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Autorin Mely Kiyak - Die Frau mit der Jagdbomberzunge

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Ungelesen 10.09.20, 12:28   #1
pauli8
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Standard Autorin Mely Kiyak - Die Frau mit der Jagdbomberzunge

Zitat:
Autorin Mely Kiyak

Die Frau mit der Jagdbomberzunge

Bekannt geworden ist sie als politische Kolumnistin: In ihrem autobiografischen Roman "Frausein" nun erzählt Mely Kiyak vom Aufwachsen als Tochter eines kurdischen Migranten in Deutschland - und von ihrer langen Reise zu sich selbst.

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09.09.2020, 21.59 Uhr


Schriftstellerin Kiyak: "Keinen Urlaub, kein Kind, kein Haus"
Foto: 
Jacqueline Illemann / Hanser

Klar woher sie das hat: diese Lust zum Angriff, zum Säbelkampf mit Wörtern, nach dem der Gegner dann zum Beispiel ohne Mund, Nase oder Eier dasteht. Mely Kiyak, Kolumnistin, Dramatikerin, Autorin hat es von ihrer Großmutter gelernt: "Sie konnte durch die Kraft ihrer Sprache ganze Sippschaften entehren", schreibt Kiyak in ihrem neuen Buch "Frausein".

Ihre "Zunge war ein Jagdbomber", mit ihrem Mundwerk konnte sie "ganze Straßenzüge vernichten". Wenn sie mit ihrem Schnellfeuerbeschimpfungen fertig war, "lagen auf dem Boden abgefallene Ohren, ihrer sich im Schockzustand befindenden Zuhörerschaft. Das war nicht einfach Schimpfen. Das war ein Kunstwerk."

Ihre Enkelin, die vor allem für ihre politische Kolumne "Deutschstunde" auf "Zeit.de" bekannt ist, hat nun in dieser Tradition ein Buch über sich selbst geschrieben. Einen autobiographischen Roman, kurze Protokolle einer politischen und poetischen Ich-Werdung. In einer immer wieder überraschenden Mischung aus Zärtlichkeit, Selbstoffenbarung und politischer Klarheit. Ihre lange Reise zu sich selbst.

Kiyak erzählt von ihrem Vater, kurdischer Einwanderer aus der Türkei, zur Generation von "Gastarbeitern" gehörend, die hier praktisch unsichtbar waren. Die erst von einem freundlichen Deutschen, der sich einen Schnurrbart ins Gesicht geklebt hatte und sich Ali nannte, sichtbar gemacht wurde: von Günter Wallraff in seinem Reportagebuch "Ganz unten". Aber er war nur verkleidet. Kiyak schreibt: "Wir wurden erzählt".

Kiyaks Buch ist auch eine Liebeserklärung an ihren Vater, der nur für sie, die Tochter lebte. Dass sie seine Träume erfüllen, leben, wahr machen würde - das war sein Lebensziel.
Auch davon musste Kiyak sich befreien. Ihr Buch erzählt von vielen Befreiungen aus den Zuschreibungen Anderer. Nach dem Brandanschlag von Mölln sah sie sich - gespiegelt in den Bildern der Opfer. Und dachte sich: so seht ihr uns.

Unzufriedenheit und Überforderung

Nach den Anschlägen vom 11. September erlebte sie, wie plötzlich auch unter ultraaufgeklärten Studenten über Leute wie sie - Herkunftsfremde, Andere - geredet wurde. Sie gehörte nicht mehr dazu. Wie sie einmal in einer Telefonzelle in Leipzig zusammengeschlagen wurde und lange Zeit ihr niemand half.

Ihr Buch ist die Geschichte vom "Erzähltwerden" zur radikalen "Ich-Geschichte" nach vielen Fluchten. Den auch aus ihren Erfahrungen des Ausgegrenztwerdens und des Nicht-Dazugehörens möchte sie eben genau nicht die Konsequenz ziehen, eine "Ali-Dichterin" zu werden. Sie will nicht unter den Steinhaufen der Zuschreibungen, wie sie Minderheiten normalerweise erfahren,
begraben werden. Sie will frei und ganz und gar von sich erzählen. Von ihrem Kampf um Autonomie. Denn auch dieses scheinnormale deutsche Frauenleben lehnt sie ab. Sie sieht, wenn sie auf das Leben deutscher Durchschnittsfrauen schaut, nur Unzufriedenheit, Überforderung, falsche Leben. Nichts für sie: "Nein danke, ich möchte keinen Urlaub, kein Kind, kein Haus. Ich möchte nur schreiben."

Schon als fünf- oder sechsjähriges Mädchen hatte sie sich in einem kurdischen Dorf vor ihrer Familie aufgebaut und feierlich erklärt: "Ich wede niemals heiraten und niemals Kinder bekommen." Damals folgten auf die Ankündigung des kleinen Mädchens Gelächter und Applaus.

Aber Mely Kiyak hat es wahrgemacht. Sie will nur schreiben, sich frei schreiben von allen Erwartungen, Forderungen der Welt. Auf den Spuren, zum Beispiel, der Großmutter mit dem Jagdbomber. Sie schreibt: "So eine radikale Oma zu haben, war natürlich der Himmel auf Erden.
Quelle:

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Mir haben ihre Kolumnen „Deutschstunde“ bei ZEIT.de immer gefallen.

Geändert von pauli8 (10.09.20 um 14:21 Uhr)
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