dem zu Arbeiter zu Hilfe und beenden die Schlägerei. Hier erfährt man dass der Arbeiter unschuldig ist. Der Mann der Cynthia bedrängt hat, ist einer der Passanten. Philippe geht für seine Tat ins Gefängnis und Cynthia in ein Heim.
In „Irreversibel“ ist es Pierre’s Mord an dem vermeintlichen Vergewaltiger von Alex. Pierre glaubt so fest daran, dass der Mann der Marcus eben niedergeschlagen hat, der Vergewaltiger Alex’s ist das er ihn auf brutale Art und Weise tötet. Dass dieser Mann unschuldig ist, erfahren wir aber erst im weiteren Verlauf des Films.
Weiterhin gibt es auch Zusammenhänge in der Ausübung der Taten. In beiden Fällen reicht es den Tätern nicht, dass sie ihre Opfer zu Boden geschlagen bzw. gestochen haben. Als sie am Boden liegen werden die Opfer zusätzlich mit Gesichtschlägen verprügelt.
Anfang vom Ende
In „Menschfeind“ wir der Showdown des Films durch einen Countdown eingeläutet. Der Zuschauer hat 30 Sekunden um zu entscheiden ob er den Film weiter sehen möchte oder nicht.
Philippe ist mit seiner Tochter in dem Hotelzimmer wo sie gezeugt wurde. Sie steht am Fenster und schaut hinaus. Er holt seine Waffe. Entsichert sie und schießt Cynthia in den Hals. Sie fällt zu Boden und ist am verbluten. Ab dem Moment wo der Schuss fiel, ergreift Philippe eine panische Angst. Er schaut auf seine Tochter und weiß nicht was er tun soll. Denn sie lebt noch. Irre Gedanken schießen ihm durch den Kopf. In seiner Panik fragt er sich immer wieder was er nur tun soll. Er hört Stimmen, die ihm sagen dass er noch mal auf sie schießen soll. Im gleichen Moment, hört er schreiende Nachbarn. Da wieder Stimmen, sie sagen das sie da ist wo sie hingehört. Der Kreis schließt sich, sie ist zu ihrem Ursprung zurückgekehrt. Hier muss es beendet werden. Er schießt noch mal auf Cynthia und begeht danach Selbstmord.
In der nächsten Einstellung sehen wir den Schlachter wie er gerade dabei ist seine Waffe zu ziehen. Er schaut Cynthia an legt die Pistole wieder in das Versteck. Es wird klar, das das eben nicht passiert ist.
Diese Szene ist vergleichbar mit der Kamera, die Marcus im „Rectum“ verfolgt. Auch sie vermittelt einen paranoiden Eindruck.
Beide Szenen sind am Ende der Handlung. Beide Szenen wirken wahnsinnig, irre und verzweifelt. Der einzige Unterschied ist die Kommunikationsmittel die Noé gewählt hat. In „Menschenfeind“ ist der Wahnsinn hörbar, in „Irreversibel“ sichtbar.
Vergewaltigung / Inzest
In beiden Filmen - „Menschenfeind“ und „Irreversibel“ - gibt es Tunnelszenen. In „Irreversibel“ ist die Szene eine der schrecklichsten Szenen des Films. In „Menschenfeind“ gibt es nur eine kurze Tunnelszene aber beide Szenen stehen im Zusammenhang. Als Philippe, Cynthia aus dem Heim abholt, geht er mit ihr durch einen weißen Tunnel. Weiß die Farbe der Unschuld. Noch ist Cynthia unschuldig. Bei der Tunnelszene in „Irreversibel“, ist der Tunnel rot. Rot die Farbe der Liebe, Lust und der Sünde. Hier begeht Phillippe die Sünde der Blutschande. Dass er mit seiner Tochter geschlafen hat, erzählt er eingangs in „Irreversibel“. Der Geschlechtsakt wird aber nie gezeigt. Alex’s Vergewaltigung ist die Metapher auf diesen Geschlechtsakt. Das Ende von „Menschenfeind“ zeigt, das Philippe in seiner Tochter mehr sieht, als eine Tochter. Er liebt seine Tochter, auf eine Art und Weise, die verboten ist. Er sehnt sich nach intimer Zuneigung zu ihr. Dies wird durch zwei Dinge deutlich, seine Handlungen und einen inneren Monolog. Er drückt sie fest an sich, streichelt sie, küsst sie und er fasst ihr in den Schritt. „Ich weiß nicht wie dieser Tag enden wird. Aber hier mit dir, lebe ich und ich bin glücklich, glücklicher als je zuvor. Der Rest ist unwichtig. Es ist vielleicht unser letzter Tag. Vielleicht auch nicht. Vielleicht erschieß ich mich nie. Vielleicht schlaf mit dir und werde morgen eingelocht…Du bist meine Tochter und ich mache aus dir, eine Frau. Wir werden es tun und wir werden glücklich sein und es wird unser Geheimnis bleiben…“, sagt er innerlich und streichelt dabei die Brust seiner Tochter. Zwei weitere Hinweise auf Inzest finden sich in „Irreversibel“. „Nenn mich Papa!“. Diese Forderung stellt der „Bandwurm“, während der Vergewaltigung, an Alex. Doch Alex kann nicht sprechen, sie ist stumm wie Cynthia.
