
Die Frauen sind nackter, die Karre cleverer und die Gefahren größer - dennoch ist das Remake der Superauto-Serie "Knight Rider" genauso dämlich wie das Original. Trotzdem sollte man als Zuschauer unbedingt dranbleiben. Womit sonst lässt sich das Gehirn so schön durchlüften?
Würden Sie einem Mann vertrauen, der sein Auto "Kumpel" nennt? Der behauptet, sein Wagen könne sprechen, seitlich auf zwei Rädern fahren und besitze eine künstliche Intelligenz? Und der dabei die ganze Zeit über immer dieselbe Lederjacke trägt?
Natürlich würden Sie!
Sonst könnte David Hasselhoff ja heute ein ganz normales Leben führen und bräuchte sich nicht darum sorgen, dass wieder ein Video von ihm ins Netz gestellt wird, in dem er volltrunken auf dem Boden eines Hotelzimmers herumkriecht und versucht, einen Burger zu essen.
Dass Hasselhoff nicht bloß die leichte Beute gieriger Boulevardjournalisten war, sondern ein echter Star, ist lange her. Aber als "Knight Rider" zählte er Ende der Achtziger zu den gefragtesten Schauspielern - zumindest in Deutschland, wo ihm sogar eine Karriere als Sänger gelang, was die Amerikaner heute noch zum Schießen finden. (Und Hasselhoff, als es damit vorbei war, offensichtlich sehr belastend.)
"Ein Auto. Ein Computer. Ein Mann" - so lautete die beinahe vollständige Zusammenfassung des Serieninhalts im Vorspann, in dem ein schwarzer Pontiac Trans Am namens K.I.T.T. ("Knight Industries Two Thousand") mit rot leuchtender LED-Front auf die Zuschauer zuraste. Drinnen saß Hasselhoff alias Michael Knight, Rächer der Wehrlosen, der im Auftrag der "Foundation für Recht und Verfassung" mit seinem sprechenden Superauto durch Kalifornien brauste, um Schurken dingfest zu machen.
Das war selbst für damalige Fernsehverhältnisse ein erstaunlich dämlicher Plot, aber eben auch ein großer Publikumserfolg, unter anderem für einen zu jener Zeit noch recht kleinen Privatsender namens RTL plus, bei dem "Knight Rider" in der Dauerschleife lief. Über zwanzig Jahre danach kommt "Knight Rider" jetzt zurück - mit einem neuen Hauptdarsteller, einem neuen Auto, aber konsequenterweise einer ähnlich albernen Geschichte.
Ex-Model Justin Bruening spielt Michael Traceur, den Sohn von Michael Knight, der sich weniger für Gerechtigkeit interessiert als vielmehr dafür, welche Blondine sich als nächstes flachlegen ließe. Das ändert sich schlagartig, als ihn seine Sandkastenfreundin Sarah (Deanna Russo) um Hilfe bittet, weil ihr Vater verschwunden ist, der an einem irre geheimen Projekt fürs FBI arbeitet, für das sich auch eine Truppe schießwütiger Unsympathen interessiert, um die Welt ins Verderben zu stürzen.
"24" als Vorbild
Was man halt so macht, wenn einem langweilig ist.
Am Ende kann Traceur seinem Schicksal aber nicht entgehen: Die "Foundation" wird neu gegründet, arbeitet zur Schurkenbekämpfung eng mit dem FBI zusammen und der neue Knight macht da weiter, wo der Serienpapa (der am Ende des Piloten einen zweiminütigen Gastauftritt hat) aufhörte.
Und wenn Sie jetzt kopfschüttelnd vorm Bildschirm sitzen, weil sich das alles so sehr an den Haaren herbeigezogen anhört, lassen Sie sich gesagt sein: Das stimmt. Hat aber einen gewissen Unterhaltungswert.
Schade ist nur, dass der Pontiac Trans Am von früher diesmal ein - vermutlich produktplatzierter - Ford Mustang Shelby ist, der natürlich viel mehr kann als ein Vorgänger: Dank Nanotechnologie verwandelt sich K.I.T.T. bei laufender Fahrt in einen Jeep, springt aus dem Stand meterhoch, er repariert sich selbst, wenn die Karosserie Schaden nimmt, und zapft aus dem Handschuhfach ein fantastisches Sieben-Minuten-Pils (letzteres nehmen wir jedenfalls an). Die einzige Bedingung ist: Das ausgetüftelte Computersystem muss erst mit Autorisierung der Helden hochgefahren sein, um perfekt zu funktionieren - eine Erfahrung, die zumindest einigen Zuschauern mit Windows-Rechner fremd sein dürfte.
Das neue Hauptquartier der "Foundation" erinnert an eine Mischung aus Batcave und der Counter-Terrorist-Unit in "24". Dabei sind es nicht nur die optischen Ähnlichkeiten, die beim Zusehen auf die Vorbilder des neuen "Knight Rider" verweisen. In den Achtzigern war die Welt des Verbrechens ja irgendwie noch in Ordnung. Heute aber reißt ein simpler Mord oder eine harmlose Betrugsgeschichte niemanden mehr vom Hocker, nicht jedenfalls, nachdem Jack Bauer einmal im Jahr die Auslöschung des halben Landes durch ABC-Waffen vereiteln muss.
Achtung Napalm, Klamotten runter!
Aus diesem Grund ist jetzt eben auch bei "Knight Rider" permanent "die nationale Sicherheit bedroht". In einer Tour wird geschossen und verfolgt, der Pilotfilm spielt fast nur im fahrenden Auto, und dass Knight überhaupt mal aussteigen darf, liegt wohl daran, dass selbst im aufgemotzten K.I.T.T. kein Platz mehr für eine Reisetoilette war.
Klar, die Effekte sind besser als früher, die Frauen tiefer dekolletiert und die Bedrohungen größer, noch dazu hat der neue Ritter eine Vergangenheit als Soldat im Irak angedichtet bekommen, an die er sich aber nur teilweise erinnert und die - oha! - ein großes Geheimnis birgt.
Aber das alles hilft ja nichts.
Auch im Jahr 2009 ist "Knight Rider" haarsträubend unrealistisch, manchmal sogar richtig peinlich (zum Beispiel wenn sich die attraktiven Protagonisten in K.I.T.T. ihrer Klamotten entledigen müssen, weil das Feuer aus waffenfähigem Napalm draußen nicht gelöscht werden kann und die Fahrerkabine aufheizt), allein: So richtig wegschauen mag man nicht. Keinesfalls kann es die Serie mit ihren modernen Konkurrenten aufnehmen, sonst würde RTL sie ja nach dem Pilotfilm heute Abend in den kommenden Wochen auch nicht am Samstagmittag versenden. Genauso wenig hat sie den Charme der Abenteuer von vor zwanzig Jahren, in den USA ist sie längst wieder abgesetzt.
DLC+Rapid
Rapid
7x100MB