Gaspar Noé hat mit seinen drei Filmen, sein enormes Talent und sein Können als Regisseur unter Beweis gestellt. Er greift Tabuthemen auf, und stellt sie drastisch dar. Alles über einen Zeitraum von über zehn Jahren. „Carne“ erschien 1991, „Menschenfeind“ 1998 und „Irreversibel“ 2002. Sein Thema, hat ihn lange beschäftigt. Er hat es sehr kontrovers, aber perfekt in Szene gesetzt. [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
Unten am Fluss, im Jahre 1972 veröffentlicht, bescherte Richard Adams einen echten Bestseller. Der Weg vom Buch zum Zeichentrickfilm war damit vorgezeichnet, und so basiert diese Produktion von 1979 auf ihren berüchtigten, individuellen Kaninchencharakteren. Als der Sonnengott Frith die Welt erschuf, waren alle Tiere gleich. Doch bald bevölkerten die Wildkaninchen die ganze Welt und aßen so viel, dass es keine Nahrung mehr für die anderen Tiere gab. Die Arroganz des Kaninchenfürsten führte dazu, dass der Sonnengott entschied, die Tiere mit speziellen, unterschiedlichen Fähigkeiten und Gaben auszustatten. Von nun an jedoch gab es Feinde und Kämpfe, und die Kaninchen müssen permanent auf der Hut sein. Fiver, der jüngere Bruder des Anführers Hazel, hat eine böse Vorahnung: Er sieht ihre gesamte Heimat blutüberströmt. Da er sich noch niemals zuvor getäuscht hat, bricht die Sippe auf, um eine neue Bleibe zu finden. Ein neues, gefundenes Plätzchen mutet auch gleich paradiesisch an, erweist sich jedoch schnell als Reinfall, denn überall stehen Kaninchenfallen. Auf ihrer Reise lernen sie auch Kehaar, die Möwe, kennen. Sie meckert zwar viel, doch wegen ihres gebrochenen Flügels stehen die Kaninchen ihr trotzdem zur Seite. Diese uneigennützige Geste soll sich bald für sie auszahlen, denn Kehaar hält Ausschau nach Kaninchendamen und warnt sie vor Feinden, wie beispielsweise dem allseits gefürchteten General Woundworth. Was zunächst als ein typischer unterhaltsamer Zeichentrickfilm erscheint, erweist sich schnell als tiefgründige Erzählung mit schier unzähligen Parallelen zur menschlichen Geschichte. Demokratie, Feindschaft und Kriege sind dabei nur die vorrangig ins Auge stechenden Begriffe, die allerdings durch viele Details noch unterfüttert werden. So enthalten auch die atmosphärischen Bilder wahrhaft bedrohlich skizzierte Darstellungen. Um die Tiefen dieses Films wirklich ausloten zu können, sollten Kinder mindestens zehn Jahre alt sein. Mit anschließenden Diskussionen ist zu rechnen, denn auch Erwachsene können durchaus ein Interesse an dieser Erzählung entwickeln. Ein tierischer Film um das menschliche Sein. --Simone Gefeller
Faustrecht der Freiheit - von Rainer Werner Fassbinder (1975) Xvid
Inhalt, Review & Links
Spoiler:
Inhalt • I N H A L T • Franz Biberkopf, arbeitsloser Schausteller, wegen seiner Nummer "Fox, der tönende Kopf" genannt, glaubt fest an seinen Lottogewinn. Um den Einsatz zu finanzieren, macht er alles. So gerät er in piekfeine homosexuelle Kreise. Fox gewinnt eine halbe Million. Jetzt will Fox Unternehmer werden ... (Info: dvdmagazin.de)
• R E W I E V • "Ich will nur wieder so sein können, wie ich bin"
"Like a bird on the wire, like a drunk in a midnight choir I have tried in my way to be free Like a worm on a hook, like a knight from some old-fashioned book I have saved all my ribbons for thee If I, if I have been unkind I hope that you can just let it go by If I, if I have been untrue, I hope you know it was never to you." (1)
Da wird einer verhaftet, Klaus (Karl Scheydt), ein Schausteller, wie man sie früher nannte, einer, der Sensationen präsentierte, auch "Fox, den sprechenden Kopf". Fox (Rainer Werner Fassbinder) ist nun arbeitslos und hat seinen homosexuellen Freund Klaus an die Polizei verloren. Das Ensemble muss gehen. Auch Franz Bieberkopf - so Fox’ bürgerlicher Name - geht. Erst einmal zu seiner alkoholabhängigen Schwester Hedwig (Christiane Maybach), deren Freund im Knast sitzt und die kein Geld hat. Proletarier unter sich. Und ganz anders als Bieberkopfs (den Namen entlehnte Fassbinder "Berlin Alexanderplatz") weibliches, aber Mittelklasse-Pendant Petra von Kant im gleichnamigen Film kann Franz keine Schönheit in das Spiel der Ökonomie einbringen, um die Defizite im sozialem Status zu kompensieren.
Franz ist zurückgeworfen auf sich selbst. Er trägt das Los seiner Klasse. Und jetzt produziert der Regisseur Fassbinder etwas, was diesem Los der Klasse eine leicht parodistische Nuance und zugleich einen sozialen Schub verleiht: Er lässt Franz im Lotto gewinnen. Ein Traum wird Wirklichkeit. Dem Los der Klasse hilft sozusagen ein Los der Klassenlotterie auf die Sprünge, eine Art Katalysator, und doch eher der Schein eines Sprungbettes - wie man im zweiten Teil des Melodramas sehen wird - und daher eben vor allem eine Art fast schon märchenhafter Wink der (Lotto-)Fee mit der Ökonomie des Geldes und ihrer unbarmherzigen Gesetze - so dass sich aus dem Märchen nur ein Horror entwickeln kann.
Franz ist das, was man einen "einfachen" Menschen, einen "einfältigen" Menschen nennen könnte, wenn man ihn - und wie sollte man das anders sehen? - im Rahmen des Ganzen der Klassengesellschaft einordnet. Er kann kein Französisch, versteht nichts von gehobener Kultur und Tischmanieren, hat sich nicht im Zaum. Über den schwulen Antiquitätenhändler Max (Karlheinz Böhm) und den Lottogewinn von 500.000 Mark öffnen sich Franz die Türen zur gehobenen homosexuellen Mittelklasse samt heterosexuellem Anhang. Er, der Klaus verloren hat, trifft auf Eugen (Peter Chatel), einen, wie Franz sagt, schönen, netten, aber auch "vornehmen und bekotzten" Vertreter seiner Schicht, dessen Vater (Adrian Hoven) eine bislang gut florierende Großbuchbinderei besitzt, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist. Während Eugen seinem bisherigen Geliebten Philip (Harry Baer) den Laufpass gibt, spekuliert er auf das Geld von Franz, nicht nur um den alteingesessenen Betrieb wieder auf Vordermann zu bringen, sondern auch, um seinem eigenen Leben den ihm gebührenden Style zu verpassen.
Franz kreditiert das Geschäft mit 100.000 Mark, kauft Eugen und sich eine Eigentumswohnung samt bei Max erworbenem Interieur im Wert von 80.000 Mark und nobler Edelkarosse. Eugen, der Franz gegenüber mit vorgetäuschter Freundlichkeit und ebenso vorgetäuschter Absicht, ihn in die Welt der gehobenen Mittelklasse einführen zu wollen, andererseits mit offen zur Schau getragener Verachtung begegnet, kalkuliert scharf.
Ein Darlehensvertrag - abgeschlossen vor Dr. Siebenkäss (Rudolf Lenz), der zur näheren Sippschaft um Eugen und Max gehört - scheint Franz abzusichern: 100.000 DM auf zwei Jahre bei 7% Zinsen. Aber schon hier haut man Franz über's Ohr: Die versprochene Teilhaberschaft am Betrieb enthält der Vertrag nicht. Zudem muss Franz im Betrieb von Thiess arbeiten. Als er an der Schneidemaschine 40.000 Exemplare einer Zeitschrift verschneidet, hat Eugen Franz endlich vollends in der Hand. Er lässt sich die teure Wohnung samt Inventar überschreiben - angeblich nur als Sicherheit gegenüber der Bank, die dem Betrieb ansonsten keinen Kredit mehr geben würde.
Franz ist psychisch am Ende. Er bekommt Valium verschrieben, weil er unter Herzschmerzen leidet. Er spürt, dass Eugens Welt nicht die seine ist. Als er sich von ihm trennen will, besitzt er fast nichts mehr. Für den Sportwagen bekommt er gerade mal 8.000 Mark.
Franz endet in einer Frankfurter U-Bahn-Station - ausgeraubt von zwei Kids und liegen gelassen von Max und seinem Ex-Freund Klaus, dem er noch 30.000 Mark gegeben hatte, damit er sich eine Existenz aufbauen konnte, weil beide "mit der Sache" nichts zu tun haben wollen.
"Like a baby stillborn, like a beast with his horn I have torn everyone who reached out for me. But I swear by this song and by all that I have done wrong I will make it all up to thee. I saw a beggar leaning on his wooden crutch He said to me, ,You must not ask for so much.' And a pretty woman leaning in her darkened door, She cried to me, ,Hey, why not ask for more?'" (1)
Es dreht sich im Kreis. Zum Schluss sitzen Eugen und Philip als Paar wieder in der von Franz finanzierten Eigentumswohnung. Fassbinder ist in "Faustrecht der Freiheit" gnadenlos, was die Ökonomie der Ökonomie angeht, und ebenso gnadenlos, was die Ökonomie der Liebe angeht. Dass der Film im Homosexuellen-Milieu spielt, hat eigentlich, so der Regisseur selber, nur einen dramaturgischen Effekt: Man schaut genauer hin. Und wenn man genauer hinschaut, sieht man in Franz eher das "weibliche" Element, in Eugen das "männliche", oder noch genauer: Franz handelt seinen Gefühlen entsprechend. Er ist in Eugen verliebt, nicht in dessen Geld, dessen sozialen Status, dessen Herkunft, sondern in ihn. Und so handelt er auch: aus Liebe gibt er, was er im Lotto gewonnen hat - nicht aus Berechnung, nicht aus ökonomischem oder emotionalem Kalkül.
So sieht es auch seine Schwester Hedwig: Franz sei dumm und primitiv. Franz ist dumm und primitiv, weil er nicht begriffen hat, dass seine "einfache" Liebe, seine Uneigennützigkeit in "stiller" Skrupellosigkeit ausgenutzt wird.
Eugen, sein Vater und Max sind die Schaltzentralen des Prinzips der Ökonomie der Ökonomie. Und Eugen versteht es vorzüglich, Franz Gefühle für ihn gnadenlos auszunutzen. Dem "Nur die Liebe vermittelt Beziehung" setzt er gegenüber "Nur Geld vermittelt Beziehung". Max, der gewiefte Vermittler zwischen den Welten, freundlich, immer leicht lächelnd (und wieder einmal exzellent gespielt von Karlheinz Böhm, der in "Martha" 1973/74 gegenüber Margit Carstensen eine ähnliche, aber offen brutalere Rolle spielte), durchschaut das Spiel, ist eigentlicher Initiator des von langer Hand geplanten Betrugs an dem Proleten Franz.
Was Franz aus Liebe gibt, nimmt Eugen aus ökonomischem Kalkül. So "ergänzen" sie sich - bis das Geld alle ist.
Über die konkreten Personen hinaus allerdings ist "Faustrecht der Freiheit" eine ansonsten selten gesehene Kritik an den Mechanismen unserer Gesellschaft, tiefgreifend bis in die Einzelheiten der emotionalen und ökonomischen Ausbeutung, der Ausbeutung der Gefühle ebenso wie der Verfestigung der bestehenden Strukturen - und obwohl melodramatisch, dennoch nie rührselig. "Faustrecht der Freiheit" ist vielleicht Fassbinders dramatischster Film in dem Sinne, dass er bis an die Grenzen des Erträglichen und damit bis in die letzten Winkel der Realität geht.
Als Franz spürt, dass er sich von Eugen trennen muss, sitzt er auf den Treppen einer Art Arena in einem Gebäude, dessen Inneres von künstlichem Licht bestrahlt wird, während Eugen ihm den Rücken zukehrt und Max vor Franz steht, der den Kopf senkt. Wie in einer klassischen Tragödie ist das Opfer ausgemacht, schon längst, bevor Franz es selbst jetzt bewusst ist. Er hat alles verloren, und wenn er sagt "Ich will nur wieder so sein können, wie ich bin", ist ihm längst klar, dass das nicht mehr so sein wird.
Franz Bieberkopf ist - wie auch andere Hauptfiguren in Fassbinders Stücken - nie der "Held", das Opfer, das sich aus seinen Zwängen bzw. den Zwängen, die ihm andere auferlegen, befreit oder auch nur befreien könnte. Fassbinders Perspektive geht über die Schmalspur-Sicht der Linken seiner Zeit hinaus. Wenn sich Fassbinder der linken Utopie des "Gegenmodells" stets verweigerte, dann exemplarisch etwa mit den Worten:
"Im Moment kann ich mir das immer nur vorstellen als Gegenmodell, und dann ist es falsch. Das ist klar. Bei einem Gegenmodell hat es eben auch das in sich, wogegen es ist." (2)
In den Gegenmodellen der Linken tauchte "das Alte" aber nie auf. Die "Dem-Morgenrot-entgegen"-Gesellschaft war als Utopie immer etwas "ganz anderes" als die Gegenwart - im Unterschied etwa zur stalinistischen Praxis oder zum "kleinbürgerlichen Extremismus" der DDR-Gesellschaft. Franz Bieberkopf gehört solchen Modellen ebensowenig an wie Petra von Kant, Martha, Lola - oder welche Hauptfigur man aus Fassbinders Filmen auch nehmen will. Fassbinder interessiert sich für wirkliche Menschen und wie sie sich bewegen, denken und empfinden.
Der Proletarier Franz scheitert an seiner eigenen psychischen und mentalen Disposition, die in der Konfrontation mit der Ökonomie der Ökonomie gnadenlos scheitert und scheitern muss. Das ideologisch verbrämte Postulat der individuellen Freiheit entpuppt sich als Erneuerung des Faustrechts in gesetzlich eingefassten Bahnen und mental eingeübter Praxis auf beiden Seiten, der "proletarischen" wie der "bürgerlichen" - zwei Seiten einer Medaille.
Inhalt • I N H A L T • Ein Film als Beichtstuhl. Menschen gehen in die Kirche, Menschen sitzen alleine in der Kirchenbank, Menschen beten zu Jesus, der ihnen alles ist: Vater und Freund, Heiland und Retter, Wegweiser und Klagemauer, Redender, Schweigender, Liebender.
Da ist etwa ein Student, der gegen den Willen seiner Eltern täglich die Messe besucht, seine ganze Freizeit in der Kirche verbringt und der Jesus einfach alles erzählt und alles bereut: erotische Phantasien wie Heldenträume.
Da ist eine Mutter von zwei Kindern, die genauso viel Zeit in der Kirche verbringt wie zu Hause, wo sie seit Jahren ihren gelähmten Mann pflegt. Innigst bittet sie Jesus, dass er ihren Mann, einen Moslem, heilen möge. Der wiederum sieht in seiner Krankheit die Gottesstrafe dafür, dass er eine Christin geheiratet hat.
Oder die pensionierte Chemielehrerin, die von ihrem Lebensgefährten mit einer anderen Frau betrogen wird. Sie sinnt im Gebet nach Rache. Aber ist Rache nicht Sünde? Wie viele andere kommt sie in die Kirche und klagt, kollaboriert, sinniert, bekennt, grübelt und bittet Jesus, er möge ihr verzeihen.
Formal streng zeigt Ulrich Seidls neuer Film JESUS, DU WEISST sechs fragmentarische Porträts von Gläubigen, die ganz persönlich mit Jesus sprechen. Jede der sechs Geschichten öffnet dabei einen Raum, eine Intimität, eine Aussicht auf das, was man Gott nennen könnte. [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
• R E W I E V • Österreich und die katholische Kirche: Das ist auch die Geschichte einer langen Feindschaft. Der grosse Polemiker Thomas Bernhard bezeichnete den Nationalsozialismus einmal als «Katholizismus mit seltsamen Kreuzen». Von derart heilig-nüchternem Zorn ist Ulrich Seidl mit «Jesus, Du weisst» weit entfernt - und dennoch nicht weniger radikal. Der Wiener gibt seit «Tierische Liebe», «Models» oder «Hundstage» den provokativen Chronisten jenes sehr dumpfen Österreich, das Hunde vögelt, während sich die Schickeria am Wiener Opernball einbildet, ihr Land sei noch Weltmacht. Im Seidl'schen Panoptikum dreht sich nie jemand im Dreivierteltakt in der Hofburg zu Wien, dafür immer viel um Verzweiflungssex im Reihenhaus bei Attnang-Puchheim. Ausserhalb, ausser sich, abgefuckt: Hier beginnt die Seidl-Zone.
Und jetzt also ein Dokumentarfilm über Glauben und Kirche; ein waschechter, muss man sagen, weil das bei Ulrich Seidl, dem Grossmeister des inszenierten, genannt «Fake-Dok», keineswegs selbstverständlich ist. «Nicht die Heuchelei oder Erstarrtheit, das Zeremonielle, Bigotte, autoritär Konservative oder den Kitsch an der katholischen Kirche», habe er zeigen wollen, so der Regisseur - und bei Gott, er tut es nicht. Seidls Neuer wurde hymnisch als «Hardcore-Variante aller Religionsfilme» gefeiert, weil er reduzierter ist, als alle anderen vor ihm, und vor allem intimer: In «Jesus, Du weisst» wird nur gebetet, und zwar laut und deutlich. Der Student bereut seine erotischen Phantasien. Die Hausfrau beklagt die Unfähigkeit ihres Mannes, das richtige Fernsehprogramm auszuwählen. Die alte Dame, betrogen von ihrem Gatten, sinnt im Gebet nach Rache. Sechs Menschen öffnen ihre Herzen, heben die Stimme, gestehen Missbrauch, Einsamkeit und Verzweiflung - und blicken doch nur in Seidls Kamera.
Spätestens an dieser Stelle zeigt sich die Radikalität dieses Films, die sich programmatisch im ersten der sechs Porträts andeutet. «Jesus, Du weisst» kokettiert auch mit dem Konzept einer Fernseh-Talkshow, aber Seidl verweigert seinem Personal genau das, was ihm Pfarrer Fliege & Co. gerne garantieren: Da ist niemand, der so etwas wie Trost spendet; da ist im Grunde überhaupt nichts, ausser Menschen und ihr fester Glaube, dass dieser Jesus, der stumm über den Betern am Kreuze hängt, sie erhört und ihre Not. Das nachgerade erschütternde Allein-Sein wird noch totaler, weil Seidl es im Bilde verdoppelt. Nie waren seine Tableaus stimmiger: Wir sehen gezeichnete Menschen, nein, nur Köpfe, wie abgesunken auf den unteren Bildrand. Und über ihnen wölbt riesig sich die Kirche. Steinhimmel. Schweigen. Grossartig. Text: Stefan Gubser
Auf Wunsch ... Rocker - von Klaus Lemke (1972) TV-Rip - DivX5
Inhalt & Links
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Inhalt • I N H A L T • Hamburg 1972. Der 14 Jahre alte Marc landet nach dem Tod seiner Bruders in der Welt der Rocker und Zuhälter. Er freundet sich mit dem gerade haftentlassenen Rocker Gerd an. Der ehemalige Chef einer Rockergang muss auch für sich feststellen, das sich "draußen" alles verändert hat. Zusammen suchen die beiden in Hamburg der 70er Jahre nach Antworten. Dabei lernt Marc neugierig weitere Schattenseiten der damaligen Gesellschaft kennen. (written by ex-hellbilly)
[/b] • • • • • • • • • • • • • • • • • • [/b] St. Pauli 1971. Rocker gegen Zuhälter. Mittendrin Gerd (Gerd Kruskopf), gerade aus dem Knast entlassen und eben noch von seiner Rocker-Gang herzlich begrüßt. Doch draussen ist nichts mehr wie es war. Als er den jungen Mark (Hans-Jürgen Modschiedler) kennenlernt, beschließt er, dessen toten Bruder Uli (Paul Lyss) zu rächen ... An diesem zeitlosen Meisterwerk klebt der Dreck der Straße. Eine entfesselte Kamera stürzt sich ins Rotlicht-Milieu, Alkohol und echtes Blut fließen in Strömen. Momente des Wahnsinns für die Ewigkeit, die nur entstehen können, weil sich die harten Typen selbst spielen. [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]